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Keep Surfing

OriginaltitelKeep Surfing
GenreDokumentarfilm
Land & Jahr Deutschland 2009
FSK & Länge ab 6 Jahren • 91 min.
MediumDVD (Kauffassung)
AnbieterProkino Filmverleih
Verkaufsstart30.09.2010
RegieBjoern Richie Lob
DarstellerDieter Deventer, Steffen Dittrich, Mark Steffan Gassner, Markus Knörringer, Florian Kummer, Elijah Mack
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenAwardsNewsTrailerGalerieInterviewDVDsbewerten
DVD Extras: Laufzeit Bonusmaterial ca. 15 Minuten: • Audiokommentar mit Regisseur Björn Richie Lob • Interviews mit Björn Richie Lob, Benjamin Quabeck, Tobias N. Siebert, Quirin Rohleder • Behind the scenes

Das Münchner Eisbachsurfen und seine kleine Helden

Was haben ein Arzt, ein Informatiker, ein Extremsportler und ein Didgeridoo-Hersteller gemeinsam? Zugegeben, die Frage könnte der Beginn eines schlechtes Witzes sein. Dennoch ist sie berechtigt, zumindest in der Dokumentation "Keep Surfing". Im Berufsleben teilen sie sich nichts, privat ist ihnen aber die Freude nach dem Surfen gemein. Diese Freude ist für viele beinahe schon eine Sucht - morgens, abends oder sogar nachts in voller Neopren-Montur mit einem Board im kalten Eisbach surfen. Regisseur Bjoern Richie Lob portraitiert anhand von sechs Eisbach-Surfern (Dieter Deventer, Walter Strasser, Quirin Rohleder, Florian Kummer, Elijah Mack, Gerhard Schlegel) eine Münchner Subkultur, die zwar jedem bekannt, aber nicht jedem zugänglich ist. Denn die Surferszene ist auch hier eine verschworene, sympathische Gemeinschaft. Ganz nebenbei zeichnet Lob, der vor zehn Jahren wegen des Eisbachs von Köln nach München zog, ein Bild einer Stadt, die mehr zu bieten hat, als die üblichen Klischees von Bier, Brez'n und Weißwurst.
Ein Gefahrenschild am Eisbach mit der Aufschrift "Surfen und Schwimmen verboten" weist die Zuschauer ausdrücklich auf das Verbotene, das Verwegene hin, was da am Wasser vor sich geht - und das von der Stadt schon längst toleriert wird. Das Eisbachsurfen erhält dadurch noch mehr Aufmerksamkeit und ist - zumindest für das Publikum - noch spannender. Den Surfern selbst sind Schild und Publikum egal. Sie wollen nur eines: aufs Board und ins Wasser. Die Polizei greift schon lange nicht mehr ein, denn schließlich preist jeder Reiseführer das Spektakel an, das man in München neben den typischen Sehenswürdigkeiten noch erleben kann. So steht das Schild wohl nur noch aus Haftungsfragen. Die stehende Welle am Eisbach, neben dem Haus der Kunst, direkt am Eingang zum Englischen Garten, ist mittlerweile ebenso bekannt, wie so manches sonniges Surferparadies. Zeit also, für eine ausführliche Dokumentation. Und ausführlich ist der Film des gebürtigen Kölners Bjoern Richie Lob wirklich. Mit einer Handkamera ist er stets hautnah dabei, wenn sich wieder ein Surfer in die Fluten des Eisbachs stürzt. Er ist bei der Suche nach dem perfekten Spot und der perfekten Welle dabei. Und er ist natürlich auch auf dem Wasser mit dabei. Eine spezielle Vorrichtung am Bug eines Brettes ermöglicht die Befestigung der Kamera direkt am Board und somit wunderbare Aufnahmen inmitten des Geschehens.

Mit seiner Kamera reist der Regisseur auch in die Vergangenheit. Aufnahmen aus der Zeit vor rund 30 Jahren erzählen vom Beginn einer Leidenschaft, als sich der erste Verrückte in die Wellen des Flusses gestürzt hat. Seitdem ist viel Zeit vergangen und viel Wasser den Eisbach - eigentlich ein kleiner Kanal - entlang geflossen. Doch die Leidenschaft ist immer noch dieselbe. Davon erzählen die Protagonisten Dieter Deventer, Walter Strasser, Quirin Rohleder, Florian Kummer, Elijah Mack und Gerhard Schlegel in ausführlichen Interviews, die zwischen den schönen Aufnahmen eingestreut sind und dadurch ein schönes Ganzes ergeben. Einige von ihnen sind regelrecht kamerascheu, erst mit der Zeit blühen sie auf und man merkt, dass es ihnen nur um eines geht: um ihren Sport, das Surfen. Bjoern Richie Lob stellt seinen Protagonisten aber auch kritischen Fragen. In heiteren Anekdoten erfährt man, dass es auch in München sogenannte Locals gibt, die ihren Platz, ihre Welle mit viel Einsatz zu verteidigen bereit sind.

München ist nur ein Schauplatz von vielen. Die Doku führt den Zuschauer in andere Länder, zu anderen Flüssen und erfolgreichen Surfern. Man erfährt beispielsweise, dass es einer der Eisbachsurfer tatsächlich geschafft hat, von seinem Hobby zu leben: Quirin Rohleder. Der gebürtige Münchner arbeitet heute als Dolmetscher für Surfmagazine und als Moderator diverser Surfveranstaltungen. Das Publikum, das wenig bis gar nichts mit Flusssurfen am Hut hat, wird mit vollem Tempo und viel Action mitten in die Thematik hineingeworfen. Erzählungen, Interviews, wunderbare Wasseraufnahmen sorgen beinahe schon für eine Reizüberflutung. Manches Mal ist es gar etwas schwierig, der Dokumentation zu folgen. Kein Wunder, Lob sammelte über einen Zeitraum von fünf Jahren Filmmaterial, das am Ende in eineinhalb Stunden zusammengeschnitten wurde. Er hat eine kleine Meisterleistung vollbracht. Denn tatsächlich steigert sich die Leidenschaft der portraitierten Personen von Minute zu Minute. Und es dauert nicht lange bis diese auf den Zuschauer überspringt. Die Botschaft ist aber nicht, surft um euer Leben, sondern sucht etwas in eurem Leben, das euch Spaß macht. Und der Film macht definitiv Spaß auf mehr!

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Keep Surfing

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