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Intrige

Originaltitel
J'accuse
Alternativ
D; An officer and a spy
Genre
Historienfilm, Thriller
 
Frankreich/Italien 2019
 
127 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
DVD (Kauffassung)
 
 
Kaufstart
03.07.2020 ( D | CH | A ) bei Weltkino Filmverleih
 
 
Regie
Roman Polanski
Darsteller
Jean Dujardin, Louis Garrel, Emmanuelle Seigner, Grégory Gadebois, Hervé Pierre, Wladimir Yordanoff
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
1 8,0(Filmreporter)
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Intrige ("J'accuse", 2019)Weltkino Filmverleih
Making of (ca. 30 Min.) • Trailer • Wendecover
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Verfilmung von Robert Harris' gleichnamigem Roman

Die Häme und die Freude über die Verurteilung des jüdischen Artillerie-Hauptmanns Alfred Dreyfus (Louis Garrel) ist den Spitzen der Armee anzusehen und auch das Volk jubelt, als dem Verräter die Zeichen seines Offiziersranges abgerissen werden. Dreyfus wurde vorgeworfen, er habe militärische Geheimnisse an den Erzfeind an der anderen Seite des Rheins verraten.

Auch Oberstleutnant Marie-Georges Picquart (Jean Dujardin), selbst tief in seinem Herzen ein überzeugter Antisemit, ist von dessen Schuld überzeugt. Als er die Leitung des französischen Auslandsnachrichtendienstes übernimmt, stößt er jedoch schnell auf Indizien, dass ein Militärangehöriger weiterhin brisantes Material an die deutsche Botschaft liefert. Der Verdacht fällt auf Ferdinand Walsin-Eszterhazý, einem Offizier aus Rouen.

Seinen Vorgesetzten schmeckt Picquarts Ermittlungseifer überhaupt nicht. Keiner hat Interesse an der Wahrheit und so gerät Picquart selbst in die Schusslinie. Von Gewissensbissen geplagt, die geliebte Armee zu hintergehen, aber zugleich seinem Eid auf das Land verpflichtet, vertraut er sich der Presse an. Émile Zola, einer der renommiertesten Schriftsteller des Landes, veröffentlicht in "L'Aurore" eine flammende Anklage gegen die Vertuschungsversuche der Regierung.


Sieben Jahre nach der Dreyfuss-Affäre wird Aufklärer und Whistleblower Marie-Georges Picquart im Kabinett von Georges Clemenceau Kriegsminister, Enthüllungen führen zu der Zeit noch zum Sturz von Regierungen. Dieser kurze Hinweis am Ende der Verfilmung von Robert Harris' gleichnamigem Roman steigert die aktuelle Brisanz von Roman Polańskis historischem Thriller. Marie-Georges Picquart ist ein Bruder im Geiste von Edward Snowden, Chelsea Manning und Julian Assange, die 100 Jahre später im Angesicht von Verbrechen von Militär und Regierenden nicht schweigen können und dies mit Exil oder Gefängnis bezahlen. Die Regierenden blieben hingegen im Amt.

Harris und Polanski streiften das nicht immer einfache Verhältnis von Politik und Wahrheit bereits in "Der Ghostwriter", in dem ein Journalist die üblen Machenschaften eines britischen Ex-Premiers aufdeckt. Akribisch rekonstruieren sie nun die Etappen der Aufdeckung des historischen Fehlurteils. Dabei entsteht ein beklemmendes Zeitbild der antisemitischen und nationalistischen Stimmung im Land, die die Affäre an die Oberfläche spült.

Bei der Premiere auf dem Festival von Venedig gibt es für ihren Film den Großen Preis der Jury. Polański bleibt dem Festival in der Lagunenstadt fern. Zu groß ist seine Angst, die Italiener könnten ihn festnehmen und an die USA ausliefern, von wo er vor mehr als 50 Jahren vor einer Anklage wegen Sex mit einer Minderjährigen flüchtet. Die französische Premiere im November wird von Protesten überschattet, nachdem sich eine Frau mit der Behauptung an die Presse wendet, sie sei in den 1970-er Jahren von Roman Polański vergewaltigt worden.

Insofern ist "Intrige" nach "Der Pianist" erneut ein sehr persönlicher Film für den Oscar-Gewinner. Wie Dreyfus den Geheimnisverrat streitet der polnische Regisseur die Vergewaltigungsvorwürfe ab, doch die öffentliche Meinung hat sich längst ihr Urteil über ihn gebildet. Der amerikanische Academy of Motion Picture Arts and Sciences schließt ihn 2018 aus ihre Reihen aus, die Europäische Film-Community zeigte dem Drama bei der Verleihung mit den Filmpreisen die kalte Schulter. Ihr Urteil kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Polański mit "Intrige" ein politisch höchst aktuelles und künstlerisch ausgereiftes Meisterstück geglückt ist.
Intrige ("J'accuse", 2019)Weltkino Filmverleih, Guy Ferrandis
Jean Dujardin & Louis Garrel in "Intrige" ("J'accuse", 2019)
Die Häme über die Verurteilung des jüdischen Offizierts Alfred Dreyfus ist der Armeeführung anzusehen und auch das Volk jubelt.  Clip starten
Verfilmung von Robert Harris' gleichnamigem Roman.
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