Saved!

Saved! - Die Highschool Missionarinnen

Originaltitel
Saved!
Regie
Brian Dannelly
Darsteller
Susan Wilkey, Syndie Skeeles, Thomas Plustwik, Althea McAdam, Joe MacLeod, Greg Kean
Kinostart:
Deutschland, am 16.09.2004 bei Solo Film Verleih
Genre
Drama, Komödie
Land
USA
Jahr
2004
FSK
ab 12 Jahren
Länge
92 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
10,0 (1 User)
Mary (Jena Malone), zu deutsch: Maria, heißt die tugendhafte junge Dame, die wie ihre biblische Namensvetterin Opfer einer (fast) unbefleckten Empfängnis wird. Das erste und einzige Mal, das sie aus Mitleid und Nächstenliebe mit ihrem soeben als homosexuell geouteten Freund schläft, bevor dieser für immer in einer Art Umerziehungsanstalt verschwindet, reicht aus, um schwanger zu werden. Fortan verheimlicht sie ihre Umstände vor allen, insbesondere vor ihrer besonders eifrig bekehrenden Freundin Hilary (Mandy Moore), der versnobten Anführerin der obligaten Mädchenclique. Gerade sie kommt mit den zunehmend liberaleren Ansichten ihres Umfeldes nicht zurecht und entpuppt sich zum Ende als eindimensional gezeichnete Antagonistin (wie sie als rücksichtslose Make-Up-Zicke im Teenie-Archetypen-Depot vorkommt).
Toleranz zeigen statt Kritik am Christentum üben - so lautet das Motto. Dem missionarischem Bekehrungsakt wird ganz klar eine Absage erteilt, doch der Quotenschwule, -Jude und -Neger als Fremdkörper arg unbeholfen vorgeführt. Ein Film, beseelt vom guten Willen, aber auch diversen Berührungsängsten ist das Resultat. Am Rande tragen Marys getrennt lebende Eltern ihre Eheprobleme aus, die allein durch falsch verstandene Enthaltsamkeit aufgetreten sind. Kurios ist die fluchende und rauchende Jüdin in der Punkphase. Sie gerät zur interessantesten Figur, obwohl, nein, weil sie keinen Konflikt mit sich trägt und ihr rebellisches Verhalten unbewertet bleibt. Man weiß nicht, wie die Filmemacher zu ihrer Person stehen. Gerade das gibt ihr lange Zeit eine charmante Ambivalenz. Die vorauseilende Überkorrektheit der Inszenierung hat zur Folge, dass manche Szenen nicht ganz trennscharf zwischen Ernst und Satire schwanken. Erst im Nachhinein wird deutlich, dass keine christliche Institution oder Werte in Frage gestellt werden, sondern allein individuelles fanatisches und verbohrtes Bischofsdenken. Die Rezepte und Botschaften sind bei gängiger Feel-Good-Ware abgeschaut und beinhalten keine ernsthafte Auseinandersetzung etwa auf diskursiver Ebene. Wer - wie der Rezensent - nach Roger Eberts enthusiastischer Kritik eine Satire à la "Election" erwartet hat, muss die verwirrende Erfahrung machen, dass "Saved!" mehr eine bisweilen dokumentarisch anmutende Sozialstudie ist, die im Ton so zaghaft bleibt, dass man nicht mit Sicherheit bestimmen kann, ob es noch eine Komödie sein soll.

Drehbuch und Dialoge wurden von Linklater, Hawke und Delpy gemeinsam in mehrmonatiger Email-Korrespondenz erarbeitet und wirken erfrischend natürlich, ja geradezu lebensecht. Verstärkt wird der fast schon dokumentarische Stil durch die Erzählung in Echtzeit sowie durch die langen, ungeschnittenen Einstellungen. Wenn "Before Sunset" nach 80 Minuten seinem Ende naht, fühlt man sich als Zuschauer selbst so, als müsse man von zwei guten alten Freunden Abschied nehmen. Insgeheim hofft man, Jesse und Celine in neun weiteren Jahren erneut für anderthalb Stunden beim Spaziergang durch irgendeine europäische Metropole begleiten zu dürfen.
Thorsten Krüger/Komm & Sieh
Mary (Jena Malone), zu deutsch: Maria, heißt die tugendhafte junge Dame, die wie ihre biblische Namensvetterin Opfer einer (fast) unbefleckten...
 
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2022