Kinostar Filmverleih
Bonhoeffer ("Bonhoeffer: Pastor. Spy. Assassin.", 2024)

Bonhoeffer

Originaltitel
Bonhoeffer: Pastor. Spy. Assassin.
Regie
Todd Komarnicki
Darsteller
Jonas Dassler, Phileas Heyblom, August Diehl, David Jonsson, Flula Borg, Moritz Bleibtreu
Kinostart:
Deutschland, am 13.03.2025 bei Kinostar
Kinostart:
Österreich, am 13.03.2025 bei Kinostar
Kinostart:
Schweiz, am 13.03.2025 bei Kinostar
Genre
Thriller
Land
Belgien, Irland
Jahr
2024
FSK
ab 12 Jahren
Länge
133 min.
IMDB
IMDB
Homepage
https://www.kinostar.com/filmverleih/bonhoeffer/
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Unterirdisch schlechtes Dietrich-Bonhoeffer-Biopic
Wenige Tage vor dem Ende des 2. Weltkriegs wird der evangelische Pastor Dietrich Bonhoeffer (Jonas Dassler) hingerichtet. In seinen letzten Stunden lässt er sein Leben Revue passieren. Er erinnert sich an eine behütete Kindheit und viele Diskussionen mit seinem Vater (Moritz Bleibtreu). Es folgen die 1920er Jahren als Student in den USA, wo er den Jazz entdeckt und glaubt zu wissen, dass die Verfolgung von Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe oder Religion in Deutschland unmöglich sei. In diesen Jahren reift er zum Pazifisten.

Doch dann sind da die Jahre im Widerstand mit Martin Niemöller (August Diehl) und vielen anderen, die ihn nach London entsenden, um dort die Weltöffentlichkeit über den Holocaust zu informieren. Die Spitzel der Nazis haben ihn längst enttarnt. Alle Warnungen, nicht nach Deutschland zurückzukehren, schlägt er dennoch in den Wind.
Noch vor der Premiere in den USA ist um den Film, den in Deutschland sicher kaum jemand sehen wird, ein heftiger Streit entbrannt. Grund ist dafür ist zum einen das Plakat, das Bonhoeffer mit einer Waffe zeigt. Das ist eine irreführende Botschaft, weil das Bild weder zum Film noch zur Persönlichkeit von Bonhoeffer passt.

Auf der anderen Seite stehen die rechtsextremen evangelikalen Christen in den USA, die ihren Einfluss auf die Politik der USA insbesondere in der Republikanischen Partei in den vergangenen Jahrzehnten systematisch ausbauen und den Film für sich instrumentalisieren. Bonhoeffers Widerstand gegen ein verbrecherisches Regime, den er als seine Pflicht ansah, versuchen sie umzudeuten in die Pflicht zum Widerstand gegen demokratische Traditionen und Institutionen in den USA.

Auch wenn man viel an der Politik von Biden kritisieren kann, ist der Vergleich oder gar die Gleichsetzung mit Hitlerdeutschland absoluter Schwachsinn. Die deutschen Schauspieler haben sich mittlerweile auch gegen die Vereinnahme des Films durch Vertreter von Evangelikalen Kirchen gewandt.

Zur Unsitte ist es seit der Diskussion um den Dreh von "Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat" leider auch geworden, sich an der politischen Gesinnung eines Künstlers abzuarbeiten. Vor 15 Jahren war es die Scientology-Mitgliedschaft von Tom Cruise, die es in den Augen der Kritiker unmöglich machen sollte, ihn als Stauffenberg zu besetzen. Auch arbeiten sich Kritiker am Abgleiten von Eric Metaxas ins Milieu der schwurbligen Verschwörungsszene ab. Dessen Bonhoeffer-Biografie ist die Vorlage des Drehbuchs.

Mit diesen Feststellungen könnte die Diskussion beendet werden und die Auseinandersetzung mit dem Werk beginnen. Wie viele Biopics nimmt sich auch dieser Film künstlerische Freiheiten bei der Nachzeichnung von Dietrich Bonhoeffers Lebensweg. Dass die Angehörigen des evangelischen Pastors darüber oft nicht glücklich sind, ist normal. Auch die Nachfahren von Bonhoeffer kritisieren am Film den leichtfertigen bis verfälschenden Umgang mit einzelnen Ereignissen und Fakten.

Bleibt der Film an sich, der alles andere als ein Meisterwerk ist, oberflächlich bleibt und den Zuschauer nie richtig packt. Er erinnert eher an gut gemeinte, aber schlecht gemachte Filme über den Widerstand gegen Hitler bei der DEFA oder in anderen sozialistischen Ländern. Vor allem, Bonhoeffer wird nie richtig nahbar, was nicht zuletzt an den Worten liegt, die ihm das Drehbuch in den Mund legt. Entweder er zitiert die Bibel, oder er spricht simplen, banalen Sätzen. Das ist sicher im Drehbuch schon angelegt, weshalb sich die Frage stellt, warum die Creme de la Creme des deutschen Schauspiels für das Projekt zusagt. Moritz Bleibtreu und August Diehl haben nur kleine Nebenrollen und vielleicht das ganze Drehbuch nicht gelesen? Diehl holt aus der Figur alles heraus, um sie emotional zu gestalten. Auch Jonas Dassler gibt sein Bestes, ist aber angesichts des banalen Drehbuchs und der schwachen Regie letztlich machtlos.
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Bonhoeffer ("Bonhoeffer: Pastor. Spy. Assassin.", 2024)
2026