Leonine Studios
Corpus delicti (2026)

Corpus delicti

Originaltitel
Corpus delicti
Alternativ
The Method (intern. Titel)
Regie
Lena Stahl
Darsteller
Hannah Herzsprung, Damian Hardung, Alexander Fehling, Haley Louise Jones, Christian Friedel, Khrystyna Kutsmyda
Kinostart:
Deutschland, am 01.10.2026 bei Leonine Distribution
Kinostart:
Österreich, am 01.10.2026 bei Constantin Film
Kinostart:
Schweiz, am 01.10.2026 bei DCM
Genre
Thriller, Science Fiction
Land
Deutschland
Jahr
2026
FSK
ab 12 Jahren
Länge
103 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brillant  10|
8,0 (Filmreporter)
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Dystopie á la Schöne neue Welt
Nach Kriegen, Umweltschäden und anderen verheerenden Katastrophen ist die menschliche Gesellschaft endlich zur Ruhe gekommen. Die Menschen haben sich 'der Methode' unterworfen. Seit sie die medizinischen Werte jedes Menschen überwacht, ist die Anzahl tödlicher Krankheiten signifikant zurückgegangen. Alkohol, Zigaretten, Schokolade sind verpönt und führen zu Minuspunkten in der persönlichen Kaderakte.

Wissenschaftlerin Mia Holl (Hannah Herzsprung) ist bereit, einen Schritt weiter zu gehen. Um Menschen ohne Sprechvermögen zu helfen, hat sie ein Gerät entwickelt, das die Gedanken einer Person verbalisiert. Ein Missbrauch des technischen Gerätes scheint ihr ausgeschlossen. Ebenso Irrtümer der Methode.

Ihr Weltbild bekommt einen Riss, als ihr Bruder Moritz (Damian Hardung) des Mordes beschuldigt wird. Seine DNA wird an der Leiche einer jungen Frau gefunden, während er behauptet, an einem See außerhalb des Stadtgebietes gewesen zu sein. Sein Anwalt Lutz Rosentreter (Christian Friedel) hat keine Ambition in den Kampf zu ziehen. Während Mia zunehmend dem Charme von Journalist Kramer (Alexander Fehling) verfällt, arbeitet der für die allgegenwärtigen Wächter der Methode.
Lena Stahls Science-Fiction-Thriller adaptiert lose auf dem Bestseller von Juli Zeh, der bereits 2009 erscheint, und seinerseits auf einem Theaterstück basiert, die die Autorin 2007 für die Ruhr-Triennale geschrieben hat. Die Dystopie entwickelt die Klassiker des Genres wie „1984“ und „Schöne neue Welt“ weiter. Es knüpft aber auch an den Science-Fiction-Film „Demolition Man“ an, aus dem Zeh das Einfrieren als Todesstrafe auf Zeit abgekupfert. Nicht zuletzt werden auch gesellschaftliche Phänomene wie die Kontrolle des Individuums in China und moderne Formen der Überwachung durch digitale Medien in die Handlung einfließen.

Die Personage bleibt gleich, die Handlung wird in eine typische Thriller-Struktur gepresst. Aus der im Buch eher passiven Mia wird eine Figur, die ungewollt und plötzlich zur Gegnerin des Systems und Außenseiterin gemacht wird, weil sie aktiv um Beweise für die Unschuld ihres Bruders ringt. Die Ambivalenzen in ihrem Denken und Fühlen bleiben erhalten. Im Buch sind dies Eigenschaften Rosentreters, der hier als desillusionierter, alkoholkranker Jurist charakterisiert wird. Während diese Veränderungen durchaus gelungen sind, bleiben insbesondere die Rolle des Staates und seines allmächtigen Geheimdienstes innerhalb der Verschwörung eher oberflächlich und nebulös.

Sehr gut fängt der Film die von der Autorin beschriebene düstere Atmosphäre ein. Mias Heimatstadt ist unwirtlich, wirkt steril, anonym und kalt. Es fehlen Tiere, Grünpflanzen oder Farbpunkte, die das Auge entspannen. Erschreckend nur, dass all die Beton-gewordenen Alpträume irgendwo in Deutschland stehen.

Die Grundaussage des Buches bleibt in dem durchaus spannenden Genrefilm erhalten. Jedes technische System ist nur so gut, wie die Daten, mit denen es die Menschen vorher gefüttert haben. Und jede Ordnung, deren Erfinder und Bewahren behaupten im Besitz der absoluten Wahrheit zu sein, um alle Menschen glücklich zu machen, schließt diejenigen zur Not auch mit Gewalt aus, die nicht an seine Allmacht glauben. Das Tor zur Diktatur ist weit geöffnet und diese längst Realität. Jeder, der das System auch nur in einem Detail kritisiert, wird als Verschwörungstheoretiker diskreditiert. Der Film wird, hoffentlich für Diskussionen sorgen.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
Leonine Studios, Stanislav Honzik
Corpus delicti (2026)
2026