MUBI
Ein einfacher Unfall ("Yek tasadef sadeh", 2025)

Ein einfacher Unfall

Originaltitel
Yek tasadef sadeh
Alternativ
It Was Just an Accident
Regie
Jafar Panahi
Darsteller
Vahid Mobasseri, Mariam Afshari, Ebrahim Azizi, Hadis Pakbaten, Majid Panahi, Mohamad Ali Elyasmehr
Kinostart:
Deutschland, am 08.01.2026 bei MUBI
Kinostart:
Schweiz, am 30.10.2025 bei Frenetic Films
Genre
Drama
Land
Iran, Frankreich, Luxemburg
Jahr
2025
FSK
ab 16 Jahren
Länge
103 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brillant  10|
7,0 (Filmreporter)
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In jeder Tragik liegt ein Stück Komik
Auf einer nächtlichen Straße hat Eghbal (Ebrahim Azizi) einen Unfall, der ihn zwingt, sein Auto in die Werkstatt zu bringen. Mechaniker Vahid (Vahid Mobasseri) glaubt in ihm jenen Mann zu erkennen, der ihn in einem der berüchtigten Foltergefängnisse verhört hat. Er entführt ihn in die Wüste und will ihn dort lebendig begraben. Im letzten Moment bekommt er Zweifel, schließlich waren seine Augen verbunden und er hat nur die Stimme seines Peinigers gehört.

Um Gewissheit zu erlangen, spürt er Leidensgefährten auf, die ihn aus Angst vor weiteren Repressalien abweisen oder zumindest zögern, ihm zu folgen. Doch Vahid bleibt hartnäckig. Schließlich konfrontieren sie Enbhal mit ihren schrecklichen Erlebnissen in einem improvisierten Verhör. Er streitet alles ab. Doch niemand wagt das abschließende Urteil.
Die Koproduktion "Ein einfacher Unfall" wird bei den Filmfestspielen von Cannes 2025 mit der Goldenen Palme geehrt und geht für Frankreich ins Rennen um den Oscar, wo der Film als zu den Favoriten zählt. Unter den hochgelobten und mehrfach ausgezeichneten Filmen des vom Regime seit Jahrzehnten verfolgten Regisseurs Jafar Panahi ist die Parabel um Schuld und Sühne das politischste Werk.

Das Drama stellt künstlerisch brillant die universelle Frage zum gesellschaftlichen Umgang mit gewaltsamen Methoden zur Unterdrückung jeglichen Widerstands. Im Zentrum steht die alte Frage, ob der Einzelne ein Recht auf Vergeltung hat, wenn die gesellschaftlichen Strukturen versagen. Auf seiner Odyssee bei der Suche nach der Wahrheit begegnet Vahid einem Klima der latenten Angst vor Repressionen des autoritären Regimes sowie das Schweigen der Opfer, die ihre Erlebnisse verdrängen müssen.

Bei all dem Leid und der Dramatik der Situation haben die ersten zwei Drittel des Films einen durchaus humorvollen Unterton. Einige Szene laden sogar zum Schmunzeln ein. In jeder Tragik liegt auch ein Stück Komik, das beherzigt Panahi brillant. Dann kommt es zur direkten Konfrontation mit Eghbal, der Ton des Films schlägt um. Der Zuschauer könnte jetzt selbst entscheiden, wem er glaubt, und ob er dem alten Prinzip folgt, im Zweifel für den Angeklagten. Dieses Privileg erlaubt ihm Panahi leider nicht.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
 
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