Arsenal Filmverleih, Network Movie, Whee Film, Gretchenfilm, ZDF, Arte, Anke Neugebauer
Max Hubacher & Olga von Luckwald in "Der Schimmelreiter" (2025)

Der Schimmelreiter

Originaltitel
Der Schimmelreiter
Regie
Francis Meletzky
Darsteller
Max Hubacher, Olga von Luckwald, Nico Holonics, Lisa Hofer, Josephine Bloéb, Tim Ehlert
Kinostart:
Deutschland, am 05.02.2026 bei Arsenal Filmverleih
Genre
Drama
Land
Deutschland
Jahr
2025
Länge
105 min.
IMDB
IMDB
Homepage
www.arsenalfilm.de/der-schimmelreiter/index.html
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4,0 (Filmreporter)
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Halbgare Adaption von Theodor Storms Novelle
Außenseiter Hauke Haien (Max Hubacher) übernimmt nach dem Tod seines Schwiegervaters dessen Amt als Deichgraf in einer kleinen Küstengemeinde an der Nordsee. Zudem wird er zum Direktor der Küstenschutzbehörde ernannt. Bei seinen täglichen Ritten über den Deich erkennt er die Brüchigkeit des Bauwerks. Er glaubt auch nicht, dass er in der Ära des Klimawandels so weit erhöht werden könnte, um das Land dahinter zu schützen.

Während ihn seine Frau Elke (Olga von Luckwald) glaubt und unterstützt - sie arbeitet beim Institut für Meeresforschung - schlägt die Mehrheit der Inselbewohner seine Warnungen in den Wind. Sie sind auf der Seite des Bauunternehmer Ole Petersen (Nico Holonics), der den Bauern eine blühende Zukunft mit dem Bau einer Offshore-Windanlage verspricht.

Obwohl der über die besten Verbindungen zur Politik verfügt, kann die zuständige Ministerin zu einem ehrgeizigen, futuristischen Umsiedlungsplan überredet werden, der das Aussehen der Landschaft grundsätzlich verändern würde. Für die Menschen hieße dies, dass sie umgesiedelt und ihr Land aufgeben müssten.
Theodor Storms Novelle "Der Schimmelreiter" aus dem Jahre 1888 wurde bereits mehrfach verfilmt. Francis Meletzkys Filmadaption verlegt Drehbuchautorin Léonie-Claire Breinersdorfer, die mit ihrem Vater Fred schon für "Elser - Er hätte die Welt verändert" verantwortlich war, in die Gegenwart bzw. in die nahe Zukunft und aktualisiert dabei den Stoff.

Das Frauenbild Ende des 19. Jahrhunderts passt heute allerdings nicht so recht. Elke ist eine emanzipierte, selbstbewusste Frau. An Kompetenz und sozialer Intelligenz ist sie ihrem Mann überlegen. Zum anderen schlüpft Haiens stumme Tochter Wienke (Elina Leitl, später Imke Siebert) in die Rolle der Erzählerin aus dem Off, und ersetzt den Reisenden aus dem Roman, der in der Rahmenhandlung die Geschichte vom Deichgraf erzählt.

Hinter dieser durchaus sinnvollen Kürzung steht aber unübersehbar ein didaktischer Zeigefinger: Wienkes Generation muss für das gewissenlose Verhalten ihrer Vorfahren büßen, die nicht auf die Wissenschaft gehört hat. Ähnliche Erklärszenen wurden auf Wunsch des koproduzierenden ZDF gleich mehrfach eingebaut. Offenbar kann sich in Mainz niemand vorstellen, einen mündigen Zuschauer vor sich zu haben, der Bilder lesen kann und Geschichten erfasst.

Die dramaturgische Struktur ist für heutige Kinogänger zu simpel. Ohne große Grautöne in der Figurenzeichnung wird den Grundkonflikt auf Wissenschaft gegen sture oder profitorientierte Bevölkerung reduziert. Dass die Inselbewohner sogar noch dem Aberglauben aufsitzen, einen Hund in einem neugebauten Deich vergraben zu müssen, ist dabei geschenkt. Denn es wird mit fortschreitender Zeit zunehmend unlogisch und wenig glaubhaft. Wie kann ein fundamentaler Umsiedlungsplan, der von einem Parlament verabschiedet sein muss, unbekannt bleiben? Die Presse hätte berichtet, es gibt umfangreiche Mitwirkungsverfahren für die Betroffenen - siehe die Umsiedlungen für den Tagebau.

So bleibt der Eindruck, hier hat die gute Absicht gesiegt. Und wenn es mal ein gutes Drehbuch war, wurde es beim Gang durch die Förderinstanzen zerrieben. Da tröstet auch nicht, dass Regisseurin Francis Meletzky und ihre Kamerafrau Bella Halben bei der Inszenierung das Beste aus dem Stoff machen und große, epische Bilder der Natur und der mythischen Ebene der Geschichte schaffen. Einschließlich des Ritts durchs Meer.
Katharina Dockhorn/Filmreporter.de
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Max Hubacher in "Der Schimmelreiter" (2025)
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