Die Träumer
Concorde Film
Die Träumer

Die Träumer

Originaltitel
The Dreamers / I sognatori
Genre
Drama
Land /Jahr
Italien, Frankreich, Großbritannien 2003
 
109 min, ab 16 Jahren (fsk)
Medium
Film
Filmstart
15.09.2004 ( Kino Deutschland | Kino Schweiz ) bei Concorde Home Entertainment
Regie
Darsteller
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
8,0 (7 User)
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenMeinungenMeinungNewsTrailerGalerieDVDs
Hemmungslose Sexszenen sorgen für Zündstoff
Matthew (Michael Pitt), der junge amerikanische Protagonist, verbringt seine Zeit als Student in Paris vor allem in der Cinemathèque, wo sich junge Filmliebhaber Nacht für Nacht vor der Leinwand versammeln. Sie möchten möglichst weit vorne sitzen, am liebsten in der ersten Reihe, um die Bilder möglichst ungefiltert aufnehmen können, lange bevor sie die hinteren Reihen erreichen und ihre Schärfe verlieren. Als die Cinemathèque geschlossen wird - Matthews zweites Zuhause neben der kargen Studentenbude - trifft er vor deren verschlossenen Toren auf die filmbegeisterten Geschwister Isabelle (Eva Green) und Theo (Louis Garrel), die ihn zu sich nach Hause einladen. Während deren bourgeoise und doch auch künstlerisch angehauchten Eltern - sie Engländerin, er Franzose - für eine Weile verreisen, zieht Matthew in die Wohnung ein. Zwischen ihm, Isabelle und Theo entwickelt sich eine merkwürdige Beziehung, die von zwei Dingen lebt: der gegenseitigen sexuellen Anziehung und dem inzestuösen Verhältnis zwischen den Geschwistern einerseits - und der Liebe zum Kino andererseits.

Die drei Filmnarren verbringen ihre gemeinsame Zeit damit, sich gegenseitig Filmrätsel zu stellen. Einer mimt eine Szene aus einem Kino-Meisterwerk, und die anderen beiden müssen erkennen, um welchen Film es sich handelt. Die "Strafen" für falsche Antworten sind drastisch und führen alsbald zur ungezügelten sexuellen Hemmungslosigkeit. Als Isabelles Bruder Theo einmal einen Film nicht erkennt, zwingt sie ihn, vor ihr und Matthew zu onanieren. Freilich gibt Theo Matthew hinterher keck zu verstehen, dass er es nicht aus Zwang getan habe. Später wird Theo von Matthew verlangen, mit Isabelle zu schlafen.
Bernardo Bertolucci schlachtet die freie Liebe genüsslich aus. Er wird mit den fast pornographisch anmutenden Sexszenen von "Die Träumer" erneut - wie bereits mit "Der letzte Kaiser" - die Gemüter erhitzen. Nur selten verlassen die drei Jugendlichen die verwinkelte Wohnung. In einem der schönsten Momente des Films beschließen sie, zu dritt durch den Louvre zu laufen, wie sie es in Jean-Luc Godards "Bande à part" ("Die Außenseiterbande") gesehen haben. Mit Bravour verschmilzt Bertoluccis Cutter Jacopo Quadri den Lauf der drei Freunde mit Originalszenen aus der filmischen Vorlage - die Sequenz wird zu einer wunderbaren Verbeugung vor dem Medium Film und seinen Helden. Natürlich bricht am Ende die revolutionäre Pariser Außenwelt in die hermetische Wahnwelt herein, in der Matthew, Isabelle und Theo längst zu Gefangenen ihrer obsessiv ausgelebten Sexualität geworden sind. Von einem apokalyptischen Retro-Soundtrack begleitet, wird Bertoluccis Films zu einer großstädtischen Kammerspiel-Version von Michelangelo Antonionis "Zabriskie Point". Hier wie da enden Liebe und Leidenschaft in einem Feuerball. Die Revolution hat die Träumer eingeholt.
Frank Geissler, Filmreporter.de
Videoclip: Die Träumer
Die Träumer .. 
Film über die Liebe zum Kino in den Zeiten der '68er-Revolten.
Die Träumer ("The Dreamers / I sognatori", 2003)
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2021