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Das Leben der Anderen

Originaltitel
Das Leben der Anderen
Genre
Drama
 
Deutschland 2006
 
137 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
23.03.2006 ( D | CH | A ) bei Buena Vista International (Germany)
 
 
Regie
Darsteller
Homepage
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brilliant  10|
9,0 (13 User)
8,0 (Filmreporter)
Das Leben der Anderen (Kino)

Oscarprämiertes Stasi-Drama

Der linientreue Staatssicherheits-Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe), Aktenzeichen HGW XX/7, lehrt an der Stasi-Hochschule den Studenten die harten und unbarmherzigen Verhörmethoden zur Identifikation von Staatsfeinden. Wenig später wird er mit dem Fall des renommierten Dramatikers Georg Dreyman (Sebastian Koch) betraut. Der Theaterautor ist mit der schönen und erfolgreichen Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) liiert. Leider hat es Minister Bruno Hempf (Thomas Thieme) auf die Dame abgesehen, wodurch auch Dreyman ins Visier der Stasi gerät. Um jeden Preis soll bei dem an für sich linientreuen Autor ein Hinweis auf Verrat am Vaterland gefunden werden. Immerhin hängen die Karrieren des aufstrebenden Oberstleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) und die von Wiesler selbst davon ab. Wiesler lässt kurzerhand die Wohnung des künftigen Staatsfeindes verwanzen und bezieht im Dachgeschoss Stellung. Er zeichnet Dreymans und Christas komplettes Leben auf. Wiesler taucht in "Das Leben der anderen" ein und bekommt wertvolle Einblicke in die Musik, Literatur und die Liebe der beiden Intellektuellen zueinander. Je mehr er über das Leben und die Ideale seiner Zielobjekte erfährt, desto mehr zweifelt er an seiner eigenen ideologischen Überzeugung. Von einem Selbstmord aufgerüttelt verfasst der Theaterautor einen DDR-kritischen Artikel, den er im westdeutschen Politmagazin "Der Spiegel" veröffentlichen lassen möchte. Klar, dass Wiesler Zeuge des Plans wird...


Der Kölner Nachwuchsregisseur Florian Henckel-Donnersmarck widmet sich in seinem ersten abendfüllenden Spielfilm der längst in die Geschichtsbücher verbannten Deutschen Demokratischen Republik. Es gelingt ihm, das Druckmittel Angst, aber auch die leidenschaftlichen Ideale und die Verzweiflung über die Kontrolle in der DDR auf die Leinwand zu bannen. "Das Leben der anderen" ist über zwei Stunden lang und dennoch in jeder Sekunde spannend. Das liegt gewiss auch daran, dass die Protagonisten sehr ambivalent gezeichnet sind und dies von den Schauspielern vollkommen glaubhaft umgesetzt wird. (Ulrich Mühe) spielt den Stasi-Spitzel beinahe unbewegt. Ohne große mimische und gestische Zeichen, erahnt der Zuschauer den Wandel vom überzeugten Stasi-Mitarbeiter zu einem zweifelnden, selbständig denkenden und mutigen Menschen. Die zurückgenommene Spielweise macht sein persönliches Schicksal noch eindringlicher. Daneben besticht Martina Gedeck als begabte, aber verunsicherte Schauspielerin, die am Druck der Stasi allmählich zerbricht. Für sie bedeutet Unwissenheit Sicherheit. Doch ihre Rechnung geht nicht auf, denn sie steht nicht nur im öffentlichen Interesse, sondern ist auch Objekt der Begierde eines mächtigen Ministers. Sie weiß, dass sie auf einem Drahtseil balanciert und jeden Moment fallen kann. Dagegen steht der Idealist und Theaterautor Dreymann (Sebastian Koch), der sich genau wie Wiesler für eine Seite entscheiden muss, sich entscheidet und damit ein großes Risiko auf sich nimmt. Er arrangiert sich mit dem System, deren Vorteile und Visionen er sehen und verstehen kann, spürt aber andererseits, dass es nicht funktionieren kann. Die Entwicklungen von Opfer und Spitzel verlaufen parallel. Die Handlung spielt in der DDR fünf Jahre vor dem Mauerfall. Der Regisseur hat sich durch intensive Recherche auf dieses Projekt vorbereitet, was durch die wahrhaftige Atmosphäre und die klischeefreie Inszenierung dieses an den eigenen Methoden gescheiterten Systems deutlich wird. Der Hintergrund des übermächtigen Staatsicherheits-Apparates ist für die Handlung absolut wesentlich. Dennoch erzählt Florian Henckel-Donnersmarck in tristem grau-grün-braun in erster Linie von Idealen, Liebe und dem Mut, sich für etwas einzusetzen. Und diese Dinge sind mit dem Mauerfall 1989 nicht obsolet geworden. Deshalb ist "Das Leben der anderen" kein Geschichtsfilm, sondern eine äußerst bewegende, hochaktuelle, perfekt inszenierte menschliche (Gesellschafts-)Studie.
Das Leben der Anderen (Quer)
Florian Henckel-Donnersmarck legt mit diesem bewegenden Drama ein beachtliches Langspielfilmdebüt hin. Er gibt anhand eines Einzelschicksals einen Einblick in das längst...
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