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Die andere Seite des Mondes

Originaltitel
La Face cachée de la lune
Genre
Drama
Land /Jahr
Kanada 2003
 
105 min, ab 0 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
Kinostart
29.06.2006 ( D ) bei flax film
Regie
Robert Lepage
Darsteller
Robert Lepage, Anne-Marie Cadieux, Marco Poulin, Céline Bonnier, Lorraine Côté, Richard Fréchette
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IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
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Philippe (Robert Lepage in einer Doppelrolle) ist ein Träumer. Mit 40 Jahren studiert er immer noch und auch der dritte Versuch, seine Doktorarbeit an den Mann zu bringen, scheitert. Er wohnt noch bei seiner kranken Mutter (Anne-Marie Cadieux) und pflegt diese. Sein Geld verdient er als Aboverkäufer einer Tageszeitung. Nach dem Tod der Mutter muss er sich mit seinem verhassten Bruder (ebenfalls Lepage) auseinandersetzen. Seit ihrer Kindheit sind die beiden zerstritten. Philippe hält André für oberflächlich. Dieser moderiert nämlich die Wettervorhersage im Fernsehen, während er sich mit dem Weltall und besonders mit dem Mond auseinander setzt. In seiner Doktorarbeit deckt er den seiner Meinung nach wahren Grund für die Erforschung des Mondes auf: Den Narzissmuss der Menschheit. Und genau das ist Philippes Problem. Er kommt mit den meisten Menschen nicht klar. Er hält sie für narzisstisch und oberflächlich, allen voran sein eigener Bruder. Selbst mit den kleinsten Problemstellungen seines Alltags kommt er nicht zurecht. Die Sorge für Beethoven, den Goldfisch seiner Mutter, überfordert ihn. Auch ein nicht funktionierender Staubsauger wird für ihn zum Problem. Philippe führt ein einsames Leben. Nur seine Phantasie rettet ihn vor dem tristen Alltag, trägt ihn in andere Welten.
Robert Lepage inszeniert seine Tragikkomödie über einen lebensunfähigen Außenseiter mit viel Gespür für stille Momente. Er lässt den Figuren viel Raum sich zu entfalten, bedrängt sie nicht. Dies wird besonders deutlich beim Streit der beiden Brüder am Telefon gegen Ende des Films. Die Kamera beobachtet André vom anderen Ende des Flures aus. Emotionale Regungen auf seinem Gesicht sind so nicht erkennbar. Seine Gefühle werden vor dem Zuschauer geschützt. Die Optik des Dramas passt sich farblich dem eher ereignislosen Leben von Philippe an. Graue Farbtöne dominieren. Die Räume sind wenig ausgeleuchtet. Dadurch bleiben die Gesichter der Figuren oft im Schatten verborgen. Dieser Farblosigkeit ist die Einbildungskraft Philippes entgegengesetzt. Die Übergänge zwischen seinen Phantasien oder Erinnerungen und der Realität sind fließend. Das wird gleich zu Beginn des Films deutlich, als er durch das Fenster einer Waschmaschine blickt. Die Kamera wechselt die Perspektive, ist im Inneren der Maschine. Doch dann entfernt sich Philippe, treibt ihn in einem Raumschiff durch das All. Die Übergänge zwischen Realität und Rückblenden sind ebenso leicht. Da steigt André eben noch im stecken gebliebenen Fahrstuhl durch ein Regal und in der nächsten Einstellung befinden wir uns in der Vergangenheit. Diese Verspieltheit mit den Zeit- und Realitätsebenen macht den Charme von "Die andere Seite des Mondes" aus. Musikalisch unterstreicht die zu Titel und Inhalt passende Mondscheinsonate von Beethoven die poetischen Bilder perfekt. "La Face cachée de la lune" ist ein leiser und mitunter komischer Film über die Schwierigkeit, sich im Leben zu Recht zu finden, der den Zuschauer aber nicht hoffnungslos zurück lässt.
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Robert Lepage inszeniert seine Tragikkomödie über einen lebensunfähigen Außenseiter mit viel Gespür für stille Momente. Er lässt den Figuren viel Raum sich zu entfalten,...
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2021