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Auf Wiedersehen, Kinder

Originaltitel
Au revoir, les enfants
Genre
Drama
 
Frankreich/BRD 1987
 
100 min, ab 6 Jahren (fsk)
Kinostart
05.11.1987 (D) bei
Concorde Filmverleih
Regie
Darsteller
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8,0 (Filmreporter)
Auf
Nouvelles editions de films, Stella Film, Nef Diffusion

Unter die Haut gehende Drama von Louis Malle

Nach den Weihnachtsferien schickt Madame Quentin (Francine Racette) ihren 11-jährigen Sohn Julien (Gaspard Manesse) und dessen älteren Bruder François (Stanislas Carré de Malberg) auf das katholische Jungeninternat Couvent de Carmes. In Paris ist es seit der Besatzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht zu gefährlich. Im Internat scheint - bis auf die Kälte, dem rationierten Essen und den drei Neuankömmlingen alles seinen geregelten Lauf zu gehen. Schnell wird Julien in den Bann seines neuen Mitschülers Jean Bonnet (Raphael Fejtö) gezogen.

Dieser ist sehr schweigsam, entpuppt sich jedoch als ausgezeichneter Schüler und guter Pianist. Nur langsam kommt Julien dem Geheimnis seines neuen Freundes auf die Spur. Jean ist Jude, und wird von Pater Jean (Philippe Morier-Genoud) und den anderen Mönchen im Kloster versteckt. Für Juden wird es auch in Frankreich immer gefährlicher, denn die eigenen Landsleute kollaborieren mit den Nazis und liefern sie an diese aus. Schließlich wird auch das Kloster verraten, und die Gestapo sucht nach jüdischen Kindern.


Spielende und sich raufende Kinder erwecken beim Zuschauer möglicherweise das Gefühl von Frieden und Leben. Nicht so in Louis Malles Drama "Auf Wiedersehen, Kinder". Über der vergleichsweise einfach strukturierten Erzählweise hängt das Grauen des Zweiten Weltkriegs, des kranken Antisemitismus und brutalen Faschismus, der Europa verdunkelt. Meist sind es Blicke oder einfache Gesten der Schauspieldebütanten Gaspard Manesse (Julien Quentin) und Raphael Fejtö (Jean Bonnet), die ihre Angst vor den deutschen Soldaten fühlbar machen.

Und doch lässt der Regisseur jenen Hauch von kindlicher Unbeschwertheit und Alltäglichkeit durchblicken. Ob im Luftschutzkeller oder während der Januars-Eiseskälte, den Knaben gehen die Späße nicht aus. Die Geschichte basiert auf Malles Kindheitserinnerungen. Mit elf Jahren wurde er in ein Internat in Fontainebleau geschickt. Gerade als er begann, Freundschaft mit einem Neuankömmling zu schließen, wurde dieser von der Besatzungsmacht abgeführt. Später erfuhr er, dass sein Klassenkamerad im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.

Auch die Filmfigur Pater Jean, gespielt von Philippe Morier-Genoud wurde inspiriert vom realen Pater Jacques. Er wurde 1944 als Rektor von Fontainebleau verhaftet, nachdem die Nazis herausfanden, dass er drei jüdische Schüler versteckt hielt. Er verstarb kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Mauthausen.
Auf Wiedersehen, Kinder (Au revoir, les enfants, 1987)
Nouvelles editions de films, Stella Film, Nef Diffusion

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Von eigenen Kindheitserinnerungen inspiriert, schafft Louis Malle mit "Auf Wiedersehen, Kinder" seinen eindringlichsten Film. Trotz der herumtollenden Kinder schwebt das Grauen... mehr
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