Die Hetzjagd - 2008 | FILMREPORTER.de
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Die Hetzjagd

OriginaltitelLa Traque
GenreDrama
Land & Jahr Deutschland/Frankreich 2008
FSK & Länge 110 min.
KinoDeutschland
RegieLaurent Jaoui
DarstellerSergio Ríos, Jorge Hidalgo, Raúl Beltrán, Andrea Ravera, Agustín Alcoba, Jorge Standl
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Polit-Drama um die Nazi-Größe Klaus Barbie

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelingt es einer ganzen Reihe von namhaften Nazi-Verbrechern, sich ins Ausland abzusetzen und sich so der Verantwortung für ihre Taten zu entziehen. Der Franzose Serge und seine Frau, die Deutsche Beate Klarsfeld machen es sich zur Lebensaufgabe, für die Auslieferung dieser Täter einzutreten. Einer ihrer größten Erfolge ist der Fall Klaus Barbie. Nach zwölf Jahren erfolglosen Drängens auf die Verantwortlichen in Bolivien kommt 1982 die Wende: Das Militärregime verliert die Macht und die neu gewählte demokratische Regierung liefert den Nazi-Verbrecher nach Frankreich aus, wo er als "Schlächter von Lyon" Jagd auf Mitglieder der Résistance machte und unter anderem für den Tod des französischen Widerstandskämpfers Jean Moulin verantwortlich ist. Regisseur Laurent Jaoui schildert in seinem Drama die langjährigen Bemühungen um eine Auslieferung Barbies, die Beate und Serge Klarsfeld trotz Morddrohungen und eines Autobombenattentats 1979 immer weiter vorantreiben.
Das Unternehmen die uneigennützige Arbeit von Serge und Beate Klarsfeld zu würdigen, ist sicher Anlass genug, einen Film über deren Leben zu drehen. Laurent Jaoui fühlt sich leider der Historienaufarbeitung mehr verpflichtet, als seinem Publikum. In 108 Minuten Spielzeit verzettelt sich das Drama im akribischen Rekonstruieren von Auslandsreisen, Vorsprechen und Gesuchen der Klarsfelds. Wer umständlich erzählt und einfallslos inszeniert, unterhält einfach nicht. Hölzerne, erläuternde Dialoge und eine farblose Franka Potente machen den Schreibtischkrieg um die Auslieferung eines Mörders zu einem faden Filmerlebnis. Dass die Dreharbeiten in Argentinien, Bolivien und Deutschland stattgefunden haben, verleiht dem Film Authentizität, ebenso die Mitarbeit von Beate Klarsfeld. Trotzdem vergisst der Film schlichtweg, die Gründe für die Beharrlichkeit der Nazi-Jäger mitzuliefern. Kein Wort darüber, dass Klaus Barbie sich während des Krieges in Lyon in eine Hotelsuite einmietet und dort Pfarrer mit Elektroschocks foltert, dass er seine Opfer an den Füßen aufhängen, verprügeln und hungern lässt. Frauen lässt er bis zur Bewusstlosigkeit missbrauchen und zum sexuellen Verkehr mit Hunden zwingen. Kinder auf seinen Befehl hin deportiert, zahlreiche Erschießungen gehen auf sein Konto. Nach seiner Tätigkeit für den CIA und seiner Flucht nach Bolivien stellte Barbie in der neuen Heimat dem dortigen undemokratischen System sein grausames Wissen über Foltermethoden zur Verfügung. Warum Laurent Jaoui sich nicht die Mühe macht, die Zusammenhänge zu erläutern und Barbie zum bösartigen aber nicht hassenswerten Opfer eifriger Idealisten werden lässt, bleibt völlig unverständlich. Das lobenswerte Vorhaben, einen Film über die Verdrängung der Nazi-Vergangenheit im bundesdeutschen Alltag zu drehen, ist dramaturgisch leider derart misslungen, dass das Ergebnis nicht einmal als Lehrfilm zur Geschichtsaufklärung taugt.
Die Hetzjagd

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