Drei - 2010 | FILMREPORTER.de
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Drei

OriginaltitelDrei
Alternativ3
GenreKomödie
Land & Jahr Deutschland 2010
FSK & Länge ab 12 Jahren • 119 min.
KinoDeutschland
AnbieterX Verleih
Kinostart23.12.2010
RegieTom Tykwer
DarstellerSophie Rois, Martin Hentschel, Martina Ysker, Alexander Yassin, Hannes Wegener, Mick Slaney
Homepage http://www.drei.x-verleih.de
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Tom Tykwers Einblick in eine Dreierbeziehung

Journalsitin Hanna (Sophie Rois) und Kunsttechniker Simon (Sebastian Schipper) sind seit 20 Jahren ein Paar. In all den Jahren sind sie unverheiratet und kinderlos geblieben. Sie moderiert eine anspruchsvolle Kultursendung und ist Mitglied im Deutschen Ethikrat. Er führt Entwürfe von monumentalen Installationen und Skulpturen für Bildende Künstler aus.

Der dritte im Bunde, auf den der Titel Tom Tykwers zwischen Komödie und Liebesgeschichte angesiedelter Film verweist, ist Adam (Devid Striesow). Der Stammzellenforscher begegnet Hanna zum ersten Mal während eines Vortrages, die er im Ethikrat zum Thema Chimärenforschung hält. Trotz Abwehrversuchen kann sich Sarah der Anziehungskraft Adams auf Dauer nicht entziehen und so beginnen die beiden eine Affäre. Dass Adam auch Männern gegenüber nicht abgeneigt ist, zeigt sich, als er sich in einem Schwimmbad auch Simon nähert. Auch zwischen ihnen bleibt es nicht beim flüchtigen Sex in der Umkleidekabine. Und so führen die drei bald eine nicht erklärte Dreiecksbeziehung, denn Hanna und Simon wissen nicht von dem Seitensprung des anderen. Erst als Hanna schwanger wird und Simon in der Wohnung von Adam vorfindet, werden alle drei Liebesbeziehungen auf die Probe gestellt.
Nach den internationalen Großproduktionen "Heaven", "Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders" und "The International" kehrt Tom Tykwer mit "Drei" wieder zu seinen Ursprüngen zurück. Das sind im kleinen Rahmen produzierte und dem persönlichen Ausdruck verpflichtete Filme. So finden sich hier einmal mehr Themen wie das Zusammenspiel von Schicksal und Zufall oder die Suche nach Befreiung in einer tristen und lethargischen Welt. Wie die Protagonisten in "Der Krieger und die Kaiserin" oder "Heaven", den Tykwer nach einem Drehbuch seines Vorbildes und Geistesverwandten Krzysztof Kieslowski inszenierte, versuchen auch die Protagonisten von "Drei" den Ausbruch in eine neue Form des Zusammenlebens.

Vordergründig geht es Tykwer um eine Dreiecksbeziehung als ein modernes Lebensmodell. Auf einer höheren Ebene hat der Befreiungsschlag zudem eine religiöse Note. Nicht zufällig tragen Hanna, Simon und Adam biblische Namen, während mit der Engelsgestalt von Simons verstorbener Mutter auf den biblischen Gedanken vom Überschreiten der Schwelle ins Jenseits angespielt wird. Tykwer zwängt seine Protagonisten bei deren Befreiung in ein streng geordnetes System. Dies mag dem Regisseur den Vorwurf des Gezwungenen einbringen, des Erstickens seiner Charaktere durch ein abstraktes Konstrukt. Doch ist dieses Moment nichts Neues in seinem Werk, auch das ist eine Kontinuität, die dem Glauben Tykwers an Vorherbestimmung und Schicksal geschuldet ist. Das Zahlensystem, das Tykwer in "Drei" sowohl auf der inhaltlichen als auch auf der formalen Ebene entfaltet, entspricht diesem Gedanken. Das Leben ist von einer höheren Warte aus betrachtet reine Mathematik, das nur aus Sicht des Menschen jede Menge Überraschungen bereit hält.

Ordnung und Geschlossenheit findet sich auch auf der formalen Ebene der ruhig erzählten Geschichte. Auf den ersten Blick mag es uneinheitlich erscheinen, wenn Tykwer etwas zu lange auf dem Verhältnis zwischen Simon und seiner sterbenskranken Mutter verweilt. Hinzu kommt, dass er auch noch Simons Krankengeschichte einschiebt, bis er endlich zum eigentlichen Thema kommt. Und doch sind diese Szenen notwendige Bausteine im Gesamtkonstrukt, da sie auf eine gemeinsame semantische Ebene verweisen. Bezeichnenderweise trägt die Mutter nach ihrem Tod Simon ihr Lieblingsgedicht von Hermann Hesse vor. "Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise - mag lähmender Gewöhnung sich entraffen", lauten zwei Zeilen. Vor dem Hintergrund von Simons Erkrankung dienen diese Verse auch als Katalysator für die Auseinandersetzung mit dem Leben der Grenzüberschreitungen. Trotz der Schwere des Themas kommt "Drei" im Unterschied zu Tykwers vorausgegangenen Filmen leichter und verspielter daher. Stellenweise tendiert Tykwer gar zum Komischen. Das mag sicher auch damit zusammenhängen, dass der Regisseur reifer geworden ist und eine entspanntere Sicht auf "die Last und Schwere unserer Existenz" (Tykwer) gewonnen hat.

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