Biutiful - 2010 | FILMREPORTER.de
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Biutiful

OriginaltitelBiutiful
GenreDrama
Land & Jahr Spanien/Mexiko 2010
FSK & Länge ab 16 Jahren • 147 min.
KinoDeutschland
AnbieterProkino Filmverleih
Kinostart10.03.2011
RegieAlejandro González Inárritu
DarstellerGermán Almendros, Maricel Álvarez, Isaac Alcayde, Nacho Moliné, Carmen La Lata, Annabel Totusaus
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Packendes Drama mit überragendem Javier Bardem

Uxbal (Javier Bardem) ist ein Kleinkrimineller, der Immigranten in den Straßen Barcelonas illegale Geschäfte tätigen lässt. Nebenbei verdient er etwas, indem er mit den Toten spricht und den Hinterbliebenen deren Botschaften mitteilt. Für Tochter Ana (Hanaa Bouchaib) und Sohn Mateo (Eduard Fernández) ist Uxbal ein hingebungsvoller Vater. Da seine Ex-Frau Marambra (Maricel Álvarez) manisch-depressiv ist, hat er das alleinige Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder.

Uxbal ist gezwungen, dem eigenen Tod ins Auge zu blicken. Sein Arzt teilt ihm mit, dass er unheilbar krank sei und nicht mehr lange zu leben hätte. Die niederschmetternde Diagnose behält er für sich. Weder seine Kinder, noch deren Mutter Marambra sollen davon erfahren. Vor seinem Ende will Uxbal einige Fehler in seinem Leben wieder gut machen und dafür sorgen, dass es seiner Familie gut gehen wird. Allerdings erweist sich das als weitaus schwerer, als er das erwartet hatte.
Alejandro González Inárritus bisherige Regiearbeiten zeichnen sich durch ihre verschachtelte Erzählweise und parallele Handlungsstränge aus. So skizziert er in "Amores perros" und "Babel" zeitgleich verlaufende Geschichten einer Vielzahl von Charakteren, deren Lebenswege sich auf unerwartete Weise kreuzen. In "21 Gramm" wählt er wiederum eine fragmentierte Schilderung der Ereignisse, die die innere Zerrissenheit seiner tragischen Figuren spiegelt. Bei "Biutiful" geht Inárritu anders vor. Das Drama konzentriert sich voll und ganz auf seinen von Javier Bardem gespielten Protagonisten Uxbal. Auf seiner Suche nach Wiedergutmachung und Erlösung folgen wir dem Todgeweihten auf Schritt und Tritt. Bardem portraitiert ihn als einen Menschen, der scheinbar die ganze Last der Welt auf seinen Schultern trägt. Uxbal ist ein widersprüchlicher Charakter, der trotz seines baldigen Ablebens mehr über andere, als über sich selbst besorgt zu sein scheint. Er ist ein Mann, der durch seine kriminellen Handlungen Menschen ausbeutet, die er gleichzeitig zu beschützen versucht. Die Eindringlichkeit, mit der Bardem diese komplexe Figur verkörpert, lässt den Betrachter nicht los. Während Uxbal unter der Last seiner Verantwortung zusammenzubrechen droht, trägt der Oscar-prämierte Darsteller den gesamten Film mühelos auf seinen Schultern.

Die Widersprüchlichkeit des Protagonisten spiegelt sich auch in Inárritus Inszenierung wieder. Bereits der Titel "Biutiful" verweist mit seiner falschen Schreibweise des englischen Wortes für 'schön' auf eine verborgene Ebene hinter dem, was wir auf den ersten Blick sehen. So ambivalent wie Uxbal selbst ist auch die Welt, in der er sich bewegt. So blickt der Regisseur hinter die Postkartenidylle des Handlungsortes Barcelona. Inárritu zeigt uns die dunklen, heruntergekommenen Ecken der Metropole. Hier ist von Sandstränden ebenso wenig zu sehen, wie von den architektonischen Wundern Gaudís. Stattdessen wird das sonnige Spanien zum trostlosen Ort, an dem sich Immigranten ausbeuten lassen, um zu überleben. Den grimmigen Realismus kontrastiert Inárritu durch Uxbals Gabe, mit Verstorbenen sprechen zu können. Auch damit wagt sich der mexikanische Regisseur auf neues Terrain. Zum ersten Mal erzählt er eine Geschichte, die von phantastischen Elementen durchzogen ist. Diese blitzen immer wieder kurz auf, etwa wenn Uxbals Reflexion im Spiegel sich unvermittelt in eine andere Richtung bewegt.

Trotz der dezent eingestreuten Verweise auf eine jenseitige Welt, ist das Drama keinesfalls eine romantische Verklärung des Todes mit religiöser Heilsbotschaft. Im Gegenteil: Auf seiner Suche nach Erlösung lädt Uxbal eine Schuld auf sich, die nicht wiedergutzumachen ist. Diese unerwartete Wendung der Ereignisse ist wie ein Schlag in die Magengrube - für ihn - als auch für uns Zuschauer. Obwohl die atmosphärisch ungeheuer dicht erzählte Geschichte mit unerbittlicher Konsequenz auf ihr Ende zusteuert, lässt Inárritu auch Raum für überraschend zärtliche Momente. Das gilt vor allem für die Szenen zwischen Uxbal und seinen Kindern. Auch in kleinen, ganz unscheinbaren Momenten nähert sich der Regisseur seinen Figuren mit berührender Sensibilität. Etwa, wenn Uxbal am Ende seiner Kräfte im dunklen Zimmer liegt, sich plötzlich die Fensterflügel kurz öffnen und wieder schließen und sein Gesicht für einen winzigen Augenblick sanft vom hereinfallenden Sonnenlicht gestreichelt wird. In solchen Momenten wird deutlich, wie der Titel des Films gemeint ist. Auch wenn uns die Dinge vor unseren Augen ebenso falsch vorkommen wie die Schreibweise des Wortes 'Biutiful', ist es entscheidend, dass wir dahinter blicken. Vielleicht haben wir dann das seltene Glück, auf etwas zu stoßen, das wahrhaft schön ist.

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Biutiful

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