Picco - 2010 | FILMREPORTER.de
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Picco

OriginaltitelPicco
AlternativPicco - 16 qm Deutschland, 16 qm Jugendknast, 16 qm Hölle (Video-Titel)
GenreDrama
Land & Jahr Deutschland 2010
FSK & Länge ab 16 Jahren • 108 min.
KinoDeutschland
AnbieterMovienet Film
Kinostart03.02.2011
RegiePhilip Koch
DarstellerConstantin von Jascheroff, Enno Trebs, Andreas Patton, Matthias Kupfer, Ramona Kunze-Libnow, Edin Hasanovic
Homepage http://www.picco-film.de
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenNewsTrailerGalerieDVDsbewerten

Darwin im Gefängnis: nur der Stärkere überlebt

Kevin (Constantin von Jascheroff) sitzt in der Justizvollzugsanstalt Siegburg ein. Dort lebt der erst kürzlich verurteilte Straftäter in einer Zelle mit drei weiteren Jugendlichen. Seine Mithäftlinge sind Schläger Tommy (Joel Basman), Intrigant Andy (Martin Kiefer) und Dealer Marc (Frederick Lau).

Philip Kochs Drama zeigt den brutalen, harten Gefängnisalltag der jungen Männer. In der JVA entwickelt sich auf dem beengten Raum eine Gesellschaft mit eigenen Regeln, in der die Stärksten regieren. Unter den Häftlingen zeigt sich ein Anführer, der die Gruppe dominiert. Seine Zellengenossen haben sich ihm unterzuordnen. Gegen seine Autorität und sein Regime kommen Wärter und Psychologen nicht an. Nach 104 Tagen müssen Häftlinge und Wachpersonal mit Schrecken erkennen, dass für mehrere Jugendliche der Tod zum letzten Ausweg aus der Haftanstalt mit ihrer Demütigungs- und Gewaltspirale geworden ist.
Das Gefängnisdrama "Picco" spinnt pessimistische Theorien über das menschliche Sein und Zusammenleben. Was im Strafvollzugskontext angesprochen wird, würde man am gerne als Einzelfälle abtun, die durch die krassen Umstände entstehen. Bald bekommt man aber das beklemmende Gefühl, es könnte sich doch um allgemeine Handlungsprinzipien handeln. Das gilt auch für die These, dass sich auf beengtem Raum leicht eine strickte Hierarchie mit Täter- und Opferfiguren bildet.

In "Picco" sieht man dabei, wie leicht sich Demütigungen, seelische Grausamkeiten und Zwang in einer irrationalen Gewaltspirale zuspitzen. Die Geschichte steuert auf einen unheilvollen Höhepunkt zu. Gefängniswärter und -psychologen können diesen Gewalt-Showdown nicht aufhalten. Für die Häftlingsgruppe rund um Picco bleiben sie Außenstehende innerhalb ihres Gefängnis-Kosmos. Der brutale Klimax spielt sich in der hermetisch abgeriegelten und klaustrophobisch engen Zellen-Welt der Jugendlichen ab, die einer eigenen Machtdynamik folgt.

Wer "Picco" gesehen hat, sehnt sich nach einem lichten, warmen Raum voller warmherziger Menschen, in dem er sich von den eindrücklichen Szenen erholen kann. Es wird eine Zeit dauern, bis man aus einer gewissen Schockstarre erwacht. Denn dem Zuschauer wird die Gewalt sehr deutlich gezeigt. Ähnlich ungefiltert kommt sie zwar auch in den Werken eines Quentin Tarantino vor, dort ist sie aber mit einer ironischen Brechung versehen und deshalb zu ertragen. Bei "Picco" kann man nie aufatmen. Es wird kein realitätsfremdes Gemetzel zur Unterhaltung geboten, der Film wirkt so stark, weil das Gezeigte realistisch ist. Man glaubt sich nicht in einer fiktiven Geschichte, sondern eher einer realistischen Situation, die man möglicherweise schon morgen in der Zeitung liest. Dieses Gefühl trügt nicht. "Picco" basiert auf einer wahren Begebenheit.

Mit seinem Debütfilm ist Filmhochschulabsolvent Philip Koch ein viel beachtetes und kontrovers diskutiertes Erstlingswerk gelungen. Sein Drama wurde mit Auszeichnungen wie dem Max Ophüls Preis und dem Bernhard Wicki Friedenspreis des Deutschen Films geehrt wurde und lief auf den internationalen Filmfest von Karlsbad und dem Filmfestivals in Cannes.

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Im Gefängnisdrama "Picco" sieht man brutale Szenen, die man gerne als schlimme Ausrutscher abtun würde. Schnell wird dem Zuschauer klar, dass hinter der...  Clip starten
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