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Ein Zug für zwei Halunken

Ein Zug für zwei Halunken

Originaltitel
Emperor of the North Pole
Genre
Action, Thriller
Land /Jahr
USA 1973
 
118 min, ab 16 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
Kinostart
17.08.1973 ( Kino Deutschland ) bei 20th Century
Regie
Robert Aldrich
Darsteller
John Steadman, Lee Marvin, Vic Tayback, Dave Willock, Don Blackman, Jack Collins
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IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
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Robert Aldrichs pessimistische Sicht auf Amerika
1933 hat die große Depression die Vereinigten Staaten voll erwischt. Während tausende Obdachlose das Land auf der Suche nach Arbeit durchstreifen, droht das Land immer mehr moralisch zu verrohen. Einer, der den Grat zwischen Gut und Böse immer schmäler werden lässt, ist der berühmt-berüchtigte Lokomotivführer Shack (Ernest Borgnine). Mit aller Härte geht Shack gegen die Hobo genannten Landstreicher vor, die ohne bezahlt zu haben in seinem Zug der Linie 19 mitfahren. Mit Eisenstangen und Ketten prügelt er die mittellosen Schwarzfahrer vom Zug. Moralische Skrupel kennt er nicht und so nimmt er selbst den Tod seiner Opfer in Kauf. Seinem größten Feind wird er in Ass Nr. 1 (Lee Marvin) finden. Der König der Hobos ist bereit, das Risiko einzugehen um als erster Obdachloser eine Fahrt auf Shacks Zug zu überstehen.
"Ein Zug für zwei Halunken" basiert auf einer Kurzgeschichte von Jack London und sollte ursprünglich von Sam Peckinpah inszeniert werden. Im Zuge der Vorbereitung wurde dieser jedoch von den Produzenten aus dem Projekt geworfen. Für den enttäuschten Peckinpah, dem der Stoff sehr am Herzen lag, war es ein Trost, dass Robert Aldrich als Ersatz verpflichtet wurde. Die Biografie "Bloody Sam - The Life and Films of Sam Peckinpah" von Marshall Fine zitiert einen Brief Peckinpahs an Aldrich, in dem der emotionale Zwiespalt des Filmemachers deutlich wird: '"Ein Zug für zwei Halunken" ist ein Projekt, das mich in den letzten Jahren sehr interessiert hat. […] Ich kann nicht sagen, dass ich glücklich darüber bin, dass ich es nicht realisieren werde. Aber ich freue mich sehr, dass du es bist, der den Film drehen wird. Ich bin ein großer Bewunderer deiner Filme und glaube, dass das Kind, das ich zur Adaption freigegeben habe, in sehr guten Händen ist'.

Die Zuversicht Peckinpah war berechtigt. Mit dem erfahrenen, von Cineasten bewunderten Aldrich wurde der Richtige für die Verfilmung gefunden. Der Pessimismus Peckinpahs, der die Welt im Verfall begriffen und den Menschen als amoralisches und gewalttätiges Wesen betrachtet, ging mit der Anschauung Adrichs Hand in Hand. Auch dieser zeige stets eine "untergehende Welt, die dabei ist zu explodieren", konstatierte François Truffaut in einem Gespräch mit dem Regisseur im Cahiers du Cinema (64. Ausgabe/1956). Alle seine Filme behandeln das Thema der "Zerstörung der Moral und die Folgen, die daraus resultieren". Dieser düsteren Welt stellt Aldrich gleichzeitig den heldenhaften Charakter entgegen, der im Kampf in einer ausweglosen Situation mit seinem Leben bezahlt. "Jeder Mensch muss handeln, auch wenn die Lage hoffnungslos ist", so Aldrich in demselben Interview. "Meine Figuren haben eine selbstmörderische Haltung, weil das freiwillige Aufopfern ihres Lebens den Gipfel der moralischen Integrität darstellt".

Helden im Untergang stellen für Aldrich in "Ein Zug für zwei Halunken" die arbeitslosen Tramps dar. Alleingelassen und verstoßen von der Gesellschaft lehnt sich Ass Nr. 1 gegen sein Schicksal auf. Ist der physische Kampf ums Überleben eine Form des Widerstands, so ist die Ironie die andere, die Aldrich den oft krassen Gewaltszenen gegenüberstellt. Der Gegenpol des unermüdlichen Kämpfers ist Shack. Dieser ist einerseits Repräsentant der dem Menschen innewohnenden Bosheit und Niedertracht, andererseits Vertreter des Systems, gegen das es sich aufzulehnen gilt. Aldrich hat sich mit dem Konflikt zwischen Gut und Böse in Gestalt zweier gegensätzlicher Charaktere einmal mehr als Moralist erwiesen. Sein Ziel ist das Leben, das in einem unermüdlichen Kampf gegen das Böse behauptet werden muss. Symbolisch dafür steht in hier das Ideal der Natur, deren Schönheit und Unschuld Aldrich in zahlreichen Landschaftsaufnahmen ins Bild rückt und die er mit dem Heldenmut seiner Protagonisten gegen das Negative setzt.
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Für die Regie von "Ein Zug für zwei Halunken" war ursprünglich Sam Peckinpah vorgesehen. Nachdem dieser aus dem Projekt gedrängt wurde, wurde der erfahrenere Robert Aldrich...
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2021