Das Hausmädchen

Originaltitel
Hanyo
Alternativ
The Housemaid
Genre
Thriller
 
Südkorea
 
107 min, ab 16 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
21.04.2011 ( D | A ) bei Alamode Filmdistribution
Regie
Sang-soo Im
Darsteller
Yeo-jeong Yoon, Do-yeon Jeon, Jung-Jae Lee, Seo-Hyeon Ahn, Seo Woo, Yeo-Jong Yun
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IMDB
Das HausmädchenAlamode Film
|0  katastrophal
brilliant  10|
7,0 (Filmreporter)
5,0 (1 User)
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieDVDsbewerten
Dekadente Herrschaft der oberen Zehntausend
Die unbekümmerte Eun-yi (Do-yeon Jeon) arbeitet in einer Garküche. Als ihr eine Anstellung als Hausmädchen angeboten wird, nimmt die junge Frau das Angebot freudig an. Ihr neuer Arbeitsplatz ist das weitläufige und elegante Haus der reichen Familie Goh. Eun-yi soll sich um die Tochter des Hauses, Nami (Seo-Hyeon Ahn), und deren hochschwangere Mutter Hae-ra (Seo Woo) kümmern.

Dabei wird sie von der alten, verbitterten Haushälterin Byung-sik (Yeo-Jong Yun) angeleitet und überwacht. Eun-yi staunt über den üppigen Reichtum der Gohs. Ihre neue Arbeit gefällt ihr und sie beginnt sich langsam einzugewöhnen, als Hausherr Hoon (Jung-Jae Lee) sexuelle Dienste von der Hausangestellten einfordert. Anfangs ist Eun-yi verwirrt und verschreckt, gewöhnt sich aber bald an die nächtlichen Treffen und findet Gefallen daran. Doch bald stellt das junge Hausmädchen fest, dass es von Hoon schwanger geworden ist. Mit dieser Tatsache macht sie sich sämtliche Frauen im Hause Goh zu intriganten Gegnerinnen. Eun-yi gerät bald in Lebensgefahr!
 
"Hanyo" beginnt mit dem Selbstmord einer jungen Frau. Sie stürzt sich aus einem Fenster auf den nass glänzenden Asphalt der unter ihr liegenden Straße. Diese Sequenz verstört und hinterlässt ein Gefühl latenten Unbehagens. Sie wirkt wie ein Menetekel, der über der Geschichte liegt und nichts gutes erahnen lässt. Protagonistin Eun-yi will sich das Ereignis ansehen, ist mit ihren Aufgaben als Küchenhilfe aber zu beschäftigt. Wir bekommen Einblick in ihr hartes Arbeitsleben mit nächtlicher Schufterei in die beengten Räume ihrer kleinen Wohnung. Mit den aussagekräftigen Bildern gibt Regisseur Sang-soo Im in den ersten Minuten einen Einblick ins Leben einer jungen Frau, das nur aus Arbeit besteht. Wie in einem Kaleidoskop des Elends werden Bilder von Müll, tranigem Fett und dem Dreck der Hinterhöfe gezeigt. In völligem Kontrast dazu steht das Leben im palastartigen Haus der Familie Goh, in dem die junge Protagonistin eine Anstellung findet. Hier ist alles blitzblank, ordentlich und hell, wenn auch die herrschaftlichen, mit Marmor ausgestatteten Räume oft etwas Steriles ausstrahlen.

Dies ist nur einer der vielen Gegensätze, die durch das Spiel von Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe und durch die Figurenkonstellation unterstrichen wird. Es ist ein reich bebilderter Kontrast von Armut und Reichtum, Dreck und makelloser Sauberkeit. Das junge Hausmädchen ist ein empfindsames, mittelloses junges Ding, das auf eine Gruppe von hysterischen, hinterlistigen Frauen aus der Oberschicht trifft. Die schlichte, ernste Wahrhaftigkeit einer Person aus einfachen Verhältnissen steht in fundamentalem Gegensatz zu der trägen Gleichgültigkeit, Berechnung und Selbstherrlichkeit der Wohlhabenden. Dabei sind die Figuren nicht nur Erfüllungsgehilfen der Handlung, Regisseur Sang-soo Im hat jede einzelne mit immenser Tiefe ausgestattet.

Gefühle und Geld stehen gegeneinander, als der Hausherr den Sex mit seiner Angestellten mit einem Scheck gutiert. Strikt bleibt die Trennung der Klassen, die Hierarchie in der Familie und jene zwischen Herren und Dienern gewahrt. Diese Gegensätze erzeugen ein immer dichter werdendes Spannungsgeflecht, das kaum noch Hoffnung auf ein friedliches Ende zulässt. Auch die Filmmusik wird immer bedrohlicher, Celli streichen dunkle Töne und unterlegen musikalisch einen Schneesturm, der unheilvoll tobt. Trotz der steigenden Spannung folgt der Film seinem von Anfang an ruhigen und bedächtigen Erzählfluss. Verletzung, Missachtung, Ausbeutung gipfeln schließlich in einem Krieg, welchen die Familie Goh und das Hausmädchen führen. Wie in einer griechischen Tragödie spitzt sich das Geschehen zu.

Mit "Das Hausmädchen" inszeniert Im den gleichnamige südkoreanischen Horrorfilm von Ki-young Kim von 1960 neu. Die zentrale Handlung ist geblieben, der Regisseur hat aber einige Details geändert. So spielte sich das Drama der 1960er Jahre in der gehobenen südkoreanischen Mittelschicht, die damals üblicherweise Hausangestellte beschäftigte. Im Remake von 2010 hat Im die Handlung in die Oberschicht versetzt, um die Diskrepanz zwischen der besitzenden und der mittellosen Klasse zu illustrieren. Das ist dem Regisseur gelungen. In seiner Tragödie übt er gesellschaftspolitische Kritik am entfesselten Materialismus seines Landes.
Das HausmädchenAlamode Film
Das Hausmädchen
Videoclip: Das Hausmädchen
Küchengehilfin Eun-yi (Do-yeon Jeon) bekommt eine Anstellung bei einer schwerreichen Familie: Sie soll die hochschwangere Hae-ra (Seo Woo) und deren erste Tochter Nami...  Clip starten
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2021