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David Wants to Fly

OriginaltitelDavid Wants to Fly
GenreDokumentarfilm
Land & Jahr Deutschland/Österreich/Schweiz 2010
FSK & Länge 97 min.
KinoÖsterreich
AnbieterPoool Filmverleih
Kinostart10.12.2010
RegieDavid Sieveking
DarstellerDavid Lynch, Maharishi Mahesh Yogi
Links IMDB
Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieDVDsbewerten

Gelungenes Porträt einer obskuren Organisation

David Sieveking steckt schon kurz nach dem Abschluss seines Filmstudiums in einer Schaffenskrise. Das beunruhigt ihn umso mehr, als seine Freundin bereits an ihrem zweiten Roman arbeitet, während es mit seiner Regiekarriere nicht vorankommen will. Am liebsten würde er sich auf die Spuren seines großen Vorbildes David Lynch begeben und Filme machen, die das Abgründige unterhalb der Fassade der menschlichen Existenz erforschen. Im Internet stößt David auf die Nachricht, dass Lynch seit Jahren die Transzendente Meditation praktiziert. Für den Regisseur und die über sechs Millionen Anhänger ist TM Quelle von Inspiration und Erfolg.

Das versichert auch der berüchtigte Gründer der Bewegung, Maharishi Mahesh Yogi. Laut seiner Lehre könne TM den Weltfrieden garantieren und verspreche den geübtesten und fleißigsten Anhängern sogar übernatürliche Fähigkeiten wie das Fliegen und die Umkehrung des Alterns. Angestachelt von Künstlern wie Lynch und den Beatles, die in den 1960er Jahren in den Bann des Maharishi gerieten, beginnt David mit dem Meditationstraining. Nach anfänglichen Erfolgserlebnissen regen sich bald Zweifel über dessen Wirksamkeit. Nicht nur schafft es der Filmemacher nicht, zu fliegen. Die schmerzliche Trennung von seiner Freundin ist für ihn auch Beweis, dass die Meditation alles andere als Harmonie und inneren Frieden mit sich bringt. In seiner Recherche, die ihn über die USA bis nach Indien führt, stößt er auf immer mehr Ungereimtheiten, um das bizarre Imperium Maharishis. Dieses offenbart sich ihm eher als raffinierte Geschäftsidee denn als der versprochene "Himmel auf Erden".
Regisseur David Sieveking wollte das Abgründige filmen und auf Abgründiges stößt er in seiner Dokumentation über die obskure spirituelle Bewegung und ihren nicht minder obskuren Begründer auch. Die dokumentarische Form von "David Wants to Fly" hat zwar nichts mit seinem künstlerischen Vorbild gemein, thematisch befindet sich Sieveking aber auf ganzer Linie mit Lynch. Vor allem dessen Klassiker "Blue Velvet" kommt einem in den Sinn, je länger man in die Welt von "David Wants to Fly" eintaucht. Wie Jeffrey Beaumont begibt sich auch Sieveking mit seinem Kamerateam auf detektivische Suche nach der tieferen Wahrheit im Offensichtlichen. Wie jener stößt auch der Dokumentarfilmer auf Abgründe und Geheimnisse, die zu hüten die Porträtierten krampfhaft bemüht sind. Die dokumentarischen Anteilen seiner Arbeit ergänzt Sieveking mit inszenierten Szenen. Wenn David mit seiner Freundin gemeinsam in den Tag startet, wird diese Situation in Form einer klassischen Szenenauflösung inszeniert. Die Verquickung des Privaten mit dem zentralen Thema gehört zum dramaturgischen Prinzip Sievekings. Das Persönliche bringt nicht nur eine emotionale Note in den Film, sie verweist auch auf den Kern des Themas. So gehört die Trennung von der Freundin und ihre emotionale Auswirkung auf die Beteiligten zu den bewegendsten Szenen und entlarvt zugleich die TM als Farce, die keinerlei Einfluss auf das Befinden des Einzelnen hat.

Die Haltung Sievekings gegenüber dem Thema ist trotzdem nicht diffamierend. Anders als Michael Moore, der in seinen Dokumentationen gerne die Differenzierung zugunsten seiner Position vernachlässigt, nähert sich Sieveking peu a peu seinem Stoff. Er lässt Tatsachen sprechen, die er in gewissenhaften Recherchen aufdeckt. Wenn manche Aspekte der Bewegung zuweilen lächerlich erscheinen, dann liegt das nicht an der Inszenierung des Regisseurs, sondern ist in sich begründet. Dass die kritische Haltung Sievekings Folge seiner akribischen Recherche ist, belegt seine Haltung gegenüber David Lynch. Auch dieser gibt keine gute Figur ab, wenn er die Bewegung zu Beginn in den Himmel lobt und am Ende krampfhaft bemüht ist, mit den üblichen Floskeln die Recherchearbeit Sievekings zu widerlegen. Dennoch verliert Sieveking niemals den Respekt vor seinem Vorbild, und das zeichnet seine Dokumentation aus: Sie ist ein Beispiel für nüchternen und gewissenhaften Investigationsjournalismus, ohne das Porträtierte der Subjektivität des Regisseurs unterzuordnen.

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David Wants to Fly

David Sieveking steckt schon kurz nach dem Abschluss seines Filmstudiums in einer Schaffenskrise. Das beunruhigt ihn umso mehr, als seine Freundin bereits an...  Clip starten
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Galerie:  David Wants to Fly

Dokumentation über die Bewegung der Transzendenten Meditation. Je akribischer Regisseur David Sieveking seine Recherche betreibt, umso zweifelhafter wird das Bild der TM. mehr
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