FILMREPORTER.DE
Best Entertainment
Filmreporter-RSS

Almanya - Willkommen in Deutschland

Originaltitel
Almanya
Genre
Komödie
 
Deutschland 2011
 
97 min, ab 6 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
10.03.2011 ( D | CH | A ) bei Concorde Filmverleih
 
 
Regie
Darsteller
Homepage
Links
|0  katastrophal
brilliant  10|
3,0 (1 User)
6,0 (Filmreporter)
Almanya - Willkommen in Deutschland (Kino) 2011
Concorde Filmverleih

Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen Menschen

Hüseyin (Fahri Ogün Yardim) kommt als 1.000.0001ster Gastarbeiter in der Hochzeit des deutschen Wirtschaftswunders in die Bundesrepublik. Als der Türke Ende der 1960er Jahre in "Almanya" einen Job und eine erste Bleibe gefunden hat, holt er seine Frau Fatma (Demet Gül) und ihre Kinder aus der Türkei zu sich. Das alles ist 45 Jahre her, mittlerweile lebt die Enkelgeneration gut integriert in Deutschland. Der sechsjährige Cenk (Rafael Koussouris) hat allerdings Identitätsschwierigkeiten. Die Türkei ist nicht seine Heimat, aber als deutschen Mitschüler wollen ihn seine Klassenkameraden auch nicht sehen.

So fühlt sich der Schüler irgendwie anders. Als seine ältere Cousine Canan (Aylin Tezel) ihm die Geschichte seiner Familie erzählt, wird ihm einiges in Bezug auf seine Herkunft klarer. Dann macht sich die gesamte Großfamilie auf die Reise in die anatolische Heimat der Großeltern.


"Wir riefen Arbeitskräfte, es kamen Menschen", wird Max Frisch in "Almanya - Willkommen in Deutschland" zitiert. Erfrischend unverkrampft geht der Film mit den Themen Zuwanderung und Identität um. Die Multi-Kulti-Komödie zeigt, wie fremd sich Türken und Deutsche in den 1960er Jahren noch waren und es manche bis heute geblieben sind. Allerdings ist das Misstrauen gegenüber der anderen Religion, Kultur und Lebensweise nicht als deutsche Eigenschaft gezeigt - sie beruht auf Gegenseitigkeit. Beide Seiten begegnen sich mit einer Mischung aus Faszination und Argwohn. Wunderbar komisch und schräg kommt das in der Weihnachtsszene zum Ausdruck. Die türkischen Kinder erleben das Weihnachtsfest in Deutschland zum ersten Mal, verstehen den Text der frommen Lieder aber gar nicht. Das Weihnachtslied "Oh Tannenbaum" wird in ihren Ohren zum akustischen Buchstabensalat der so unverständlich klingt, wie es sich das Türkische für den Deutschen anhört, der der Sprache nicht mächtig ist.

Die Integrationskomödie von Yasemin Samdereli zeigt, dass das Fremdeln mit der anderen, unbekannten Kultur und Sprache eine normale und nicht immer bös gemeinte Reaktion ist. In diesem Film sorgt sie oft für komische Momente. Erst was die Charaktere im zweiten, dritten Anlauf des Einander-Näherkommens miteinander machen, ist für eine gelungenes oder gescheitertes Zusammenleben entscheidend. Neben der Integrationsproblematik ist "Almanya - Willkommen in Deutschland" auch ein leicht kitschig geratener Familienfilm, der Zusammenhalt und Liebe einer türkischen Großfamilie darstellt.
Almanya (quer) 2011
Almanya - Willkommen in Deutschland (Kino) 2011
Der sechsjährige Cenk (Rafael Koussouris) hat Probleme mit seiner Identität. Ist er nun Türke oder Deutscher - oder gar beides? Was Herkunft und Heimat bedeuten erfährt er...  Clip starten

Am 1. März 2011 feierte "Almanya - Willkommen in Deutschland" seine Weltpremiere im Münchner Gloria Palast Kino. An der Seite der Drehbuchautorinnen Yasemin und Nesrin...
"Almanya - Willkommen in Deutschland" nimmt als Integrationskomödie humorvoll die Faszination und den Argwohn einer Kultur gegenüber einer anderen in den Blick. Im Fokus des...
Fahri
Interview mit Fahri Yardim: Fahri Yardims Visage
Fahri Yardim wird in der Türkei schon mal für sein schlechtes Türkisch ausgelacht. Die Heimat seiner Eltern ist dem Hamburger zwar...
© 2020 Filmreporter.de