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Fritz Karl, Clare-Hope Ashitey und Theo Caleb Chapman in "Black Brown White"

Black Brown White

Originaltitel
Black Brown White
Alternativ
Black-Brown-White / Black - Brown - White
Genre
Drama
Land /Jahr
Österreich 2011
 
106 min
Medium
Kinofilm
Kinostart
18.02.2011 ( Kino Deutschland | Kino Österreich ) bei Filmladen
Regie
Erwin Wagenhofer
Darsteller
Fritz Karl, David Wurawa, Wotan Wilke Möhring, Karl Markovics, Juanma Lara, Niño Josele
Homepage
http://www.blackbrownwhite.at
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
6,0 (Filmreporter)
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Inhalt/KritikCast & CrewTechn. DatenTrailerGalerieDVDsbewerten
Stilsicheres Roadmovie mit einigen Schwächen
Peter, genannt Don Pedro (Fritz Karl), ist Fernfahrer. Seine Standardtour führt ihn regelmäßig in afrikanische Länder. Zu seiner Ladung gehört nicht nur ukrainischer Knoblauch, den er nach Marokko transportiert, sondern auch Flüchtlinge, die er von Afrika ins gelobte Europa schmuggelt. Das Geschäftsmodell ist für den ruhigen und intelligenten Fahrer und seinen Speditionspartner Jimmy (Karl Markovics) zwar gefährlich, dafür ausgesprochen ertragreich.

Bei ihrem letzten Coup aber geht allerdings so manches schief. Eine junge afrikanische Frau (Claire-Hope Ashitey) weigert sich wegen ihrem fünfjährigen Sohn (Theo Caleb Chapman) willen partout, im Hohlraum des Anhängers eingesperrt zu werden. Stattdessen besteht sie darauf, in der Fahrerkabine Platz zu nehmen. Ihr Ziel ist Genf, wo sie den Vater ihres Sohnes - einen UN-Mitarbeiter - mit dessen Verantwortung konfrontieren will. So muss sich Don Pedro trotz seiner anfänglichen Weigerung dem Willen der hartnäckigen Frau beugen. Der Weg in die Schweiz ist weit und bis zu ihrem Ziel stehen der Fahrtgemeinschaft einige Tücken und Hindernisse bevor.
Erwin Wagenhofer ("Let's Make Money") ist mit "Black Brown White" ein durchaus stilsicheres Spielfilmdebüt gelungen, das trotz seiner Vorzüge auch einige Schwächen aufweist. Diese zeigen sich vor allem dann, wenn der Regisseur von der Vertikalen des Bildes in die Horizontale der Erzählung wechselt. Wagenhofer hat sich bis zu diesem Projekt vor allem als Dokumentarfilmer einen Namen gemacht und die dokumentarischen Tugenden - das Bild, die Beschreibung, die Bewegung durch Raum und Zeit, der Sinn für die Topografie - sind denn auch die stärksten Momente von "Black Brown White".

Diese Bemerkung impliziert keinen Realismus, ganz im Gegenteil, "Black Brown White" gibt sich äußerst stilisiert. In seinen präzisen, durchkomponierten Bildern oder in der betont artifiziellen Lichtsetzung erinnert der Film an künstliche Welt Aki Kaurismäkis. Auch Wagenhofers Sinn für die Präsenz des menschlichen Körpers innerhalb des Bildes knüpft an das Werk des finnischen Regisseurs an. Jede Bewegung, jede Geste der Protagonisten im Bild in "Black Brown White" hat einen ästhetischen Eigenwert, wird als solches sicht- und spürbar gemacht. Zuweilen erinnern Wagenhofers Menschen an Somnambule, die sich roboterhaft durch Raum und Zeit Bewegen. Mensch und Maschine sind in "Black Brown White" eine Symbiose eingegangen. Im Presseheft spricht Wagenhofer diese Beziehung indirekt an, wenn er die Trucker und ihre Laster mit Cowboys und ihren Pferden vergleicht.

Die Bewegung durch Raum und Zeit in "Black Brown White" erinnert aber nicht nur an den Western, es verweist auch auf ein anderes großes Genre des Kinos: das Roadmovie. So gibt es auch hier immer wieder großartige Begegnungen, die die Bewegung vorübergehend unterbrechen. Aus den Begegnungen Don Pedros mit der Frau und dem Kind, dem Arzt und dem ukrainischen Kollegen, mit seinem Partner Jimmy und der Polizei bezieht der Film seine stärksten Momente. Hier werden die Charaktere lebendig und hier kristallisiert sich der ideelle Kern des Films. "Black Brown White" handelt in diesen ruhigen Momenten vom humanistischen Potenzial des Menschen. Klar, Wagenhofer erliegt nicht der Illusion, dass seine Protagonisten ausnahmslos Gutmenschen sind. Peter treibt am Anfang das Geld an und der Arzt muss für seine Hilfe zunächst überlistet werden. Beide sind ihrem Wesen nach auch altruistisch. Wenn Peter am Ende hilft, dann geht das weit über das Finanzielle hinaus. Auch seine aufkeimenden Gefühle für die junge Afrikanerin sind keine hinreichende Erklärung für seine Opferbereitschaft.

"Black Brown White" ist nicht nur eine lose Aneinanderreihung von Situationen und Bildern, sondern hat auch dramaturgische Spannungsbögen zu bieten. Wenn Peter, die Frau und das Kind irgendwo auf ihrem Weg von der spanischen Polizei angehalten werden, dann wird aus dem Roadmovie unvermittelt ein glänzend erzählter und spannender Krimi. Andererseits ist nicht zu verkennen, dass im Erzählerischen die größte Schwäche des Films liegt. Immer wenn Wagenhofer das Gezeigte erklären will, wenn er seine Figuren in einen psychologischen oder schlimmer noch: einen sozialen Rahmen zwängen will, verliert sein Film an Qualität. Mag es für den Zuschauer relevant sein zu wissen, warum die Frau in die Schweiz will, so wirkt es deplatziert, sie als Opfer von Männern zu stilisieren. Was hier zu viel ist, wird an anderen Stellen versäumt. Peters psychologischer und sozialer Hintergrund ist mehr Versuch denn Ausführung. Als Sohn einer Ärztefamilie hat er sich einst geweigert, beruflich denselben Weg zu gehen. Warum? Wieso taugt er nicht als Familienvater, wie er sagt. Warum ist er als intelligenter Mensch auf der Straße unterwegs, um "dreckige Arbeit zu machen"?

Anstatt sich um eine adäquate psychologische Konturierung zu bemühen, verliert sich Wagenhofer in der sozialen Motivierung des Protagonisten. "Das System ist illegal und lässt einem keine andere Wahl", so Peter gegenüber der Frau. Dann verlieren sich die Protagonisten in einer künstlichen Spekulanten-Stadt und der Film in einer dezidierten Kapitalismuskritik. Wagenhofer ist in "Black Brown White" noch viel zu sehr Dokumentarfilmer und vergisst dabei das Wesentliche: die Geschichte und deren Figuren. Die Folge ist, dass der Film sich manchmal allzu didaktisch gibt und unnötig in die Länge gezogen ist. So hinterlässt "Black Brown White" letztlich doch einen faden Nachgeschmack, nachdem er so furios begonnen hat.
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Videoclip:
Ein Lastwagenfahrer (Fritz Karl) befördert bei seinen Touren nach Afrika nicht nur Obst und... 
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2021