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Nichts zu verzollen

Nichts zu verzollen

Originaltitel
Rien à déclarer
Alternativ
Nothing to Declare
Genre
Komödie
Land /Jahr
Frankreich 2011
 
108 min
Medium
Kinofilm
Kinostart
09.06.2011 ( Kino Deutschland | Kino Schweiz | Kino Österreich ) bei Pathé Films
Regie
Dany Boon
Darsteller
Benoît Poelvoorde, Sinead Shannon Roche, Jérôme Commandeur, Laurent Capelluto, Bruno Lochet, Laurent Gamelon
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IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
6,0 (Filmreporter)
7,0 (1 User)
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Komödie über kulturelle Konflikte von Dany Boon
Seit dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens im Jahr 1995 ist das Leben in dem kleinen Örtchen Courquain nicht mehr wie früher. Während die Abschaffung der Grenzkontrollen für viele Europäer das Reisen erleichtert, ist sie für andere existenzgefährdend. Vor allem für den auf seine Nation stolzen belgischen Zollbeamten Ruben (Benoît Poelvoorde) bricht eine Welt zusammen. Nicht nur droht ihm der Verlust seines Jobs, er muss auch noch hinnehmen, dass sich sein Land gegenüber dem ihm verhassten Frankreich öffnet. Nun darf jeder Franzose in seine schöne Heimat reisen und niemand wird mehr an der Grenze sein, um das zu verhindern.

Sein französische Kollege und Erzfeind Mathias (Dany Boon) sieht die politische Entwicklung zwar etwas gelassener, doch auch ihn plagen Sorgen. Nicht nur muss er sich ständig mit den Anfeindungen Rubens herumplagen, zu allem Überfluss ist er auch noch in dessen Schwester Louise verliebt. Um die Beziehung vor Ruben geheim zu halten, trifft sich Mathias nur heimlich mit der Schönen. Als mit dem Inkrafttreten des Abkommens eine mobile belgisch-französische Zollstation eingeführt wird, sieht Mathias seine Chance, die Wogen zwischen ihm und Ruben zu glätten. Zur Überraschung aller meldet er sich freiwillig, um mit Ruben die Station zu besetzen. Doch die erhoffte Annäherung zwischen den Konfliktparteien gestaltet sich alles andere als einfach.
Aus dem Aufeinanderprallen zweier Kulturen und der Tatsache, dass dadurch deren jeweilige Eigenheiten zutage gefördert werden, will Regisseur und Schauspieler Dany Boon das komische Potenzial seiner Filme beziehen. Das binnennationale Klischeedenken zwischen der Provinz Nord-Pas-de-Calais nahe der belgischen Grenze und dem restlichen Frankreich lotete Boon vor einigen Jahren in seiner Komödie "Willkommen bei den Sch'tis" aus, brach damit in Frankreich alle Zuschauerrekorde und war zudem die Vorlage für das italienische Remake "Willkommen im Süden" von Luca Miniero. Selbst Hollywood soll zwischenzeitlich Interesse bekundet haben, das Konzept auf die reichlich vorhandenen kulturellen Differenzen der USA umzumünzen.

Spielte der Konflikt zwischen Frankreich und Belgien in "Willkommen bei den Sch'tis höchstens indirekt hinein (an der belgischen Grenze beginnt der Nordpol), steht er in Boons dritter Regie-Arbeit im Mittelpunkt des Interesses. Doch so richtig scheint das Konzept nicht aufzugehen. Kulturelle Besonderheiten werden gar nur am Rande thematisiert, außer man möchte den übersteigerten Patriotismus des belgischen Zollbeamten und seines Vaters als solche betrachten. Was den Nationalstolz des Belgiers wiederum angeht, findet Boon doch zu dem einen oder anderen scharfzüngigen und pointierten Witz. Etwa wenn Ruben seinem kleinen Sohn in einer Szene die Schönheit seines Landes vorführt. 200 km bis nach Reims soll sich das Großkönigreich Belgien einst erstreckt haben. Und natürlich gehören sogar die Sterne über Belgien zu ihrem Land. Doch der Sohn lässt sich nicht so leicht abschütteln. "Aber Papa, die Erde dreht sich doch. Na, dann gehen die Sterne da doch nach Frankreich und werden französisch". Die Antwort des verlegenen Vaters: "Eigentlich cruisen sie tagsüber nur ein bisschen herum, aber nachts kommen sie zum Schlafen zurück nach Belgien".

Abgesehen von einigen gelungenen Pointen beschränkt sich das Patriotismus-Element allenfalls als dramaturgisches Element, das den Konflikt zwischen den verfeindeten Zollbeamten schüren soll. Natürlich landen die Streithähne irgendwann in einer mobilen Zollstation, um gemeinsam gegen illegale Gränzgänger vorzugehen. Auch kommt es hier zu mehreren Zusammenstößen und natürlich findet schon bald eine Annäherung es zwischen den Konfliktparteien statt. So schlimm sind die Franzosen doch nicht, das muss auch der größte Frankophob erkennen. Ein Buddy-Movie, wie man ihn schon zigmal gesehen hat. Dabei ist es durchaus sympathisch, wie Boon in diesen Passagen Plattitüden zu vermeiden weiß und die Konflikt- und Annäherungsmomente unaufdringlich in Szene setzt.

Den Hauptkonflikt durchbricht Boon immer wieder mit Szenen, die ihren Charme aus ihrer Zeitbezogenheit beziehen. Die Restaurantbesitzer an der französisch-belgischen Grenze, die mit dem Schengener Abkommen ihre Existenzgrundlage in ihrer Not in die kriminelle Schiene abdriften, ist eines dieser Bilder am Rande des Geschehens. Oder der ältere französische Zollbeamte, der lieber seine alte Schreibmaschine benutzt, als seine Zeit mit hochmodernen Computern zu verplempern. Solche subtil beobachteten Momente sind positives Beiwerk in einem Film, in dem ansonsten eher Überzeichnung und überflüssiger Klamauk dominieren.
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Zollbeamter Ruben (Benoît Poelvoorde) hasst die Franzosen. Als mit dem Schengener Abkommen die... 
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Das Ausloten kultureller Konflikte ist die Spezialität von Schauspieler und Regisseur Dany Boon. In seiner neuen Komödie "Nichts zu verzollen" geht das Konzept nicht auf, da...
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2021