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Der mit den Fingern sieht

Originaltitel
Der mit den Fingern sieht
Genre
Dokumentarfilm, Biographie
 
Deutschland/Spanien/Türkei/Italien/USA 2010
 
90 min
Medium
Kinofilm
Regie
Savaş Ceviz
Darsteller
Esref Armagan
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
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Der mit den Fingern siehtAV Visionen
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Dokumentation über einen Ausnahme-Künstler

Esref Armagan ist seit seiner Geburt blind und hat doch eine schier unglaubliche Fähigkeit. Als Maler detailreicher sowie räumlich-illusionistischer Bilder versetzt der Türke Publikum und Fachwelt gleichermaßen in Erstaunen. Wie ist das möglich, wenn man den Detail- und Farbenreichtum der Welt nie zu sehen bekommen? Zwar kann man sich als Blinder durch Ertasten der Dinge eine Vorstellung von ihnen machen. Doch wie ist das bei Farben möglich? Weil sich das niemand vorstellen kann, melden sich immer wieder Skeptiker zu Wort. Armagan sei in Wirklichkeit nicht blind. Oder er nehme Hilfe in Anspruch, um seine Bilder zu malen.

Diese Einwände wurden obsolet, als Harvard-Neurologe Alvaro Pascual-Leone den Künstler auf wissenschaftlicher Grundlage untersuchte. Er scannte dessen Gehirn mit dem MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie), einem Verfahren zur Darstellung von Struktur und Funktion von Geweben und Organen und kam zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass Armagan mit seinen Händen sehen kann. Auch Regisseur Savas Ceviz ist auf den Künstler aufmerksam geworden und widmete ihm eine Dokumentation. Er begleitete den Ausnahmekünstler, schaute ihm beim Malen über die Schulter und gewährte so einen Einblick in seine ungewöhnliche Arbeitsweise.


Esref Armagan begann mit dem Malen, als er sechs Jahre alt war. Mit zehn bekamen seine Zeichnungen Form und Kontur, erste Gegenstände wurden erkennbar. Mit der Farbe begann er mit 15, 16 zu malen, mit 23 wechselte er zur Ölmalerei. Zwar kann der Künstler die Welt nicht mit den Augen erfassen, doch eine Vorstellung davon macht er sich durch seinen Tastsinn. Damit daraus ein Gemälde entstehen kann, hält er sich an einen ritualisierten Prozess. Wie er von dem Magazin DVisible im Mai 2008 zitiert wird, muss in seinem Atelier komplette Stille herrschen, damit er eins werden kann mit dem Gemälde. Als nächstes sortiert er seine Farben in einer bestimmten Reihenfolge, wobei jede Farbe für ihn mit einer bestimmten Bedeutung verbunden ist. Rot zum Beispiel repräsentieren heiße Gegenstände wie Feuer, während Blau für kalte Dinge wie das Wasser stehen. Beim Malprozess zeichnet Armagan mit seiner rechten Hand aus seiner Vorstellung heraus die Konturen, während seine linke Hand das Gemalte erfühlt.

Mit seiner Fähigkeit hat Armagan mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht. So war er bereits Thema mehrerer Dokumentationen. Zudem zeigen sich immer mehr internationale Museen und Galerien an den Bildern des Künstlers interessiert. Unter anderem wurde er bereits in den USA, Tschechien, China, Italien und den Niederlanden ausgestellt. Selbst das Museum of Modern Art und das Metropolitan Museum of Art in New York widmeten dem Künstler 2008 eine Ausstellung. Als Armagan gefragt wurde, was sein Vermächtnis sein sollte, antwortete er: "Ich möchte als derjenige in Erinnerung bleiben, der mit seinen Händen sehen kann (vgl. DVisible). Diesem Wunsch wird Savas Ceviz in seiner Dokumentation mit dem bezeichnenden Titel gerecht.
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