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Das Hochzeitsvideo

OriginaltitelDas Hochzeitsvideo
AlternativKeep the Fire Burning
GenreKomödie, Dokuspielfilm
Land & Jahr Deutschland 2012
FSK & Länge ab 12 Jahren • 87 min.
KinoDeutschland
AnbieterConstantin Film
Kinostart10.05.2012
RegieSönke Wortmann
DarstellerMichael Abendroth, Simon Eckert, Susanne Tremper, Stefan Ruppe, Christiane Lemm, Marian Kindermann
Homepage http://dashochzeitsvideo.com
Links IMDB
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Wenig originelle Komödie von Sönke Wortmann

Pia (Lisa Bitter) und Sebastian (Marian Kindermann) sind zwar erst wenige Monate ein Paar, trotzdem wollen sie bald heiraten. Dass sie für einander bestimmt sind, wissen sie nicht erst seit ihrem gemeinsamen Urlaub in Portugal. Dabei könnten die spontane und abenteuerlustige junge Frau aus einfachen Verhältnissen und der ruhige, sortierte Pilot aus reichem Elternhause unterschiedlicher nicht sein. Auch ist die Beziehung zwischen den beiden weniger harmonisch, als es der Anschein glauben lässt.

Dass Pia mit einem Pornodarsteller zusammen gewesen ist, hat sie ihrem Verlobten verschwiegen. Nun taucht 'Carlos, die Keule' (Simon Eckert) ausgerechnet auf ihrer Hochzeit auf. Um Eifersüchteleien vorzubeugen, erzählt Pia Sebastian, dass es sich lediglich um einen guten Freund handelt. Sebastian glaubt es und lässt sich mit Carlos während der Junggesellen-Abschiedsfeier auf eine heiße Party ein. Das wiederum provoziert den Ärger Pias, die am nächsten Morgen eine Striptease-Tänzerin in Sebastians Schlafzimmer vorfindet.
Heimlicher Hautdarsteller von Sönke Wortmanns "Das Hochzeitsvideo" ist weder das Hochzeitpaar, noch das Hochzeitsfest, sondern die Kameras - zunächst eine, dann eine weitere - mit der die Zeremonie von den vorausgehenden Ritualen bis zur Vermählung digital festgehalten werden. Das Besondere ist Wortmanns Entscheidung, 'seinen' Film nahezu ausschließlich aus Sicht der Hochzeitsfilmer zu zeigen. Anders als die found-footage-Filme im Horrorgenre gibt Wortmann jedoch nicht vor, das Material vorgefunden zu haben, um es dem Zuschauer quasi unbearbeitet zu präsentieren. Seine Komödie geht den halben, wenn man so will weniger radikalen Weg als Filme wie "Blair Witch Project", "[[•REC]]" oder "Cloverfield".

Das hat System und ist bezeichnend für Wortmanns ästhetische Anschauung. Dem versierten Handwerker des deutschen Films ist das found footage-Konzept zu wenig künstlerisch und auch zu starr, um es konsequent durchzuführen. Entsprechend sehen die Bilder seiner Amateurfilmer alles andere ungelenk, verwackelt und ungefiltert, als vielmehr arrangiert und ästhetisch aufgewertet aus. Auch ist es bezeichnend, dass Wortmann von der Amateurperspektive im Laufe des Films immer mehr Abstand nimmt. Während der für die footage-Filme typische enge Blickwinkel dem Horrorgenre zugutekommt, da er durch das Auslassen des Horrorgeschehens die Fantasie des Zuschauers anregt, kommt es in der Komödie gerade auf den totalen Blick an, um das gesamte Geschehen einzufangen. Und so löst sich die Erzählung immer mehr von den Aufnahmen der Amateurfilmer, um die Geschichte selbst in die Hand zu nehmen.

Wortmann entscheidet sich für das footage-Konzept, dehnt dieses aber soweit, bis es seinen Vorstellungen als Filmemacher und den Anforderungen einer Komödie gerecht wird. Dabei scheitert "Das Hochzeitsvideo" in beider Hinsicht. Als Film überzeugt er nicht aufgrund seiner formalen Inkonsequenz, als Komödie, weil Wortmann der Mut zu Innovation und Eigenständigkeit fehlt. "Das Hochzeitsvideo" lässt kein Stereotyp des Genres aus. Vom Pornodarsteller mit einschüchterndem Riesengemächt über Konflikt schürende Prostituierte und perverse Beamte bis hin zu klischeehaften Figuren und Figurenkonstellationen gibt es nichts zu sehen, was man nicht schon etliche Mal in deutschen Komödien gesehen hat. "Das Hochzeitsvideo" ist schlichtweg Opfer vieler Kompromisse: ein Film, der sich einiges vorgenommen hat, seine Ambitionen aber mit Blick auf Massenkompatibilität preisgegeben hat.

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