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Der Tag der Vergeltung (Edition Western-Legenden #13)

Der Tag der Vergeltung

Originaltitel
Untamed Frontier
Regie
Hugo Fregonese
Darsteller
Edmund Cobb, Joseph Cotten, John Davidson, Joe Dominguez, Henry A. Escalante, Clem Fuller
Kinostart:
Deutschland, bei
Genre
Western
Land
USA
Jahr
1952
Länge
78 min.
IMDB
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
6,0 (Filmreporter)
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Edelwestern mit ungewöhnlicher Figurenzeichnung
Familie Denbow kontrolliert riesige Weideflächen in Texas. Nur über ihr Land können Siedler große Weideflächen erreichen, die sich in Staatsbesitz befinden. Doch der sture Patriarch Matt Denbow (Minor Watson) würde niemals zulassen, dass diese 'Parasiten' sein Land durchqueren. Schließlich grast auch ein Großteil seiner 40.000 Rinder auf den üppigen, staatlichen Weiden. Ließe er die Siedler durch, wäre sein immenser Reichtum bedroht.

Sein hitzköpfiger und rechthaberischer Sohn Glenn (Scott Brady) bereitet Matt zusätzliches Kopfzerbrechen. In einer Auseinandersetzung um eine Frau erschießt der junge Mann einen Nebenbuhler. Die von beiden umworbene Jane (Shelley Winters) ist die einzige Zeugin. Da eine Frau in Texas nicht gegen ihren Ehemann aussagen darf, beschließen die Denbows, eine Ehe zu arrangieren. Jane muss miterleben, wie ihre neue Familie die ganze Gegend terrorisiert. Glenns Cousin Kirk Denbow (Joseph Cotten) scheint das einzig vernünftige Familienmitglied zu sein.
Für einen Western aus dem Jahr 1952 ist es ungewöhnlich, wie unsympathisch die Figuren aus "Tag der Vergeltung" gezeichnet sind. Hier gibt es keinen leuchtenden Helden, der 90 Minuten lang gegen die Ungerechtigkeit ankämpft. Stattdessen gibt es zwielichtige Figuren mit egoistischen Motiven und vernünftige Counterparts, die lieber stumm ihrer Arbeit nachgehen, als aktiv zu werden. Spannenderweise ist es mit Shelley Winters in der Rolle von Jane eine Frau, die aufbegehrt gegen die sture Bösartigkeit des von Minor Watson erstaunlich geerdet gespielten Denbow-Patriarchen Matt.

Konventioneller als die Figurenkonstellation ist die Botschaft des Westerns. Die Freiheit, sich selbst etwas aufzubauen, wird zur moralischen Maxime erklärt. In diesem Kontext wird der disziplinierte Kirk Denbow dann doch noch so eine Art Held. Nicht der Revolverheld Glenn (Scott Brady), sondern sein von Joseph Cotten verkörperter Cousin steht im Vordergrund. Das Plädoyer ist klar: harte Arbeit ist abenteuerlichem Aktionismus vorzuziehen. Immerhin wird der Western aufgrund der interessanten Figurenzeichnung nie plump moralisierend. Inszenatorisch mag der Film keine neuen Standards setzen. Kamera und Musik setzen sich aber angenehm von der klassischen Gänsehaut-Inszenierung amerikanischer Western dieser Zeit ab. Westernfans sollten "Tag der Vergeltung" sehen.
Michael Domke, Filmreporter.de
Koch Media
Der Tag der Vergeltung
2022