Holy Motors - 2012 | FILMREPORTER.de
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Holy Motors

OriginaltitelHoly Motors
GenreDrama
Land & Jahr Frankreich 2012
FSK & Länge 115 min.
KinoDeutschland
AnbieterArsenal Filmverleih
Kinostart30.08.2012
RegieLéos Carax
DarstellerDavid Nzavotunga Kiala, Edith Scob, Johann Riche, Clément Robin, Yao Dembele, Yves Abadi
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Leos Carax' brillantes Spiel um Sein und Schein

Wer oder was Oscar (Denis Lavant) wirklich ist, kann man nicht sagen. Während er sich in einer Limousine durch Paris chauffieren lässt, schlüpft er im Inneren des Wagens immer wieder in ein neues Kostüm und trägt eine neue Maske auf. Sobald er aus dem Fahrzeug steigt, spielt er die neue Rolle nicht nur, er verwandelt sich regelrecht in die Figur. So auch, als er einen Koboldartigen Wüterich verkörpert, der auf dem Friedhof für Krawall sorgt und ein Model (Eva Mendes) in die Pariser Unterwelt entführt.

Ein anderer Auftrag führt ihn zu einem Mann, den er umbringen soll. Mysteriöserweise sieht dieser genauso aus wie Oscar. Täter und Opfer sind nach der blutigen Tat nicht mehr zu unterscheiden. Die Grenzen zwischen Sein und Schein, Fiktion und Wirklichkeit sind in Léos Carax' "Holy Motors" nicht zu erkennen. Sicher scheint nur: Sobald Oscar aus der Limousine steigt, ist er nicht mehr die Person, die er vorher war...
'Schön! Schön! Schön! Schön! Schön!' Gleich einem Mantra wiederholt der Fotograf beim Ablichten von Eva Mendes' Körper immer wieder das Wort 'Schön' in stetig wachsender Ekstase. Bis Hauptdarsteller Denis Lavant in Gestalt eines Kobold-artigen Wüterichs erscheint und dem entzückten Fotografen immer wieder ein begeistertes 'So seltsam!' So seltsam! So seltsam!' entlockt.

Die bizarre Szene siedelt "Holy Motors"-Regisseur Léos Carax auf dem berühmten Pariser Friedhof Cimetière du Père-Lachaise an. So als ob er uns damit sagen will, dass das geradezu mechanisch agierende, von Mendes gespielte Model sich gleich zu den Leichen unter der Erde gesellen kann, wenn man die Schönheit ihres Körpers mit der Wiederholung des immer gleichen Etiketts erfassen will. In Abgrenzung zum erstarrten Leib des Models zelebriert Carax den im steten Wandel begriffenen Körper seines Protagonisten Oscar (Denis Lavant), der sich in der Limousine durch Paris fahren lässt, während er im Inneren des Wagens in immer andere Verkleidungen schlüpft und fortwährend neue Masken aufsetzt, um in unterschiedlichste Rollen zu schlüpfen. Trotz der Verkleidungen geht sein Spiel über die reine Performance hinaus, die Darstellung der von ihm gespielten Charaktere und die tatsächliche Transformation in dieselben gehen ununterscheidbar ineinander über und verschmelzen.

Carax' ungewöhnlicher, überbordender Film lässt sich weder in ein dramaturgisches Korsett zwängen, noch kann man es auf ein Genre, geschweige denn auf ein bloßes Etikett wie 'schön' oder 'seltsam' reduzieren. Mit jeder neuen Rolle, in die Denis Lavants Figur schlüpft, verändern sich Ton und Atmosphäre, verwandelt sich der Film. Statt uns eine vermeintlich realistische Erklärung für die Geschehnisse vorzusetzen, interessiert sich Carax für die surreale Seite des Kinos.

Schon die Eingangsszene macht in ihrer paradoxen Architektonik Franz Kafkas Werken alle Ehre. Sie führt in die Regionen des Unbewussten. Wir folgen einem Mann im Schlafanzug durch eine geheime Tür seines Schlafzimmers und gelangen von dort aus direkt in den vollen Saal eines Kinos. Traumzustand und Leinwanderlebnis sind hier nur einen Wimpernschlag voneinander entfernt. Schon im nächsten Moment sehen wir auf der Leinwand die Gesichter der Kinozuschauer, die gerade selbst auf eine Leinwand starren und erkennen uns in ihnen wieder. Was folgt, ist ein Reigen unterschiedlichster Episoden, in denen die Grenzenlosigkeit und Vielfalt der Kinokunst gefeiert wird. Drama und Thriller, Absurdes und Bewegendes, Musical-Einlagen und Alien-Sex gehen hier Hand in Hand und münden in einem Finale, das in seiner verspielten Albernheit das prätentiöse Potential der ambitionierten Prämisse genüsslich relativiert.

'Was veranlasst dich, weiterzumachen, Oscar?', wird Leos Carax' fleischgewordene Ein-Mann-Traumfabrik gefragt, während er sich in der Limousine auf seine nächste Rolle vorbereitet. Darauf er: 'Das, was mich anfangen ließ: die Schönheit der Darbietung.' An diese Schönheit erinnern uns Lavant und Carax in jeder einzelnen Szene ihres brillanten Werkes.
Holy Motors

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Léos Carax' "Holy Motors" ist ein ebenso ungewöhnliches wie brillantes Werk. Dreh- und Angelpunkt ist der von Denis Lavant gespielte Protagonist Oscar. Der...  Clip starten
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