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Gipsy Queen

Originaltitel
Gipsy Queen
Genre
Drama
 
Österreich/Deutschland 2019
 
115 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
25.06.2020 ( D | A ) bei Majestic Filmverleih
 
 
Regie
Darsteller
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8,0 (Filmreporter)
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Gipsy Queen (Kino) 2019Majestic Filmverleih

Unter die Haut gehendes Drama über Rassismus

Ali (Alina Serban) ist Schmerzen gewohnt. Ihre zweite Geburt meistert sie alleine, nur ihre kleine Tochter Esmeralda (Sarah Carcamo Vallejos) ist bei der Geburt des Jungen dabei. Das Mädchen sitzt verstört im Nebenraum und hält sich die Ohren zu. Wenige Stunden nach der Ankunft von Matteo (Aslan Yilmaz Tabak) wagt die junge Roma die Rückkehr zu ihrem Vater. Gewaltsam macht der ihr klar, dass sie ihm den Gehorsam verweigert habe und nichts mehr in der Gemeinschaft des Roma-Clans zu suchen habe.

Sieben, acht Jahre später hat sich die Rumänin mit ihren beiden Kindern in Hamburg eine neue Existenz aufgebaut. Sie geht illegal im Nachtklub Rietze putzen und reiht sich in die Kolonne von Migranten aus aller Welt ein, die für ein paar Scheine schwere Arbeiten auf dem Bau illegal verrichten. Sie kann zupacken, doch oft wird sie um ihren Lohn geprellt.

Der Keller der Rietze ist ein Treffpunkt der legendären Hamburger Boxszene. Tanne (Tobias Moretti) sucht ständig nach Talenten und entdeckt eher zufällig Alis sportliche Qualitäten. Ihr Vater wollte aus ihr die Romakönigin machen, einen sportlichen Champion. Doch dann kam ihre erste Schwangerschaft dazwischen.

Ali blitzt im Gegensatz zu ihrer aus Russland stammenden Freundin Mary (Irina Kurbanova) bei den deutschen Vermietern ab und findet keine Wohnung. Ihre Kinder werden von den 'Weißen', wie die Roma die deutsche Mehrheitsgesellschaft bezeichnen, gemobbt. Wenn ihre Tochter etwas ausfrisst, was bei normalen Deutschen als kindliche Rebellion durchgeht, steht Ali bei Polizei und Behörden einem Wall aus Vorurteilen gegenüber Sinti und Roma.


Das unter die Haut gehende Drama des österreichischen Regisseurs Hüseyin Tabak ("Die Legende vom hässlichen König") besticht durch Filmnewcomerin Alina Serban. Die Roma wird in Rumänien geboren und verliert früh ihre Eltern. Mit einem Stipendium schafft sie das Schauspielstudium in London, wo sie 2011 als beste rumänische Studentin in Großbritannien ausgezeichnet wurde. Die herbe Schönheit, die zumindest im Film selten lacht, knüpft auch an eigene Erfahrungen an, wenn sie sich im Film als Ali durchs Leben boxt.

Ihr Schicksal verknüpft Tabak mit einem sehr feinfühligen Psychogramm des legendären Hamburger Halbwelt-Kiezes und des deutschen Alltagsrassismus. Wie sich Ali den Weg durch diverse Alltagshindernisse bahnt und Tanne ihr beisteht, ist spannend und kurzweilig erzählt. Aus der etwas didaktisch klingenden Grundanordnung macht der Regisseur eine vielschichtige Geschichte, wobei er nicht der Versuchung erliegt, zum Ende eine leichte Lösung und Erlösung vorzugaukeln.
Gipsy Queen (querG) 2019Majestic Filmverleih
Gipsy Queen (Szene) 2019
Ali (Alina Serban) muss sich mit ihren zwei Kindern alleine im fremden Hamburg durchs Leben schlagen.  Clip starten
Alina Serban überzeugt als kampfstarke Roma-Immigrantin.
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