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Il Traditore - Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra

Originaltitel
Il traditore
Alternativ
The Traitor; Der Verräter
Genre
Drama
 
Italien/Frankreich/Brasilien/Deutschland 2019
 
153 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
13.08.2020 ( D | CH | A ) bei Pandora Film
 
 
Regie
Marco Bellocchio
Darsteller
Pierfrancesco Favino, Luigi Lo Cascio, Fausto Russo Alesi, Maria Fernanda Cândido, Fabrizio Ferracane, Calì Nicola
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IMDB
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6,0 (Filmreporter)
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Il Traditore - Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra, Il traditore (Kino) 2019Pandora Film

Marco Bellocchio bleibt ein Chronist Italiens

1980 wird ein Wendepunkt in der Geschichte der Cosa Nostra Siziliens. Der Krieg der zwei verfeindeten Clans, die im weltweiten Drogenhandel Vermögen in Milliardenhöhen angehäuft hatten, wird mit einem rauschenden Fest besiegelt. Doch der Waffenstillstand wird nicht lange halten, wie Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino) bereits ahnt. Am Tag nach der Feier setzt er sich mit seiner dritten Frau nach Rio de Janeiro ab, wo er erneut in den südamerikanischen Drogenschmuggler-Markt einsteigt.

Wenige Jahre später endet seine Karriere hinter Gittern. Die brasilianische Polizei ist nicht zimperlich in ihren Verhörmethoden, doch Buscetta schweigt eisern. 1984 wird er nach Italien ausgeliefert. Dort bricht er nach 40 Jahren in der ehrenwerten Familie seines Cosa Nostra Clans das Schweigen. Die Initialzündung für sein Umdenken war die Mordserie nach der Versöhnungsfeier, der auch seine beiden Söhne aus einer früheren Ehe zum Opfer fielen. Er ahnt, dass Ermordung nur möglich war, weil sein bester Freund, dem er das Wohlergehen seiner sizilianischen Familienmitglieder anvertraut hatte, zum Informanten des gegnerischen Clan wurde.

In langen Verhören mit Staatsanwalt Giovanni Falcone (Fausto Russo Alesi) entblößt er die Struktur der Organisation und benennt die Verantwortlichen für Mord, Erpressung, Entführungen und dem Handel mit Drogen und Waffen. Hunderte Mafiosi landen hinter Gittern. Seine Aussage als Kronzeuge in einem der spektakulärsten Mafia-Prozesse in Rom haben ihren Preis. Falcone wird 1992 Opfer eines Attentats. Buscetta und seine Familie leben im Zeugenschutzprogramm und müssen etliche Male den Aufenthaltsort wechseln.


Regisseur Marco Bellocchio lässt die Geschichte Italiens nicht los. In "Buongiorno Notte - Der Fall Aldo Moro" zeichnete er die Entführung des Parteivorsitzenden der italienischen Christdemokratischen Partei Aldo Moro durch Mitglieder der Terroristenorganisation Rote Brigaden aus Sicht der einzigen Frau unter den Kidnappern nach. Jetzt nimmt er sich die Biografie Tommaso Buscettas und dessen Gesinnungswandel vor.

Der Verrat seines besten Freundes macht Buscetta zum Verräter, in den Augen der Mafiosi ist er dies bis heute. Er hat ihre heilige Familie hintergangen, die im Wertekanon der Verbrecher über der eigenen Familie steht. Bei der Beschreibung des Milieus vermeidet der Regisseur eine sentimentale Verherrlichung der Familienbande und der gewalttätigen Verbrechen, die manch Hollywood-Epos prägen. Hier ist die Angst der ständige Begleiter der Mafiosi. Hinter jedem Supermarktregal, in jedem Auto kann der Tod lauern.

Beinahe dokumentarisch und auffallend nüchtern folgt der Film dem Weg Buscettas über die wichtigsten Stationen zwischen 1980 und dessen Tod. In seinem Willen zu Authentizität und Vollständigkeit verliert der zu lange Film aber zunehmend an Tempo und Spannung. Etwas Straffung hätte ihm gut getan. Hier knüpft Marco Bellocchio an die großen Mafiaepen Martin Scorseses und Francis Ford Coppolas an. Doch während der Verräter Henry Hills in Scorseses "GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia" den Verlust des Wohlstandes zutiefst bedauert, sorgt sich Buscetta alleine um das Wohlergehen seiner dritten Familie.

Der Regisseur vermeidet jede sentimentale Verkitschung von Familienbanden und gewalttätigen Verbrechen der Hollywood-Epen. Beinahe dokumentarisch und auffallend nüchtern folgt der Film dem Weg Buscettas über die wichtigsten Stationen zwischen 1980 und dessen Tod. In seinem Willen zu Authentizität und Vollständigkeit verliert der zu lange Film aber zunehmend an Tempo und Spannung. Etwas Straffung hätte ihm gut getan.
Fabio Lovino in "Il Traditore - Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra" ("Il traditore", 2019)
Marco Bellocchio knüpft an die großen Mafiaepen Martin Scorseses und Francis Ford Coppolas an.
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