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Jean Seberg - Against all Enemies

Originaltitel
Seberg
Genre
Biographie, Thriller
 
USA/Großbritannien 2019
 
96 min, ab 12 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
17.09.2020 ( D | CH | A ) bei Prokino Filmverleih
 
 
Regie
Benedict Andrews
Darsteller
Margaret Qualley, Kristen Stewart, Zazie Beetz, Anthony Mackie, Jack O'Connell, Vince Vaughn
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IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
1 5,0(Filmreporter)
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Jean Seberg - Against all Enemies (2019)Prokino Filmverleih
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Präziser Blick auf die Spaltung der USA

Jean-Luc Godards "Außer Atem" macht Jean Seberg (Kristen Stewart) 1959 zum Star der Nouvelle Vague, der Stilikone lieht bald die Filmwelt auf beiden Seiten des Atlantiks zu Füßen. Dabei steht der Beginn ihrer Karriere unter keinem guten Stern. Beim Dreh der Scheiterhaufen-Szene für "Die heilige Johanna" wird 1957 ein großer Feuerball entfacht, der Seberg erfasst und großflächige Brandwunden verursacht. Die Narben zeichnen ihren Körper bis an ihr Lebensende. Regisseur Otto Preminger befindet die Aufnahme für äußerst realistisch. Er lässt die Szene nicht nochmals drehen. Das Unglück wird Bestandteil seines Films.

In den späten 1960er Jahren beginnt Sebergs gesellschaftliches Engagement durch die Liaison mit dem amerikanischen Bürgerrechtler Hakim Jamal (Anthony Mackie). Das FBI legt eine Akte an, ihr Haus in Los Angeles wird verwanzt. Rund um die Uhr wird die amerikanische Staatsbürgerin mit Hilfe des illegalen FBI-Überwachungsprogramms 'COINTELPRO' beschattet, das zur Informationssammlung zur Black Power-Bewegung dient.

Während den jungen Agent Jack Solomon (Jack O'Connell) bei der Überwachung Gewissensbisse plagen, ist dessen erfahrener Partner Carl Kowalski (Vince Vaughn) überzeugt, dass alle Mittel bei der Verteidigung der Privilegien der weißen Bevölkerungsmehrheit angebracht sind. Das FBI lanciert gezielt Infos zu Sebergs Privatleben, die ihre Reputation in der Öffentlichkeit zerstören sollen. Die Hetzkampagnen setzen Seberg zu, ihr zweites Kind wird im siebten Schwangerschaftsmonat geboren und stirbt zwei Tage nach der Geburt. Seberg lässt ein Foto des Säuglings mit weißer Hautfarbe verbreiten, um die Gerüchte zu ersticken, Jamal sei der Vater.


"Seberg - Against all Enemies" ist der zweite Film nach "Once Upon a Time... In Hollywood", der 2019 kritisch auf die US-amerikanische Filmmetropole Ende der 1960er blickt. Während der von Quentin Tarantino in das gesellschaftliche Umfeld brillant eingepasste Mord an Sharon Tate bis heute schockt, sind das Leid Jean Sebergs und ihr mysteriöser Tod beinahe vergessen. Das Biopic konzentriert sich auf die Jahre der intensiven Beschattung Sebergs durch den amerikanischen Geheimdienst und die Auswirkungen der Paranoia auf ihren Seelenzustand. Kristen Stewart meistert alle Hoch und Tiefs grandios, die ihr das Buch zu Spielen aufgibt. Sie spielt nicht Seberg, sie wird Seberg mit Haut und Haar.

Zugleich entwirft der zweite Spielfilm von Benedict Andrews einen detailreichen Blick auf die Spaltung der Gesellschaft zwischen weißen und schwarzen US-Amerikanern, wobei er die Bürgerrechtsaktivisten porträtiert, ohne diese zu glorifizieren. Wobei es sich der Autor doch oft zu leicht macht, ihre Ziele zu verbalisieren. Viele Sätze wirken unfreiwillig komisch, weil sie einfach zu plakativ formuliert sind. Dass es das Foto mit Bürgerrechtsaktivisten nach einem Flug von Paris nach New York nie gab, mit dem Sebergs Beziehung zu Jamal im Film beginnt, macht die Sache auch nicht besser und nimmt der Bespitzelung ihre Brisanz. Sie gerät nämlich nur durch ihren Seitensprung ins Visier der staatlichen Schnüffler und nicht durch ihre karitativen Aktivitäten.
Kirsten Stewart als Jean "Jean Seberg - Against all Enemies" (2019)Prokino Filmverleih
Kirsten Stewart als Jean "Jean Seberg - Against all Enemies" (2019)
Leid und Tod von Jean Sebergs waren schon fast vergessen.  Clip starten
Kritischer Blick auf die politisch verstaubte amerikanische Filmmetropole Ende der 1960er Jahre.
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