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David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück

Originaltitel
The Personal History of David Copperfield
Genre
Komödie
 
Großbritannien/USA 2019
 
119 min, ab 6 Jahren (fsk)
Medium
Kinofilm
 
 
Kinostart
25.09.2020 ( D | CH | A ) bei eONE Germany
 
 
Regie
Armando Iannucci
Darsteller
Fisayo Akinade, Nikki Amuka-Bird, Albie Atkinson, Aneurin Barnard, Tuwaine Barrett, Nigel Betts
Links
IMDB
|0  katastrophal
brilliant  10|
1 7,0(Filmreporter)
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David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück ("The Personal History of David Copperfield", 2019)eOne Germany
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Moderne, wenn auch etwas flache Dickens-Verfilmung

David Copperfield hat eine glückliche Kindheit, in der seine Phantasie gefördert wird. Doch dann heiratet seine Mutter in zweiter Ehe den gewalttätigen Mr. Murdstone (Darren Boyd). Dessen verkniffene Schwester Jane (Gwendoline Christie) übernimmt das Regiment im Haus. Da sich der zehnjährige der strengen Ordnung nicht unterordnet und widerspricht, wird er zur Arbeit in eine düstere Londoner Flaschenfabrik geschickt. Unterschlupf findet er bei der Familie des schwatzhaften und verschuldeten Mr. Micawber (Peter Capaldi), dem zahlreiche Gläubiger nachstellen.

Jahre später zettelt David nach dem Tod seiner Mutter einen Aufstand in der Fabrik an und flieht zu seiner exzentrischen Tante Betsey (Tilda Swinton) und deren wundersamen Mitbewohner Mr. Dick (Hugh Laurie) aufs Land. Endlich kann er seine Ausbildung in einem seltsamen Internat fortsetzen, wo er als einziger den unterwürfigen Uriah Heep (Ben Whishaw) beachtet. Er verschafft ihm eine Stelle beim Geldverwalter seiner Tante und leitet damit das Unglück der Familie ein, dem auch seine große Liebe Dora Spenlow (Morfydd Clark) zum Opfer fällt.


600 Seiten ist der bereits mehrfach als düsteres Drama verfilmte Klassiker "The Personal History, Adventures, Experience and Observation of David Copperfield the Younger of Blunderstone Rookery (Which He Never Meant to Publish on Any Account)" von Charles Dickens lang. Der Schotte Armando Iannucci ("The Death of Stalin") hat die Handlung für seinen opulent ausgestatteten Film kongenial gerafft und grandiose fließende Übergänge zwischen den einzelnen Episoden aus knapp drei Jahrzehnten gefunden.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist er an Authentizität wenig interessiert. Er setzt eher auf die komödiantischen Töne. Das Lachen bleibt einem aber niemals im Hals stecken, dazu ist der Ansatz zu seicht. Er streift das britische Klassensystem sowie die Tristesse in den Fabriken und den Wohnsilos der englischen Arbeiterklasse nur am Rande, die Dickens sehr viel intensiver thematisiert. Er schwelgt dafür lange in Bildern der in schönsten Sonnenschein getauchten britischen Kanalküste und von blühenden Gärten englischer Landhäuser. Dabei macht er aus David Copperfield einen stets optimistischen, liebenswerten Überlebenskünstler, der mit seinem Lächeln und Wesen fast alle für sich einnimmt. Seine Resilienz, also seine Fähigkeit schwierigste Schicksalsschläge aus eigener Kraft zu überwinden, die Dickens selbst aufbringen musste, geht dabei ein bisschen unter, allzu leicht fällt diesem David Copperfield der Ausbruch aus der sozialen Misere.

Der gut aussehende Teenagerschwarm Dev Patel ist sicher ein Gewinn für den Film. Iannucci hält sich auch bei der Besetzung weiterer Rollen nicht an die Vorlage und verpflanzt die Handlung ins England des 19. Jahrhunderts, in eine multikulturelle Gesellschaft. Das wirkt manchmal etwas befremdlich, wenn er sich nicht um Darwins Abstammungslehre schert. Zugleich ist es ein gelungener Kommentar zur Abschottung durch den Brexit.
David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück ("The Personal History of David Copperfield", 2019)eOne Germany
David Copperfield - Einmal Reichtum und zurück ("The Personal History of David Copperfield", 2019)
David Copperfield hat eine glückliche Kindheit - bis seine Mutter den gewalttätigen Mr. Murdstone heiratet.  Clip starten
Der Schotte Armando Iannucci hat die Handlung seines opulent ausgestatteten Dickens-Verfilmung kongenial gerafft.
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