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Der Untergang - Hitler und das Ende des 3. Reichs
Constantin Film

Geschichte selbst erzählt

Hitlers letzte Stunden
Deutschlands Geschichte sollte auch in Deutschen Filmen mit deutschen Hauptdarstellern auf die Leinwand gebracht werden. So lautet die Forderung von Filmproduzent Bernd Eichinger. In seinem neuen Werk "Der Untergang - Hitler und das Ende des 3. Reichs" hat er genau dies nun getan. Der Film beleuchtet die letzten Tage Adolf Hitlers im Führerbunker und den Untergang des Naziregimes. Doch was genau die Filmemacher mit der Geschichte bewirken wollen, ist nicht ganz klar.
Von  Daniela Truttmann/Filmreporter.de,  18. September 2004
Bruno Ganz - hier mit Juliane Köhler - in seiner schwierigsten Rolle
Constantin Film
Bruno Ganz - hier mit Juliane Köhler - in seiner schwierigsten Rolle
Wie konnte es zu einer solchen Hysterie im Dritten Reichs kommen? Wie konnten sich Leute, die sonst ganz normal funktionierten, plötzlich so hinreißen lassen? Wie konnte so ein Massenwahn überhaupt entstehen? Dies sind Fragen, die sich Bernd Eichinger immer wieder gestellt hatte. Es war ihm unvorstellbar, wie so etwas passieren konnte. Ebenso unvorstellbar schien ihm, über dieses Thema einen Film zu machen. Das Buch "Der Untergang" von Joachim Fest gab ihm aber schlussendlich den dramaturgischen Zugang zum Thema.

Die Besonderheit liegt darin, dass es sich ausschließlich mit den letzten Tagen des Hitlerregimes beschäftigt. Zwar beginnt der Film mit dem Vorstellungsgespräch von Traudl Junge im Jahr 1942. Doch die Hauptgeschichte handelt im April 1945. Zu dieser Zeit ist der Untergang des Dritten Reiches bereits besiegelt. Adolf Hitler (Bruno Ganz) zieht sich mit seinem Führungsstab, seiner langjährigen Gefährtin Eva Braun (Juliane Köhler) und seiner Sekretärin in das tief im Berliner Untergrund reichende Bunkersystem, auf dem Gelände der Neuen Reichskanzlei zurück. Doch für den Führer ist der Krieg noch nicht vorbei. Er will nicht kapitulieren. Gnadenlos und ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung leistet er der Roten Armee Widerstand. Aber als die feindlichen Truppen nur noch wenige hundert Meter von der Reichskanzlei entfernt sind, entscheidet Hitler zum letzten Mal über sich und seine Umwelt. Er diktiert am 29. April 1945 seiner engsten Mitarbeiterin Junge sein Testament und heiratet Eva Braun. Zusammen mit ihr nimmt er sich einen Tag später das Leben. Ihm folgen auch zahlreiche seiner fanatischen Begleiter.


Die Goebbels am Ende ihres Weges: Corinna Harfouch und Ulrich Matthes
Constantin Film
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Zwischen den im Führerbunker angesiedelten Szenen blendet Regisseur Oliver Hirschbiegel immer wider auf die Oberfläche und zeigt das Leiden der Zivilbevölkerung. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Führer und seinen Gefolgsleuten. "Ich finde, es ist an der Zeit, dass wir unsere Geschichte mit den Mitteln, die wir haben, selber erzählen und den Mut aufbringen, in dieser Erzählung auch endlich die Hauptdarsteller auf die Leinwand bringen," erklärt Bernd Eichinger die Motivation, die letzten Tage im Bunker darzustellen. Der Mut, die Hauptdarsteller des Dritten Reiches aber ganz ins Zentrum des Films zu stellen, fehlt ihm aber. Die letzten Tage werden aus der Sicht von Traudl Junge erzählt, die von Alexandra Maria Lara so rührend dargestellt wird, dass es ein leichtes ist, sie zum Sympathieträger der kalten Bunkerwelt zu machen. Auch der kleine Junge, der in der Randgeschichte außerhalb des Bunkers die Hauptrolle spielt, zieht die Sympathien auf sich. Genau diese Szenen mit dem Jungen machen auch immer wieder klar, dass "Der Untergang" kein Dokumentarfilm ist.

Zwar wird die Geschichte gemäss Produzenten so detailliert und wortgenau wie noch nie erzählt, doch mischen sich Fakten und Fiktion. Oliver Hirschbiegel betritt mit dem Werk filmisches Neuland. Zwar sei er kein Spielfilm, doch sei der Film auch kein Dokumentarfilm, da dieser die Zuschauer außen vor lasse. "Das Kino funktioniert über Emotionen. Und ich versuche nichts anderes als in meinen anderen Filmen auch: Die Figuren, die es wirklich gegeben hat, glaubwürdig zu machen." Wahrhaftigkeit, Glaubwürdigkeit habe aber auch mit Zuneigung, Liebe zu tun, einem Sich-Hineindenken in eine Figur. Doch will man sich in einen Hitler hineindenken? Will man Himmler verstehen? Mit Goebbels mitfühlen? Es ist eigentlich ein Leichtes, mit dem gebrechlichen, gebrochenen Mann, der seine letzte Mahlzeit einnimmt, Mitleid zu haben. Doch was nützt das? Hilft es uns zu verstehen, wie es zu alledem gekommen ist? Eichinger erklärt, dass es möglich sein müsse, dass die Deutschen ihre eigene Geschichte, die Geschichte des physischen und psychischen Zusammenbruchs einer ganzen Zivilisation, selbst erzählen. Das haben er und Hirschbiegel nun gemacht. Was wir damit aber anfangen sollen, bleibt dahingestellt.
Von  Daniela Truttmann/Filmreporter.de,  18. September 2004

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