Feature
20th Century Fox
Dennis Quaid in Flug des Phoenix
Abenteuer, Action und viel Schmalz
Schlecht kopierter Absturz
Es hätte so schön sein können, denn die Idee ist gut: Ein Flugzeug stürzt mitten in der Wüste ab - die Gestrandeten bauen sich ein neues Gefährt, um sich zu retten. Aber John Moore war das offenbar nicht genug Action, also baute er Intrigen, böse Einheimische und natürlich einen Helden ein. So wirkt "Der Flug des Phoenix" ungewollt wie eine schlechte Komödie anstatt wie ein guter Abenteuerfilm. Wir finden das schade.
Von  Larissa Vassilian/Filmreporter.de,  5. Juli 2005
Alles beginnt mit einem spektakulären Absturz, der den Zuschauer atemlos und aufgeregt zurücklässt. Anschließend hat er dann über 90 Minuten Zeit, sich gähnend von dem Schreck zu erholen. Während draußen Sandstürme toben, verschanzen sich die Abgestürzten im Flugzeugwrack und ernähren sich von Pfirsichen aus der Dose und dem wenigen Wasser, das ihnen noch bleibt. Knapp 30 Tage können sie hier überleben - die Chancen auf Rettung sind gering.

Zunächst gibt es unter dem noch sauberen Dutzend natürlich Gezänk wegen der Rangordnung. Der raubeinige und einsilbige Pilot (Dennis Quaid) übernimmt den Chefposten und dirigiert seine kleine Mannschaft, bis es eines Tages zu einer Meuterei kommt. Das Team wird natürlich auch immer kleiner, die Holzkreuze über den provisorischen Gräbern mehr. Es ist schließlich nicht leicht, in der Wüste zu überleben. So weit, so glaubhaft.
20th Century Fox
Einziger Lichtblick in der grellen Wüstensonne: Giovanni Ribisi
Viele Kleinigkeiten stören so sehr, dass der Film nicht mehr zu retten ist. Läuft man in der mongolischen Wüste Gobi tatsächlich mit einer schweren Pilotenlederjacke durch die Sonne? Macht man Mittagspause in der brennenden Hitze, anstatt wenigstens unter das Schatten spendende Sonnensegel zu flüchten? Überfällt und tötet man Schmuggler, ohne ihnen anschließend wenigstens die Kamele und Pferde wegzunehmen, wenn man nichts mehr zu essen hat? Große Fehler, die leicht vermeidbar gewesen wären.

Mehr Lacher als Bewunderung erntet auch Dennis Quaid, der für seine 51 Jahre zwar noch fantastisch in Form ist, dessen pathetische Reden aber fast schon wie eine schlechte Parodie auf typisch amerikanische Helden wirken. Dazu kommt noch eine überflüssige Liebelei mit der Quotenfrau an Bord. Einziger Lichtblick ist der immer grandiose Giovanni Ribisi, der diesmal mit blondiertem Haar wie ein arischer Psychopath wirkt und selbstverständlich eine Schlüsselrolle spielt. Vor genau 40 Jahren flog der Phoenix schon einmal, damals bedächtig erzählt mit James Stewart und Hardy Krüger unter der Regie von Robert Aldrich. Ein genialer Film, der ohne Kostümwechsel auskommt und mit wenigen Menschen an ein und demselben Ort spielt - fast wie ein Kammerstück. Hier konnte man sich auf die einzelnen Charaktere konzentrieren und ihr Verhalten unter Stress beobachten. Psychologie und Herz statt Action und Muskeln waren das Erfolgsrezept. Zu jener Zeit entstieg der Phoenix auch wirklich mühelos aus der Asche - was ihm diesmal durch die übertriebene Effekthascherei leider nicht gelingt.
Von  Larissa Vassilian/Filmreporter.de,  5. Juli 2005
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Nach dem Absturz eines Flugzeuges in der Wüste Gobi kämpfen die Passagiere um ihr Leben. Hoffnung kommt erst auf, als der mysteriöse Elliot (Giovanni Ribisi) den Vorschlag macht, aus den Überresten des abgestürzten Flugzeuges ein neues zu bauen. Neuverfilmung des Klassikers aus den 1960er Jahren mit James Stewart und Hardy Krüger. mehr
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