Feature zu Film: Anarcho Roman Coppola | FILMREPORTER.de
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Feature

Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich
Schöne bunte Pop-Kultur

Anarcho Roman Coppola

Die Karriere beim Film wurde Roman Coppola in die Wiege gelegt. Immerhin ist er der Sohn des großen Francis Ford Coppola, Bruder der erfolgreichen Sofia Coppola und Cousin des zur Einsicht gekommenen Nicolas Cage. Nach einer Laufbahn als Musikvideo-Regisseur u.a. für Fatboy Slim und The Strokes präsentiert er 2001 mit "CQ" sein Spielfilmdebüt. Als Drehbuchautor macht er sich an der Seite von Wes Anderson einen Namen ("Moonrise Kingdom"). Nun dreht er mit "Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich" seinen zweiten Spielfilm, mit dem er tief die Gefilde der US-amerikanischen Kulturgeschichte eintaucht.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 24. April 2013

Popkulturphänomen Charlie Sheen in "Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich"

Popkulturphänomen Charlie Sheen in "Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich"

Lebemann auf Sinnsuche
Charles Swan III (Charlie Sheen) arbeitet als erfolgreicher Grafikdesigner in Los Angeles. Als Künstler hat er es weit gebracht, als Mensch ist er schon öfter Opfer der einen oder anderen Schwäche geworden. Charlie ist durch und durch Lebemann, den nicht nur seine Frauengeschichten in Geldschwierigkeiten gebracht haben. Sein Herz gehört jedoch einer einzigen, nämlich Ivana (Katheryn Winnick). Die hat von seinen Affären längst die Nase voll und verlässt ihn. Das eine führt zum anderem und das andere dazu, dass Charlie eines Tages mit seinem Auto in einem Swimming Pool landet. Im Krankenhaus lässt er sein Leben noch einmal Revue passieren. Wird Charlie doch noch den Sinn des Lebens erkennen?

Stilistisch ist Roman Coppolas skurrile Tragikomödie vom Humor des Werks Wes Andersons und der surrealen Welt von Spike Jonze' "Being John Malkovich" beeinflusst. Zumindest die Verwandtschaft mit Anderson kommt nicht von ungefähr, hat Coppola doch mit ihm zusammen die Drehbücher zu "Darjeeling Limited" und "Moonrise Kingdom" verfasst. Als weitere Referenz nennt Coppola - der seine Karriere als Musikvideo-Regisseur begann - die Plattencover der 1970er Jahre. Dabei hat er sich von Künstlern wie Dave Willardson, Peter Palombi und Charles White III inspirieren lassen; letzterer stand sogar bei dem Namen für den Protagonisten der Komödie Pate - im Originaltitel ist die Parallele noch deutlicher.

Mondän: Charlie Sheen in "Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich"

Mondän: Charlie Sheen in "Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich"

Fröhliche, Sexy Designerwelt
Coppola potenziert die künstlerische Bezugnahme, indem er auch formal auf die Ästhetik der genannten Designer erinnert, deren künstlerische Anschauung sich unter anderem aus den Disneyfilmen der 1930er und 1940er Jahre sowie der zeitgenössischen Werbe-Ästhetik speiste. Dabei setzt der Regisseur die 'fröhliche, gewagte und sexy Designerwelt im Zusammenspiel mit der sonnigen und oberflächlichen Klischees' (Coppola) von Los Angeles gegen die düstere Welt der Hauptfigur, die nach einer traumatischen Trennung von der Lebenspartnerin in eine schwerwiegende Existenzkrise gerät. Auch diesen Kontrast will Coppola kulturhistorisch verankert wissen. Als Bezugsquelle nennt er dabei die Hollywood-Musicals der 1930er Jahre, die mit ihrer lichten und illusionistischen Ästhetik die getrübte Stimmung der unmittelbaren Depressionszeit kompensierten.

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