Filmkritik: Hercules 3D: Humor, Familienwerte und Traumata | FILMREPORTER.de
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Feature

Kellan Lutz als antiker Held in "The Legend Of Hercules 3D"
Antiker Actioner mit Muskelmassiv Dwayne Johnson

Hercules 3D: Humor, Familienwerte und Traumata

Mit einer eingespielten Söldnertruppe nährt Herkules (Dwayne Johnson) seinen Ruf als Halbgott, der Sagenungeheuer tötet. Als ihn König Cotys (John Hurt) gegen bare Goldmünze engagiert, Thrakien vom brandschatzenden Kriegsfürst Rhesus (Tobias Santelmann) zu befreien, bildet Herkules eine unerfahrene Bauernarmee aus - und erlebt eine böse Überraschung.
Von  Komm & Sieh, 12. August 2014

Hercules 3D

Hercules 3D

Psychologisch motivierte Monster
Als vor wenigen Monaten Renny Harlins unterirdischer "The Legend of Hercules 3D" erschien, was das Gejammer groß. Die mehr Hoffnungen weckende Version von Brett Ratner, der mit seiner "Rush Hour"-Reihe und "X-Men: Der letzte Widerstand" belanglos blieb, ist zwar keine Erleuchtung, aber immerhin mehr als ein anständiges, klassisch aufgezogenes Abenteuer für die ganze Familie.

Hübsch ironisch demontiert Ratner fast alle Mythen als Märchen für ein leichtgläubiges Volk, während Skeptiker der Flunkerei der diese Legende befeuernden Söldner nicht auf den Leim gehen. Angereichert mit augenzwinkernd-trockenem Humor machen Herkules - Dwayne "The Rock" Johnson ist eine gute Wahl - und seine Mannen klar, dass es um ihren Ruf geht und um den Glauben: Die Welt braucht Helden!

Der größte Fan des vermeintlichen Halbgotts ist deshalb wohl ein kleiner Junge, der wie ein "Spider-Man"-Enthusiast auftritt und Herkules wie einen Comic-Heroen der Antike bewundert - der dankt es mit rührendem Umgang mit dem Kind. Hinter all dem steht ein ernster Drama-Tonfall: Das eingespielte Team, das mit einem Hauch von "Die sieben Samurai" dem Volk das Wehrhandwerk lehrt, besteht fast nur aus Kriegsgeschädigten.

Vor allem der stumme Tydeus (Aksel Hennie aus "Headhunters"), der allnächtlich Soldatengräuel durchlebt, ebenso Herkules, der Albträume seiner getöteten Familie hat. Monster sind hier psychologischen Ursprungs, eine seelische Bürde und ein gelungen-tragischer Nukleus, der die Söldner wie eine Familie verbindet, darunter auch Autolyus (Rufus Sewell, kürzlich in "I'll Follow You Down") und einen ungenierten Mythenmetz.

Brett Ratner

Brett Ratner

Postmodern - ohne tradierte Erzählmuster
Mit einem zynischen Augur (Ian McShane aus dem vierten "Piraten der Karibik"), der stets fehlerhaft seinen eigenen Tod prophezeit und einer Amazone - eine so behände Bogenschützin, als wäre sie mit Elfe Legolas verwandt - gibt es komische und kämpferische Highlights. Dann werden durch klingenbestückte "Ben Hur"-Streitwagen in Unterzahl lange Schlachten gewonnen, bei denen es so gerade noch jugendfrei zur Sache geht.

Manchmal streiten Söldner eben für die falsche Seite, weil Gut und Böse so trügerisch wie der Wahrheitsgehalt mancher Sagen ist. Eine Wende um Verräter und Intrigen, Machtkalkül und brutale Tyrannei ermöglichen John Hurt ("Dead Man") und besonders Joseph Fiennes ("Elizabeth") Shakespear'sche Auftritte. Womit der Kampf gegen das Unrecht zur Gewissensfrage und mit absolut angebrachten Pathos ausgetragen wird.

Außer im Schluss-Spektakel hält sich Ratner mit Übertreibungen vergleichsweise zurück und meidet in seiner losen Adaption des Comics von Steve Moore die Fantasy-Akrobatik von "300" bis "Kampf der Titanen". So kann sich eine Schwert-und-Sandalen-Geschichte entwickeln, die Zeit zum Atmen lässt und postmodern ohne tradierte Erzählmuster aufzubrechen, überzeugend darlegt, dass man kein Halbgott sein muss, um ein Held zu werden.
Komm & Sieh - 12. August 2014

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