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Citizenfour

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Nüchterne Chronik über Edward Snowden

Elektrisierend wie ein Thriller: "Citizenfour"

Citizenfour ist der Tarnname, unter dem Whistleblower Edward Snowdendie in Berlin lebende Dokumentarfilmerin Laura Poitrass kontaktierte. Sie schließt mit der Chronik seines Treffens mit den Guardians-Reportern Glenn Greenwald und Ewan MacAskill in einem Hongkonger Hotel ihre Trilogie über Amerika nach dem 11. September ("My Country, My Country", "The Oath") ab und legt die ungeheuerlichen Straftaten der Obama-Regierung offen.
Von  Komm & Sieh,  20.10.2014

Edward Snowden in "Citizenfour"

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Poitras schildert aus der Ich-Perspektive, aber ohne vor die Kamera zu treten, in nüchtern-sachlicher, reduzierter Art, mit langen Einstellungen (fast wie Rohmaterial) und bedrohlichen Synthieklängen Weltgeschichte in Echtzeit. Mit der Ouvertüre, die Prozesse, Aussagen und Anhörungen zur Datensammelwut der NSA bündelt, die den größten Unterdrückungsapparat aller Zeiten errichtet hat und dreist alles leugnet, ruft Poitras in Erinnerung, was im letzten Jahr aus den Medien zu erfahren war. Es ist mitunter bittere Realsatire, wie selbstherrlich geltendes Recht ignoriert wird.

Was der schwiegersohntaugliche Computerexperte im T-Shirt, paranoid wie jeder Geheimdienstmitarbeiter, dann im Juni 2013 in der achttägigen Begegnung erklärt, ist das Ende aller Privatheit, aller Persönlichkeitsrechte, aller Freiheit und Schlupfwinkel gegen ein Überwachungs-Totalitarismus. In Zukunft ist jedes Jahr 1984 - man braucht nur darauf warten, dass ein bösartiges Regime das Big-Data-Volumen mehr als bisher schon missbraucht. Die NSA hat mit Unterstützung anderer Staaten eine weltweite Infrastruktur errichtet, um alle menschliche Kommunikation aufzufangen und zu speichern, wobei sich der britische GCHQ als besonders invasiv hervortut.


Laura Poitras, Regisseurin von "Citizenfour"

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In Zukunft ist jedes Jahr 1984

Als die News-Bombe platzt, verdammt die US-Regierung nicht das Programm, das jeden Menschen unter Generalverdacht stellt, sondern den, der es öffentlich bekannt machte, während echte Kriegsverbrecher wie Donald Rumsfeld unbehelligt bleiben - das hat ja schon "The Unknown Known" gezeigt. Dort sitzt er dann, der stillste und bescheidenste Held unserer Zeit, das glatte Gegenteil eines Egomanen wie Wikileaks-Gründer Julian Assange, über den "We Steal Secrets: The Story of WikiLeaks" und der Thriller "Inside Wikileaks - Die fünfte Gewalt" Auskunft geben.

Aber der engagierte Assange verhilft Snowden zur Flucht, wo er in Moskau hängen bleibt, dort immerhin seine Freundin wiedersieht. Er trägt das Schicksal eines politisch Verfolgten mit Fassung, das ihm der zivilcouragierte Widerstand gegen ein perfides System einbrachte, das unsere Freiheit aufgefressen hat. Ein Lump wie Barack Obama sollte gezwungen werden, seinen Friedensnobelpreis an Edward Snowden abzugeben.
Von  Komm & Sieh,  20.10.2014

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