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Feature

Christian Bale und Natalie Portman in "Knight of Cups"

StudioCanal Germany

Christian Bale auf Sinnsuche

Terrence Malicks Strom aus Bildern und Tönen

In seinem Drama "Knight of Cups" schickt Kinopoet Terrence Malick ("The Tree of Life") seinen Hauptdarsteller Christian Bale auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Die assoziative, die klassische Dramaturgie meidende Erzählweise des Regisseurs spiegelt das Kreisen des Protagonisten um die Wahrheit.

Knight of Cups

StudioCanal Germany

Suche nach der Wahrheit

Terrence Malicks Filme handeln immer von der Suche nach der Wahrheit, einer beseelten Welt im Augenscheinlich-Irdischen, dem Dahinter, das sich nur sensiblen Naturen wie Künstlern erschließt. Der US-Regisseur ist einer der wenigen Metaphysiker des zeitgenössischen Kinos, dessen Welt- und Kunstanschauung mehr mit dem Werk Andrej Tarkowskijs zu tun hat als mit der Traumfabrik Hollywoods. Und doch hat sich Malick mit seinem jüngsten, dem siebten Film ausgerechnet in eine Welt gewagt, in der frei nach Brecht, nicht Wahrheiten, sondern Lügen verkauft werden.

"Knight of Cups" kreist um einen von Christian Bale gespielten Mann, der auf dem Markt der Eitelkeiten eine gewichtige Rolle spielt. Partys, Sex und Drogen sind die beherrschenden Konstanten im Dasein des Filmschaffenden. Daneben schälen sich im Laufe der für Malick typischen assoziativen Erzählweise nach und nach von Konflikten und Problemen gezeichneten Beziehungen zum Vater (Brian Dennehy) und seinem jüngeren Bruder (Wes Bentley) heraus - wobei vor allem der Bruder an einer implizierten Schuld des Vaters leidet.


Freida Pinto in "Knight of Cups"

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Terrence Malick zeigt innere Leere, die rastlos macht

Christian Bales Charakter scheint im Leben alles erreicht zu haben, dennoch spürt er eine innere Leere, die ihn rastlos macht. Malick zeigt seinen Protagonisten als Wanderer zwischen den Welten: Mal ist er auf wilden Partys, die er mal aktiv feiernd, dann wieder passiv angewidert über sich ergehen lässt. Oder der Regisseur setzt ihn in Wüsten und anderen Naturlandschaften in Szene, die ahnen lassen, dass da einer vor der Welt des Scheins und Glamours fliehen will und sich nach der Essenz des Daseins sehnt. Er ist der Ritter, von dem der Titel und eine Stimme aus dem Off erzählen - im englischen Original übrigens von Ben Kingsley gesprochen. Sie erzählt von einem, der auszog, um eine Perle zu finden, die heilige Mission jedoch über eine Welt von Verlockungen und Versprechungen aus dem Auge verloren hat.

In diesem Irrgarten der Lüste kreuzen auch zahlreiche Frauen den Weg des Mannes. Die Schauspielerinnen, Modells und Tänzerinnen, mit denen Malick den Protagonisten umgibt, sind jedoch nicht nur Ausdruck einer hedonistischen Lebensweise. Für den verirrten 'Ritter' bedeutet jede einzelne von ihnen auch eine potenzielle 'Perle'. In der Schönheit manifestiert sich das Geistige - was der Hollywoodbeau allenfalls ahnt, das wissen Philosophen wie Platon und Künstler wie Thomas Mann schon lange. Letzterer ließ bekanntlich in Venedig einen umherirrenden 'Ritter' das Ewige in der Gestalt eines Jungen erkennen.


Christian Bale auf der Premiere von "Knight of Cups"

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Skizzenhaftes - Angedeutetes

Neben der schönen kündigt bei Malick immer auch die leidende Frau die geistige Sphäre an. Eine Dominante im Leben des Schauspielers/Produzenten/Drehbuchautors ist seine Ex-Frau, an die er sich angesichts der Verführungen im Wunderland nicht lange binden konnte. Cate Blanchett personifiziert dieses ewig Weibliche als Variation von Jessica Chastains liebende und leidende Ehefrau in "The Tree of Life". Während sich die Frau im Stillen an der physischen und emotionalen Abwesenheit des Mannes abarbeitet und im häuslichen - so will es Malick wissen - an der Wahrheit Quelle ist, ist der Mann der Unruhige, der ewig Suchende. Eines weiß oder ahnt dieser immerhin: dass die Wahrheit nicht auf der Zunge liegt. In kaum einem anderen Werk in der Geschichte des Kinos gibt es so viele schweigsame Männer wie bei Malick.

Mit dem Rationalen ist der Wahrheit nicht beizukommen, das ewig seiende ist eine Sache des Instinktes. Wie seinem männlichen Protagonisten geht es auch Malick. Aus diesem Grund hat der Filmemacher schon lange der klassischen Erzähl-Dramaturgie abgeschworen. "Knight of Cups" bildet da keine Ausnahme. Nicht die Linie, das Vorwärtsdrängen über Anfang, Mitte und Ende bestimmt die Bewegung in Malicks Filmen, sondern ein stetes Kreisen um eine Sache. Auch findet man bei ihm nichts Ganzes, sondern allenfalls Skizzenhaftes, Angedeutetes. Im filmischen Kosmos des Leinwand-Poeten ist nichts klar und deutlich, sondern alles nur verschwommen und diffus. Das ist die Logik im irrationalen Kino Malicks: Anders als das Materielle, hat das Geistige keine Konturen.

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