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Feature

Moritz Bleibtreu und Martina Gedeck im Pool

Constantin Film

Gegen das Leben - gegen die Welt
Genitalteilchen und Physiker
Oskar Roehler versammelt in seiner aufwendigen Adaption des gleichnamigen Skandalromans von Michel Houellebecq die Crème de la Crème deutscher Schauspielkunst auf der Leinwand. Obwohl die Berlinale 2006 erst in der zweiten Februarwoche startet, wird "Elementarteilchen" bereits zu den Aspiranten für einen Bär gezählt.
Von  Thorsten Krüger/Komm & Sieh,  5.02.2006
Martina Gedeck

Constantin Film

Produzent Bernd Eichinger ("Der Untergang") schöpfte nach langen Verhandlungen um die Rechte wahrlich aus dem Vollen, als es daran ging, den skandalös freizügigen Erfolgsroman des französischen Intellektuellen Michel Houellebecq in Berlin und Irland zu realisieren. Unter dem vor allem bei Cineasten beliebten Regieschwergewicht Oskar Roehler ("Die Unberührbare") versammelt sich ein illustres Ensemble. Mit Moritz Bleibtreu, Christian Ulmen, Martina Gedeck, Franka Potente, Nina Hoss, Uwe Ochsenknecht, Corinna Harfouch, Annett Renneberg, Jasmin Tabatabai, Michael Gwisdek, Herbert Knaup, Sophie Rois und Tom Schilling konnte Roehler auf eine prominente Darstellerriege zurückgreifen.

Die Handlung siedelt im heutigen Berlin, wo zwei von Grund auf verschiedene Halbbrüder Ende 30, Söhne einer Hippie-Mom, ein konträres Leben führen, das ihnen am Ende doch die gleichen Probleme aufbürdet. Da ist zunächst der introvertierte, gefühlsarme Michael Djerzinski (Christian Ulmen) zu nennen, der den Sex gegen die Forschung am Genom eingetauscht hat. Er möchte seine Arbeit zu Ende führen, um die Fortpflanzung der Menschheit unter Ausschluss der Sexualität zu ermöglichen. Als er seine Jugendliebe Annabelle (Franka Potente) trifft, beginnt eine zarte Romanze.


Regisseur Oskar Roehler

Constantin Film

Sein hedonistischer Halbbruder Bruno Klement (Moritz Bleibtreu) unterrichtet an einer Oberschule Literatur, ist ein sexuell schier unersättlicher Bordellbesucher und am Ende einer Ehe. Angewidert über seine Unersättlichkeit begibt er sich zur Heilung in die Psychiatrie und lernt in einem Nudistencamp sein weibliches Gegenstück Christiane (Martina Gedeck) kennen und lieben.

An Tragik und Leiden mangelt es nicht: Beide Brüder blicken auf eine krisengebeutelte bis verkrachte Existenz zurück, erinnern sich am Sterbebett der Mutter (Nina Hoss) an ihren traumatischen Werdegang, finden die Liebe ihres Lebens und drohen sie sogleich wieder zu verlieren. Denn Annabelle und Christiane erkranken unheilbar. Glück ist keine Option im notorisch deprimierten Universum Houellebecqs, in dem sich vorwiegend vereinsamte Sexsüchtige zum Zwecke der Kulturkritik am dekadenten Abendland tummeln.

Roehler, bekannt für schwere Stoffe, hat mit der Sexualneurosensatire "Suck My Dick" und der Brudertravestie "Agnes und seine Brüder" um die unterschiedlichen Wege von Geschwistern zwei Vorarbeiten abgeliefert, die bereits im Geiste des Franzosen standen und sich somit als Experte empfohlen. Zumal Houellebeqcs provokanter Stoff um den Untergang der bindungsunfähigen Single-Gesellschaft für ein möglichst breites Publikum umgesetzt werden musste. Denn Erfolg braucht der 5,7 Mio Euro teure Film, dessen Budget - gemessen am bundesdeutschen Durchschnitt - an der finanziellen Obergrenze liegt. "Elementarteilchen" feiert seine Premiere im diesjährigen Berlinale-Wettbewerb. Er gilt neben Hans-Christian Schmids "Requiem" als Speerspitze einer ganzen Woge neuer deutscher Filme und hat gute Chancen auf den Goldenen Bären.
Von  Thorsten Krüger/Komm & Sieh,  5.02.2006

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