Feature zu Film: Kann jeder in Mollys Fußstapfen treten? | FILMREPORTER.de
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Molly's Game - Alles auf eine Karte
Poker - Zwischen Glück und Pech

Kann jeder in Mollys Fußstapfen treten?

So manch einer glaubt beim Stichwort Poker, man bewege sich mit dem populären Kartenspiel am Rande der Illegalität. Poker würden nur gut Betuchte in zwielichtigen Hinterzimmern von Hotels und Nachtclubs spielen. So mancher Reiche und Promi führe ein Doppelleben. Auch der Film "Molly's Game - Alles auf eine Karte" hat dieses Poker-Klischee gezeichnet. In Wahrheit sind illegale Spiele nur ein kleiner Bereich der Szene. Poker lässt sich durchaus auch ganz legal spielen. Dabei sollte man aber auf eines besonders achten, bevor man mit Geldeinsätzen Poker spielt: erst einmal die Poker Regeln lernen!
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de, 22. Mai 2018

Jessica Chastain als Molly Bloom in "Molly's Game - Alles auf eine Karte"

Jessica Chastain als Molly Bloom in "Molly's Game - Alles auf eine Karte"

Von Hinterzimmern auf die Leinwand
Wenn man "Molly's Game - Alles auf eine Karte" im Kino sieht, ist man schon verblüfft vom Leben der Molly Bloom. Noch verblüffter ist man, wenn man weiß, der Film auf einer wahren Geschichte basiert. Alles sieht zunächst danach aus, als ob aus der US-Amerikanerin eine erfolgreiche Ski-Sportlerin werden könnte. Wie ihr jüngerer Bruder Jeremy, der Weltmeister im Freestyle Skispringen ist, bevor er sich - ebenfalls recht erfolgreich - dem professionellen American Football zuwendet. Doch ein Unfall im Zuge der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele beendet die Karriere der Sportlerin frühzeitig. Bloom sattelt um. Was die Sportwelt verliert, wird ein Gewinn für die Pokerwelt. Die junge Frau organisiert bald illustre Pokerrunden.

Ihr neuer Beruf führt Bloom schnell in die Illegalität. Die von ihr veranstalteten Poker-Abende in und um Los Angeles, später auch in New York finden in den Hinterzimmern von Hotels und Nachtclubs statt. Millionen Dollar wechseln bei den Partien die Besitzer. Einen Teil davon sackt Bloom ein, was das Interesse der Finanz- und Gesetzesbehörden an den Pokerrunden und deren Veranstalterin weckt. Es kommt, was kommen muss. Bloom wird verhaftet und wegen illegalen Sportwetten und Geldwäsche verurteilt. Doch sie hat Glück im Unglück. Das Strafmaß fällt geringer aus, als von der Anklage gefordert. Sie bekommt ein Jahr auf Bewährung sowie 1.000 Dollar Strafe aufgedrückt und muss zudem 200 Sozialstunden leisten.

Ein Stoff wie geschaffen für die Leinwand? Und wie! Zumal Blooms Lebensweg von einer talentierten Sportlerin hin zu einer begnadeten Strippenzieherin in der Glücksspielwelt auch mit exzessivem Drogenkonsum und einer filmreifen Verstrickung mit der Mafia einhergeht. Klar, dass ihr schillerndes Leben verfilmt wird. Regie führt Aaron Sorkin, ein begnadeter Drehbuchautor, der mit dem Stoff sein Regiedebüt vorlegt. "Molly's Game - Alles auf eine Karte", so der Titel der hochgelobten Filmbiographie, basiert auf Blooms gleichnamigen Memoiren und zeigt Jessica Chastain in der Titelrolle.

Molly Bloom nutzt Mitte der 2000er Jahre die Gunst der Stunde. Das bis dahin vor allem in den USA populäre Kartenspiel erlebt im neuen Jahrtausend einen weltweiten Hype. Begünstigt durch das Agentenspektakel "James Bond: Casino Royale", sicher aber vor allem durch den Siegeszug des Internets, wo immer mehr Poker-Seiten erfolgreich lanciert werden, wird das Glücksspiel ein globales Massenphänomen. Poker wird zum Volkssport, gespielt wird in privater Runde mit Freunden oder im virtuellen Raum mit anonymen Avataren. Auch das Fernsehen erkennt den Trend und zeigt zu besten Sendezeiten Poker-Spiele. Stars aus allen Branchen lassen sich gerne von Stefan Raab und Co. einladen, um vor laufender Kamera ihr Poker-Face aufzusetzen, ihr Glück herauszufordern und ihr analytisches Denken unter Beweis zu stellen.

Regisseur und Drehbuchautor Aaron Sorkin am Set von "Molly's Game - Alles auf eine Karte"

Regisseur und Drehbuchautor Aaron Sorkin am Set von "Molly's Game - Alles auf eine Karte"

Hollywoodstars im Poker-Fieber
Auch und besonders beliebt ist Poker in jener Gesellschaftsschicht, die im Geld schwimmt, ihrer Leidenschaft fürs Glücksspiel jedoch nicht in aller Öffentlichkeit frönen will. Sie sind reich und mächtig, es sind Unternehmer, Anwälte und Hollywoodstars. Ja, auch die Hollywoodstars geben sich bei diskreten Poker-Abenden gerne die Klinke in die Hand. Viele von ihnen sind keineswegs nur Spieler aus Spaß. Ihr Poker-Niveau ist hoch, ebenso wie ihre Einsätze. Matt Damon und Ben Affleck bezeichnen manche gar als Profis. Aber auch Leonardo DiCaprio und Brad Pitt versuchen hier und da schon mal ihr Glück beim Kartenspiel.

Der berüchtigtste unter den Poker spielenden Hollywoodstars dürfte aber Tobey Maguire sein. Der "Spider-Man"-Darsteller taucht so tief und an falscher Stelle in die Welt der Pokerspiele ein, dass gegen ihn im Jahr 2011 sogar Anklage erhoben wird. Der Schauspieler steht auch am Anfang von Molly Blooms 'Poker-Karriere'. Angeblich kontaktiert er einen der Besitzer des legendären Nachtclubs Viper Room in West Hollywood für diskrete Spiele im Keller des Clubs. Bloom arbeitet hier als Kellnerin und serviert den Spielern Cocktails. Bis zu 3.000 Dollar bekommt sie an einem einzigen Abend Trinkgeld. Die junge Frau leckt Blut, die Pläne eines bürgerlichen Lebens wirft sie bald über Bord. Es ist der Beginn eines wilden Lebensabschnitts, der Hollywood einen packenden Stoff liefern wird.

Poker-Regeln lernen
Doch einem Missverständnis sollte man nach all dem Gesagten nicht in die Falle gehen. Nein, Poker steht nicht zwangsläufig für Hinterzimmer-Spiele mit berühmten Menschen und riesigen Geldsummen. Das mag in den USA hier und da vorkommen, auch wird dieses Bild gerne in Hollywood-Filmen kolportiert. Mit der Wirklichkeit - vor allem im deutschsprachigen Raum - hat das wenig zu tun. Das Casinogeschäft ist hinlänglich reguliert, so dass Zocker sowohl online als auch vor Ort sich vor finsteren Machenschaften schützen können. In jedem Fall sollte man sich mit den Poker Regeln vertraut machen. Auf dem Spiel steht schließlich nicht nur das eingesetzte Geld, sondern auch das eine oder andere Fettnäpfchen.
Willy Flemmer, Filmreporter.de - 22. Mai 2018

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