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Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer (Missing Link, 2019)

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Melange aus Stop-Motion und klassischem Trickfilmfilm

Auf der Suche nach dem Missing Link

"Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer" ist ein Stop-Motion-Film von Laika Entertainment Darin erzählt Chris Butler kurzweilig von den Abenteuern eines Forschers und eines Missing-Links zwischen Mensch und Affe.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  25.05.2019

Forscher Sir Lionel Frost

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Wo sind die Artgenossen des Missing Link?

Mythenforscher Sir Lionel Frost (im Original gesprochen von Hugh Jackman, in der deutschen Fassung von Christoph Maria Herbst) ist ein getriebener Ehrgeizling. Als großer Abenteurer will er in die Geschichte eingehen. Außerdem möchte er von seinen Wissenschaftskollegen endlich anerkannt werden. Mit seiner letzten Mission hat er das leider nicht erreicht. Und das obwohl ihm gelungen ist, das mythenumwobene Ungeheuer von Loch Ness auf Foto festzuhalten. Eine weitere Gelegenheit bietet sich ihm mit seinem nächsten, dem ambitioniertesten Vorhaben seiner Karriere. Er will die Existenz jener Spezies nachweisen, die in den Köpfen der Menschen mal als Yeti, mal als Big Foot herumspukt. Dieses mysteriöse Wesen ist die Schnittstelle zwischen Affe und Mensch, der sogenannte Missing Link. Er glaubt es in den Tiefen des Dschungels finden zu können.

Also macht sich Frost auf die Reise, und schneller, als gedacht, entdeckt er die gesuchte Kreatur. Mister Link (Zach Galifianakis, Bastian Pastewka), wie Frost sie in anspielungsreicher Weise bald tauft, ist alles andere als eine wilde Bestie, wie man meinte könnte. Nein, das haarige Wesen mit den Riesenlatschen hat unter seinem weichen Fell einen ebensoweichen Kern. Mister Link fühlt sich einsam und verloren in der großen weiten Welt. Er möchte endlich seine Artgenossen finden. Frost ist entschlossen, ihm zu helfen. Zusammen mit Adelina Fortnight (Zoë Saldaña, Collien Ulmen-Fernandes), der einstigen Geliebten des Forschers, machen sie sich auf Richtung Himalaya, wo sie Mister Links Artverwandten vermuten.


Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer (Missing Link, 2019)

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Sorgfältige Figurenzeichnung

"Mister Link - Ein fellig verrücktes Abenteuer", eine Mischung aus Stop-Motion und Trickfilmfilm aus dem Hause Laika Entertainment ("Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche", "Kubo - Der tapfere Samurai", "ParaNorman"), zeichnet sich durch seine sorgfältige Figurenzeichnung aus. Der Wunsch des Titelhelden nach Gemeinschaft und Geborgenheit sorgen zudem für die emotionalen Momente des Films. Und sie bringen seine Botschaft auf den Punkt. Ob Affe, Mensch oder was auch immer dazwischen liegt: Die Abneigung gegen Einsamkeit und Alleinsein und die Sehnsucht nach sozialem Leben eint alle Spezies.

Aus den Eigenschaften und Eigenheiten vor allem dieses Charakters resultiert auch der Humor, der sich vor allem aus Kontrasten speist. Mister Link ist ganz und gar nicht die wilde Bestie, die Frost und der Zuschauer erwartet haben, er ist gutmütig und zart besaitet. Er brüllt und tobt nicht, er ist ein Schwätzer, der sich vornehm und eloquent verbal aber auch schriftlich ausdrücken kann. Durch seine Naivität hat die Komik oft die gleiche Mechanik wie die der Clownerie. Mister Link nimmt immer alles wörtlich. Wenn er ein Seil über die Mauer werfen soll, dann wirft er natürlich das ganze Seil. Wenn er ein Fenster öffnen muss, dann wirft er eben einen Stein in die Scheibe.


Eigentlich wirkt Mister Link doch sehr gesittet

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Unerschütterliche Hüterin der Moral

Durch die Begegnung mit Frost prallen Welten aufeinander. Ein Clash der Kulturen - noch so ein Gegensatz. Der Forscher ist charismatisch, sonderlich sympathisch ist er anfangs jedoch nicht. Er muss erst noch ein moralischer, selbstlos denkender und handelnder Mensch werden. Dass er das am Ende auch werden wird, ist kein Spoiler, das verlangen die Regeln des Animationsfilms und des Mainstreamfilms im Allgemeinen. Dass er das durch die Anleitung einer Frau wird, ist dagegen enttäuschend. Denn der Einfall ist der aktuell besonders virulenten Idee von der Gleichberechtigung der Geschlechter eher abträglich. Regisseur und Drehbuchautor Chris Butler ("Coraline") stellt die Frau auf den Sockel der Moral. Als unerschütterliche Hüterin gesellschaftlicher Werte führt sie den verirrten Mann zurück auf den Pfad der Tugend. Das Bild einer engelsgleichen Frau - das sieht ganz nach Projektionsfläche aus.

Mit Politik hat "Mister Link" ansonsten wenig am Hut. An erster Stelle steht die Unterhaltung, und hiervon hat Butler reichlich zu bieten. Die Reise seiner Helden ist ihm nicht nur Vorwand, um zahlreiche Abenteuer und die eine oder andere Slapstick-Einlage vom Stapel zu lassen. Sie führt die Figuren und damit den Zuschauer auch zu so manchen zivilisatorischen und natürlichen Schauplätzen - angefangen mit den englischen Metropolen des 19. Jahrhunderts über das orientalische Indien bis hin zur eisig-poetischen Berglandschaf des Himalaya.


Pssst, hier kommt Mister Link

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Entschleunigt: Hier kommen auch die Kinder mit

Auch so manche Perle einer filmkulturellen Anspielung hängt an der Schnur der Abenteuerreise. Einmal landen die Helden in einer Bar, die an einen Wildwest-Saloon erinnert. Natürlich kommt es hier zu einer wilden Schlägerei, bei der selbstverständlich - man kennt das aus vielen Westernfilmen - etliche Tische, Stühle und Flaschen zu Bruch gehen. Drahtzieher des Ganzen ist ein Schurke, dem Butler, der auch für das Charakterdesign zuständig war, die Physiognomie Lee van Cleefs verpasst hat. Das ist der Schauspieler, der in etlichen Filmen, auch Westernfilmen den Bösen spielte.

War's das schon von "Mister Link"? Stimmt, sonderlich viel ist das nicht, aber auch nicht weniger, als das Gros des Animationsfilm-Genres zu bieten hat. Allenfalls das halsbrecherische Tempo dürfte hier fehlen, das viele Genrebeiträge, allen voran die der Disney-Tochter Pixar gerne entfesseln. Damit ist Butlers Film angenehmerweise aber auch frei von der unsympathischen Selbstverliebtheit, des Prätentiösen und vor allem: der Ignoranz moderner Animationsfilmemacher gegenüber jener Zuschauergruppe, die doch ursprünglich die primäre war. Bei Mister Link dürfen auch Kinder herzlich lachen. Das ist doch schon einiges.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  25.05.2019

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