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Pocahontas - Special Edition

Walt Disney Home Entertainment

Des Königs schönste Tochter
Die fünf beliebtesten Disney-Prinzessinnen
Märchen erfreuen sich mehr denn je einer großen Beliebtheit. Zu verdanken ist das auch dem Unterhaltungskonzern Disney, der unermüdlich Märchenstoffe verfilmt und in seinen Themenparks populär hält. Wenn seine Macher Geschichten und Figuren nicht bei berühmten literarischen Märchen finden, dann legen sie die früheren Disney-Erfolge eben neu auf. Realfilm-Remakes von seinen Zeichentrick-Klassikern sind der aktuelle Trend. Besonders populär sind bis heute auch Filme, in denen Prinzessinnen im Mittelpunkt stehen. Wir lassen fünf Geschichten und ihre Heldinnen hier noch einmal Revue passieren.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  14.10.2019
Arielle, die Meerjungfrau

Walt Disney

Wünsche und Sehnsüchte kleiner Märchenfreunde

Prinzessinnen gehören neben den Prinzen zu den Lichtgestalten des Märchens. Das ist nicht von ungefähr so. Prinzessinnen und Prinzen sind perfekte Identifikationsfiguren, eignen sie sich doch bestens als Projektionsfläche für die Wünsche und Sehnsüchte der kleinen Märchenleser. Sie sind zudem ideale Werte-Botschafter. Das hat auch Märchenschmied Disney erkannt. Vor allem an den schönen Königstöchtern fand der Unterhaltungskonzern früh Gefallen. Deshalb adaptierte er nicht nur die populärsten Prinzessinnen-Märchen für die Leinwand. Er baut auch zunehmend einen Kult um die schönen Königstöchter auf. Es entsteht so manches Franchise um die Filme und Figuren Disneys, die alle mindestens eine Idee eint: Mit Puppen und Spielzeugfiguren, als Prinzessin verkleidet, geschminkt und mit zahllosen mit Prinzessinnen-Motiven verzierten Merchandise-Produkten sollen die Kleinen jederzeit auch abseits der Filme und Fernsehserien in Märchenwelten eintauchen.


Dornröschen (1959)

Walt Disney

'Disneys Prinzessinnen'

Natürlich stecken hinter Disneys Franchise-Bestreben nicht nur ideelle Motive. Der Märchenschmied ist auch ein Wirtschaftskonzern, der Geld verdienen muss. Auch deshalb beschließt Disney Ende der 1990er Jahre, die populärsten Prinzessinnen seiner erfolgreichsten Zeichentrickfilme im Rahmen einer film-, kino- und fernsehübergreifenden Werbekampagne zu vermarkten. Das Ergebnis ist das Franchise 'Disney-Prinzessinnen', das inzwischen elf Königstöchter aus zehn Disney- und einem Pixar-Film umfasst. Dazu gehören Schneewittchen, Aschenputtel, Aurora (aus "Dornröschen"), Arielle, Belle (aus "Die Schöne und das Biest"), Jasmin (aus "Aladdin"), Pocahontas, Mulan, Tiana (aus "Küss den Frosch"), Rapunzel und Merida. Nicht dazu gehören Elsa und Anna aus "Die Eiskönigin". Diese Prinzessinnen sind auf der Leinwand und in den Kinderstuben so beliebt, dass Disney für sie einen eigenes Franchise errichtet.

Aparte Prinzessinnen sind sie alle - im vorliegenden Text soll es aber nur um fünf von ihnen gehen. Unser Kanon hat weder die Qualität der Filme als Maßstab noch die Popularität der jeweiligen Prinzessin. Erst recht geht es nicht um deren Schönheit, denn die liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Das Auswahlkriterium ist vielmehr die Diversität - und zwar sowohl hinsichtlich der literarischen Vorlage als auch des ethnisch-kulturellen Hintergrund des Charakters. Unsere fünf Prinzessinnen sind demnach die beiden Brüder Grimm-Figuren Schneewittchen und Aurora, ferner Belle aus dem französischen Volksmärchen "Die Schöne und das Biest", die auf einer chinesischen Legende basierende Kriegsheldin Mulan und schließlich die legendäre Indianerhäuptlingstochter Pocahontas.


Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937)

Walt Disney Studios Motion Pictures

Schneewittchen und die sieben Zwerge

Für manche ist "Schneewittchen und die sieben Zwerge" der schönste Disney-Film überhaupt, für andere der bedeutendste. Sicher ist: Es ist Thema des ersten Zeichentrick-Spielfilms des Unterhaltungskonzerns überhaupt. Geistige Vorlage des Zeichentrickklassikers ist das gleichnamige Märchen der Brüder Grimm aus deren Märchensammlung "Kinder und Hausmärchen". Die Handlungspfeiler finden sich auch bei Disney wieder. Schneewittchen ist schön, sie hat eine schneeweiße Haut und blutrote Lippen. Deswegen hat sie in ihrer Stiefmutter und Königin eine skrupellose Neiderin. Die rast vor Eifersucht und will Schneewittchen umbringen. Ein vergifteter Apfel dient ihr nur als eines von mehreren Mordwerkzeugen. Die Tote ist jedoch nicht wirklich tot. Gerade als ihre Freunde, die sieben Zwerge, sie bestatten wollen, taucht ein Prinz auf. Und wo ein Prinz ist, da ist auch ein Kuss nicht weit. Der Schöne küsst die Schöne und schon ist Schneewittchen wieder quicklebendig. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute. Na ja, die Geschichte geht noch etwas weiter aber pst, das verraten wir hier nicht.

Dornröschen
Auch Disneys "Dornröschen" findet sich zwar in der Märchensammlung der Brüder Grimm. Das Original stammt jedoch von dem Franzosen Charles Perrault, bei dem das Dornröschen "Die schlafende Schöne im Wald" ist. Hier wie da und auch in Disney Spielfilm will ein böses weibliches Wesen der Prinzessin nicht das Glück gönnen. Bei Perrault und den Grimms kommt das Böse in Gestalt einer düsteren Feen daher, bei Disney führt die böse Malefiz Böses im Schilde. Sie belegt Aurora, so heißt Dornröschen im Zeichentrickfilm, mit einem Fluch. Die Folge: Prinzessin und der ganze Hofstaat fallen in einen tiefen Schlaf. Das Ende der Geschichte ist das aber nicht. Denn es reitet jemand durch Dorn und Wind, um zu retten das schöne Kind. Er nennt sich Phillip und ist - ein Prinz. Er weckt die Schlafende mit einem zarten Kuss. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute.


Die Schöne und das Biest (3D-Diamond Edition)

Walt Disney Studios

Die Schöne und das Biest

"Die Schöne und das Biest" gehört zu den erfolgreichsten und langlebigsten Märchen überhaupt. Den Stoff liefert ein französisches Volksmärchen. Die erste Niederschrift stammt von der Französin Gabrielle-Suzanne de Villeneuve, noch populärer wird die 1956 veröffentlichte Fassung von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont. Es entstehen etliche Adaptionen in der bildenden Kunst, Literatur, Oper, Theater und Film. Von Disney gibt es zwei Fassungen, einen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1991 und 2017ein Realfilm. Die Handlung hier wie dort liest sich so: Belle opfert für ihren geliebten Vater ihre Freiheit. Sie begibt sich freiwillig in die Gefangenschaft eines Biests. Das wilde Tier wird ihr nichts zuleide tun, denn hinter dem furchteinflößenden Äußeren verbirgt sich ein verzauberter Prinz.

Mulan
Es müssen nicht immer Perrault und die Brüder Grimm sein. Den Stoff für den Zeichentrickfilm "Mulan" findet Disney in einem ebenso alten wie bekannten chinesischen Volksgedicht. Es kreist um eine Heldin namens Hua Mulan, die es wohl wirklich gegeben hat. Allerdings gehen die Meinungen über die genaue Identität Mulans weit auseinander. Bei Disneya Verfilmung der Ballade hat Mulan den Vornamen Fa. Das Grundgerüst der Handlung belassen die Zeichentrick-Macher bei. Ein Krieg bricht aus, die chinesischen Männer greifen zur Waffe. Weil Mulans kranker Vater nicht kriegstauglich ist, meldet sie sich an seiner Stelle zum Dienst an der Waffe. Sie schneidet sich die Haare kurz und verbirgt alles Mädchenhafte unter ihrer Uniform. Im Krieg wird sie zur Heldin. Am Ende findet sie endlich auch das Familien- und Liebesglück.

Pocahontas
Auch Disneys "Pocahontas" liegt die Legende einer historisch belegten Persönlichkeit zugrunde. Die echte Pocahontas lebt von 1595 bis 1617. Sie wird als Tochter eines Indianerhäuptlings geboren und stirbt kaum 22-jährig nahe London als Gattin eines Engländers. Irgendwo dazwischen gibt es die Begegnung mit dem englischen Abenteurer John Smith, dem die mutige Häuptlingstochter angeblich das Leben rettet. Bei Disney fällt Pocahontas Liebe woanders hin. Anders als in den Geschichtsbüchern wird sie nicht die Frau eines Tabakpflanzers, sie verliebt sich vielmehr in John Smith. Und: Pocahontas ist laut Disney eine Vermittlerin zwischen den Kulturen. Die europäischen Eindringlinge in die neue Welt lernen in Gestalt Smiths und dank Pocahontas die Natur und die Kultur der Indianer schätzen. Das ist das Happy End, die Liebe zwischen Pocahontas und John bleibt dagegen offen. Als John am Ende nach London zurückkehren muss, bleibt Pocahontas zurück. In den Köpfen und Herzen der Zuschauer wird die Geschichte aber zu Ende erzählt. Dort lieben sie sich weiter - sofern sie nicht gestorben sind.
Von  Willy Flemmer, Filmreporter.de,  14.10.2019

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