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Feature

Stirb Langsam 2
20th Century Fox

Und dann hat's Peng gemacht

Die spannendsten Russisch Roulette Szenen der Filmgeschichte
Jetzt nur keine Angst zeigen. Obwohl das Herz im Rekordtempo pocht und das Blut durch die Schläfen jagt. Mit starren Augen blickt der kleine Gangster auf die Pistole vor seiner Nase. Dann drückt sein Gegenüber ab. Doch es ist kein Projektil im Lauf. Die Warnung ist dennoch angekommen. Noch ein Fehler und ...
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  21. Januar 2020
Bruce Willis
Jean-François Martin/Ricore Text
Bruce Willis

Stirb langsam 2

Mit dieser kurzen Episode führt Renny Harlin den skrupellosen Colonel Stuart (William Sadler) in "Stirb langsam 2" ein. Mit einer Truppe Söldner legt dieser die Energieversorgung und die Kommunikationsleitungen des verschneiten Washingtoner Flughafens am Abend vor Weihnachten lahm, um den südamerikanischen Diktator General Ramon Esperanza (Franco Nero) freizupressen. John McClane (Bruce Willis) macht ihnen in dem Action-Drama, der lange zum Festtagsprogramm deutscher Fernsehsender gehört, einen Strich durch die Rechnung. Er schöpfte Verdacht, als sich zwei mysteriöse Männer zur Gepäckverladestation schleichen. In der wilden Schießerei wird einer getötet. Der zweite kehrt in die Kommandozentrale der militärisch ausgebildeten Truppe zurück. Auf seine Hiobsbotschaft antwortet Stuart mit seiner Russisch-Roulette-Einlage. Über das Thema schreibt auch besteonlinecasinos.com in einem Feature.

Das Spiel mit dem Tod wird seit Jahrzehnten in zahllosen Filmplots eingesetzt, um rücksichtslose Gangster einzuführen oder die Spannung bis zum Äußersten zu treiben. Als einer der ersten Künstler beschreibt 1840 der russische Dichter und Offizier Michail Lermontow in seinem Roman "Ein Held unserer Zeit" solch ein Spiel mit dem Tod. Er lässt den serbischen Leutnant Vulich nach einer Wette das Schicksal herausfordern. Aus einem Stapel Pistolen wählt er eine nach der anderen aus, hält sie sich an die Schläfe und hofft innerlich, dass sie nicht geladen ist.


Die durch die Hölle gehen ("The Deer Hunter", 1978)
Weltkino Filmverleih
Die durch die Hölle gehen ("The Deer Hunter", 1978)

Literarische und historische Wurzeln

Ein Jahr später findet Lermontow bei einem Duell den Tod, für das exzentrische Verhalten Vulichs bürgert sich der Begriff Russisches Roulette ein. Hartnäckig hält sich die Legende, russische Offiziere hätten das Spiel erfunden, um sich die Langeweile zu vertreiben. Der Begriff Russisches Roulette fällt erstmals 1937 in der Kurzgeschichte "Russian Roulette" des Schweizer Autors Georges Surdez, die im amerikanischen Wochenmagazin "Collier's" erscheint.

Die Regel des Duells, das nur mit einem Revolver gespielt werden kann, ist einfach. Ein Trommelrevolver wird nur mit einer Kugel geladen und anschließend geräuschvoll gedreht. Keiner weiß, ob die Kugel im Lauf ist und der Getroffene überlebt. Seine Chance liegt bei eins zu sechs.

Auch im Film wird das Stilmittel gerne eingesetzt. Die umstrittensten Szenen inszeniert Michael Cimino in seinem Antikriegsfilm "Die durch die Hölle gehen", der 1980 mit fünf Oscars ausgezeichnet wird. Er begleitet die drei russischstämmigen Stahlarbeiter Michael (Robert De Niro), Nick (Christopher Walken) und Steven (John Savage) in die Hölle des Vietnam-Krieges. Sie geraten in Gefangenschaft des Vietcongs, der sie in Käfige sperrt, die in einem Fluss stehen. Das Wasser reicht den Amerikanern bis zum Mund. Ständig leben sie in der Angst zu ertrinken.

Die Aufseher machen sich einen Spaß daraus, sie Russisches Roulette spielen zu lassen. Wie beim Flaschendrehen entscheidet ein auf dem Tisch kreiselnder Revolver, wer abdrücken muss. In der Waffe steckt stets mehr als eine Patrone, was die Chance erhöht, zum Opfer zu werden. Michael trifft es als ersten, mit einem Schrei drückt er ab. Mit Ohrfeigen, unmissverständlich auf ihn gerichteten Waffen und einer Prügelattacke auf Michael zwingen die Vietnamesen dann den angsterfüllten und zögernden Nick abzudrücken. Der Lauf ist leer, ein Lachen kommt nur mühsam über seine Lippen. Die Bewacher brechen in schallendes Gelächter aus. Ihre Unaufmerksamkeit ist Michaels Chance. Er schnappt sich eine Waffe und greift die Wächter an.


13 Tzameti
Alamode Film
13 Tzameti

George Babluani gleich zweimal im Kino

Die grausamen Szenen führten zum Boykott der Berlinale 1979 durch die sowjetische Delegation, im gesamten Ostblock kommt das Werk nicht in die Kinos. Obwohl der Film die Traumatisierungen durch den Krieg und die Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft unmissverständlich aufzeigt. Cimino führt gegen Ende seines dreistündigen Epos nach Saigon, wo der traumatisierte Nick in einem Casino freiwillig Russisches Roulette spielt. Als Michael ihn dort nach langer Suche findet, erkennt ihn der alte Freund nicht. Michael setzt sein letztes Geld auf Nick. Doch als in die Erinnerungen an die Heimat in ihm wieder hochkommen, trifft ihn die tödliche Kugel.

Der französisch-georgische Géla Babluani beschreibt sogar zweimal ein Russisch-Roulette-Turnier. In seinem in klassischem schwarzweiß gedrehten Thriller "13 Tzameti" schickt er 2005 George Babluani als einfachen Arbeiter Sébastien in ein abgelegenes Waldhaus. Sébastien findet sich dort unvermittelt in einem Kreis von zwölf weiteren Männern wider, die Teil eines perfiden Spiels sind. Jeder von ihnen bekommt einen mit nur einer Kugel geladenen Revolver und soll auf den neben ihm stehenden Mann schießen. Der Organisator und seine Freunde wetten derweil, wer die Schießerei zufällig überlebt. 850.000 Euro Preisgeld winken dem Sieger. Sébastien überlebt, wird aber auf dem Weg nach Hause selbst Opfer eines Mordes.

2010 inszeniert Géla Babluani selbst das Hollywood Remake "13" mit Sam Riley, Mickey Rourke und Jason Statham. Die Spielregeln werden leicht verändert. Die 13 Kandidaten müssen sich mehrmals im Kreis aufstellen und beim Aufleuchten einer Lampe auf den Kopf ihres Vordermannes schießen. Schweißgebadet lassen sie die Kugeln im Revolver rotieren, mit einem Klicken laden sie die tödlichen Waffen. Angstvoll blickt sich Außenseiter Vince um, ob er im falschen Film gelandet ist. Die Nerven aller sind bis zum Zerreißen gespannt, keiner darf zu früh schießen. Auf Kommando drücken sie ab, einige der Männer sacken zu Boden. Doch die Freude von Vince Vordermann ist zu früh, der Newcomer hat nicht abgedrückt. Mit vorgehaltener Waffe zwingen ihn die Organisatoren erneut zu zielen.

Vince hat Glück, er ist einer der fünf Überlebenden. Im Finale muss er gegen Ronald Lynn Bagges antreten, der bereits die drei vorherigen Finals gewonnen hat. Vince hat wieder Glück. Er erschießt Ronald und bekommt seinen Anteil von 1,85 Millionen US-Dollar ausgezahlt.


Arizona Dream
Universal
Arizona Dream

Jetzt kommen die Damen

Russisches Roulette ist zunächst Männersache. Erst Anfang der 1990er mischen die ersten Frauen mit. In Emir Kusturicas Abgesang auf den amerikanischen Traum in "Arizona Dream" spielen die Teenager Grace (Lili Taylor) und Axel (Johnny Depp) russisches Roulette. Nachdem Axel mehrmals abdrückt, ohne dass sich ein Schuss löst, entreißt ihm die entsetzte Grace die Waffe.

In "Leon - der Profi" erpresst die minderjährige Mathilda (Natalie Portman) mit der Drohung, sich zu erschießen Auftragskiller Leon (Jean Reno). Zuvor bietet sie ihm 20.000 Dollar, damit er den Mörder ihres Bruders (Gary Oldman) erschießt. Rache sei ein schlechter Ratgeber, bescheidet ihr Leon, und fordert sie auf, die Tat selbst zu begehen. Die verzweifelte Mathilda hält sich daraufhin eine Pistole an den Kopf. Bevor sie abdrücken kann, entreißt ihr Leon die Waffe. Ein Schuss geht los und trifft die Stehlampe.

Von der Szene existieren wie vom gesamten Film mehrere Fassungen, im Director's Cut ist sie 17 Sekunden länger als in der Kinofassung. Dem Schnitt durch Regisseur Luc Besson fallen neben etlichen Gewaltakten vor allem heikle Szenen zum Opfer, die den Film in den Verdacht hätten rücken können, pädophile Neigungen zu glorifizieren.

Ganz auf dem europäischen Index landete der 1970 vom chilenischen Regisseurs und Autor Alejandro Jodorowsky inszenierte mystische Western "El Topo". Er schickt seinen Helden durch ein von Gewalt gepeinigtes Land, in dem das Recht des Stärkeren gilt. Auch El Topo nimmt das Gesetz in die eigene Hand, er rächt die Einwohner eines Dorfes, das dem Erdboden gleichgemacht wurde. Unsterblichkeit erringt er durch die Begegnung mit seinen eigenen Dämonen in Menschengestalt.

Auf seinem Ritt durchs Land landet er auch in einer Stadt, deren Bewohner im Bann eines religiösen Kults leben. Der Priester beschwört die zur Messe versammelte Menge mit den Worten: "Wir müssen mit unserem Gott spielen. Der Tod ist unser Einsatz." Von der ergeben an seinen Lippen klebenden Gläubigen wird das Überleben jedes Einzelnen beim Russischen Roulette als Wunder und Zeichen Gottes gefeiert wird. Bis die vom Priester präparierte Pistole, in der sich keine Kugel befindet, durch eine geladene Waffe ausgetauscht wird und ein kleiner Junge zu Tode kommt.


Heinz Hoenig und Katharina Böhm in "Russisch Roulette"
ARD Degeto/Graf Film/Vadim Grischko
Heinz Hoenig und Katharina Böhm in "Russisch Roulette"

Tarantinos "Django Unchained"

Ebenfalls nach Südamerika führt "Die Schlucht der Wölfe", in Österreich als "Peruanisches Roulette" im Kino, von Francisco José Lombardi. Der Peruaner führt in die Wirren des Bürgerkriegs zwischen der Guerilla-Organisation Leuchtender Pfad und Regierungstruppen, in dem die Zivilbevölkerung von beiden Seiten drangsaliert wird. Als Oberleutnant Roca (Gustavo Bueno) ein Massaker an den Bewohnern eines Dorfes plant, lehnt sich Feldwebel Moncada gegen den Befehl auf und fordert seinen Vorgesetzten zum Duell heraus. Mit dessen Tod durch eine tödliche Kugel endet der Film.

In Deutschland versuchte sich Josef Vilsmaier an "Russisch Roulette", der Titel dient in seinem Fernsehzweiteiler aus dem Jahre 2011 aber nur als Metapher für die Überlebenschancen des achtjährigen Sohnes einer Deutschen, der in St. Peterburg entführt wird.

Die Liste der Filme mit tödlichen Duellen ließe sich endlos fortsetzen, so spielt auch Quentin Tarantino in "Django Unchained" mit der Ungewissheit, wessen Waffe geladen ist, wenn der deutsche Schultz (Christoph Waltz) und Django (Jamie Foxx) mit dem Plantagenbesitzer Calvin Candie (Leonardo di Caprio) um die Sklavin Broomhilda (Kerry Washington) feilschen. Doch nur in wenigen Filmen gibt das tödliche Spiel dem Geschehen die entscheidende Wende.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  21. Januar 2020

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