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Feature

Zurück in die Zukunft 1-3 - 30th Anniversary Trilogy (Steelbook)
Universal Pictures Germany (UPI)

Spielhallen im Film

Spiele-Arkaden erobern Hollywood
Biff Tannen (Thomas F. Wilson) gilt im zweiten Teil der "Zurück in die Zukunft"-Trilogie als größter Glückspilz aller Zeiten. Er kennt die Ergebnisse der Spiele der großen Sport-Profiligen und Pferderennen im Voraus. Er scheffelt Millionen und baut daraus das Firmenimperium Biffico auf. Sein Heimatstädtchen Hill Valley verwandelte er in ein Glücksspielparadies. Mit der Aussicht auf den Hauptgewinn an Pokertischen und einarmigen Banditen lockt er die Einwohner der verarmten Vierteln in sein Reich, um ihnen den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Das Vorbild für den gierigen Spieletycoon war nach Aussagen von Drehbuchautor Bob Gale der heutige US-Präsident Donald Trump.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  22. Juli 2020
Zurück in die Zukunft II (Back To The Future II, 1989)
Universal Pictures Germany (UPI)
Zurück in die Zukunft II (Back To The Future II, 1989)

1970er: Phänomen Spielhalle

Der Traum vom großen Gewinn im Casino bereichert die Filmgeschichte Hollywoods von Anfang an. Einen weiteren Farbtupfer setzen Mafia-Epen, in denen die kriminelle Unterwelt ihre Millionen an den Spieltischen der Casinos und einarmigen Banditen wäscht. In den 1970-er Jahren entstehen Spielhallen für Kinder und Jugendliche, sogenannte Games-Arcades. Hier gibt es statt Geldgewinne jugendfreundlicher nur Spielspaß. Im Casino gibt es zahlreiche Freispiele und andere Boni, die je nach den Bedingungen zu extra Gewinn führen können. Aber auch bei für Kinder tauglichen Games, können Bonusrunden für eine Verlängerung des Vergnügens sorgen. Spiele wie die Tischtennissimulation Pong oder die Weltraumshooter Space Invaders und Asteroids faszinieren die überwiegend jugendlichen Spieler trotz einfachster Grafik. Diese Arcaden werden schnell auch in Hollywood-Blockbustern thematisiert.

Biff Tannen lebt im zweiten Teil von Robert Zemeckis' kongenialem Dreiteiler "Zurück in die Zukunft" den Traum aller Spieler. Sein Großvater hat seinem Rivalen Marty Mc Fly (Michael J. Fox) und dem genialen Erfinder Doc Brown (Christopher Lloyd) nach einer Zeitreise ins Jahr 2015 einen Almanach mit den Sportergebnissen der Jahre 1950 bis 2000 geklaut, den er seinem verdutzten Enkel 1955 in die Hand drückt. Mit diesem Wissen veränderte der Filius die Realität zu seinen Gunsten. Im Jahr 1985, dem Ausgangspunkt der Zeitreisen von Marty McFly und Doc Brown, ist Martys Vater tot. Seine Mutter hat Biff geheiratet, den sie einst verschmähte. Und Marty selbst steht kurz vor einer kriminellen Karriere.


Wargames - Kriegsspiele
20th Century Fox
Wargames - Kriegsspiele

Atomwaffenkritischer Blockbuster: "Wargames - Kriegsspiele"

Zemeckis und Gale sind nicht die Ersten, die Arcade-Spiele in die Handlung ihrer Filme einbauen. Zwei Jahre vor dem Start des ersten "Zurück in die Zukunft"-Sci-Fi-Abenteuers feiert ein Film Premiere, der zu den umstrittensten Titeln rund um Videospiele zählt. In "Wargames - Kriegsspiele" lässt John Badham 1983 den Nerd David (Matthew Broderick) das Computerschutzschild des amerikanischen Atomwaffenarsenals hacken, womit er beinahe die Erde auslöscht. Im Westen löste der Film eine Diskussion um die Sicherheit von Atomwaffenarsenalen aus. Im Osten Europas wurde der Film gar verboten.

Es schien zu einfach, wie leicht sich David mit seinem IMSAI-Mikrocomputer statt in das System eines Spieleherstellers in das gut gesicherte Computersystem des US-Militärs einloggt. Der Computer WOPR (War Operation Plan Response), simuliert Kriegsszenarien und soll im Falle eines Angriffs den Faktor Mensch ausschalten, der den Befehl zum Einsatz von Atomwaffen womöglich nicht willenlos befolgen würde.

Da er sich in einem Kriegsspiel wähnt, übernimmt David die sowjetische Seite in der Simulation "Weltweiter Thermonuklearer Krieg". Er programmiert einen Erstschlag auf Las Vegas und seine Heimatstadt Seattle. Das System reagiert wie vorgesehen und bereitet den Gegenschlag der USA vor. Als die Befehlshaber der realen amerikanischen Armee den verhängnisvollen Vorfall bemerken, wollen die Sowjets natürlich nicht an einen Irrtum glauben. Die Amerikaner müssen den Computer hektisch umprogrammieren. Sein Entwickler, der KI-Spezialist Stephen Falken (John Wood), lässt WOPR so lange das traditionelle Strategiespiel Tic-Tac-Toe spielen, bis er die Sinnlosigkeit eines Atomkrieges kapiert hat und das System stoppt.


Arnold Schwarzenegger in: Terminator 3 - Rebellion der Maschinen
Sony Pictures
Arnold Schwarzenegger in: Terminator 3 - Rebellion der Maschinen

James Cameron erobert mit agressiven Androiden die Leinwand

In den Terminator-Filmen ist die Robotronik schon einen Schritt weiter. Die Terminatoren sind Androiden, eine Mischung aus Mensch und Maschine. Der T-1000 (u. a. gespielt von Robert Patrick) des zweiten Teils der Saga des Perfektionskönigs James Cameron besteht aus flüssigem Metall. Er kann seine Form beinahe beliebig verändern und die Gestalt jeder Person, die er einmal berührt hat, annehmen. Außerdem kann er seine Körperteile in Hieb- und Stichwaffen umformen.
BR>Bei seiner Mission steht er seinem Vorgängermodell, dem T-800 (Arnold Schwarzenegger) gegenüber. Der Cyborg reist wie Doc Brown und Marty Mc Fly in der Zeit zurück, um den jungen John Connor zu töten. Das Computerprogramm Skynet hat dem T-800 aber ein System implantiert, damit er ein eigenes Bewusstsein entwickeln kann. Als sich das rührt, entscheidet er sich den Jungen zu beschützen.

Cameron beschrieb in seinen Science-Fiction-Spektakeln fast prophetisch die Möglichkeiten des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz, aber auch die Gefahr ihres Missbrauchs und die Folgen, wenn sie sich über den Willen ihrer Schöpfer hinwegsetzen. Auf den weltweiten Kinoerfolg folgen unzählige Spielvarianten von Arcade und anderen Videospiel-Produzenten, in denen sich ein oder zwei Spieler mit den Maschinenmenschen messen.


Ralph reichts 3D
Walt Disney
Ralph reichts 3D

Spiel zum Film gehört zur Marketingstrategie

Mittlerweile gehört das Spiel zum Film zur Marketingstrategie vieler Hollywood-Blockbuster. Doch es geht auch umgekehrt, wie Randale Ralph beweist. In dem Animationsfilm "Ralph reichts" von Rich Moore aus dem Jahr 2012 hat die Spielfigur nach 30 Jahren seine Rolle als Bösewicht in dem 8-Bit-Arcade-Spiel "Fix-It Felix Jr." satt, weil ihm die Protagonisten anderer Spiele nach Abschalten seines Spielautomaten die kalte Schulter zeigen.

Ralph will deswegen beweisen, dass er mehr drauf hat. Dafür schmuggelt er sich in den Ego-Shooter "Hero's Duty". Versehentlich aktiviert er dabei etliche Viren, die alle Spiele infizieren und durcheinanderwirbeln. Als ihm das Chaos über den Kopf zu wachsen droht, hilft ihm die vorlaute Vanellope von Schweetz. Sie ist ebenso wie Ralph eine Außenseiterin, nämlich ein Glitch (Programmierfehler) aus dem Spiel "Sugar Rush". Bei dem kostenlosen virtuellen Spiel müssen die Spieler drei Zuckerzauberwürfel in einer Reihe platzieren.

Der CGI-Film spielt mit zahlreichen Zitaten zur Filmgeschichte und macht aus den Figuren bekannter Spiele liebenswerte Charaktere. Disney legt 2018 mit "Ralph reichts- Chaos im Netz" eine Fortsetzung nach. Diesmal müssen die ungleichen Freunde Vanellopes Existenz retten, denn ihr altes Spiel soll abgeschaltet werden.


Müssen die Welt retten: Tom Cruise und Emily Blunt in "Edge of Tomorrow 3D"
Warner Bros.
Müssen die Welt retten: Tom Cruise und Emily Blunt in "Edge of Tomorrow 3D"

Arcadespiel rettet die Welt

Einen ernsteren Ansatz, der an "War Games" erinnert, hat der Animationsfilm "Pixels" von Chris Columbus, der 2015 in die Kinos kommt. In ihm fordern Aliens die Menschheit zu drei Spielen heraus. Der Sieger darf den Heimatplaneten des anderen vernichten. Nachdem die Invasoren Guam angegriffen haben und das indische Taj Mahal in Lichtwürfel zerfallen ließen, starten sie als Videospiel getarnt den entscheidenden letzten Angriff.

Das Schicksal der Menschheit liegt nun in den Händen von Präsident Will Cooper und des Fernsehtechnikers Sam Brenner. Als Teenager hatten beide 1982 an der ersten Arcade-Weltmeisterschaft teilgenommen und das Finale im Spiel "Donkey Kong" gewonnen. Die NASA schickte einen Mitschnitt des Turniers ins All. Die Außerirdischen halten das Jump-'n'-Run-Videospiel, in dem der Spieler Jumpman drei Leben hat, um den Fallen des Donkey Kongs auszuweichen, für eine Herausforderung zum realen Schlagabtausch.

Das von Arcade für Spielhallen entwickelte Spiel wird vom Freizeitvergnügen zum potentiellen Auslöser eines Krieges. An den Kinokassen geht das Rezept auf. Der Film, in dem etliche Spieleklassiker aus den 1970er- und 1980ern zitiert werden und deren Figuren im Laufe der Handlung auftauchen, spielt das Doppelte seiner Produktions- und Marketingkosten ein. In "Pixels" können die Sieger des Jahres 1982 auf dem nächsten Level weiterspielen, um ihren damaligen Erfolg zu wiederholen.

Mit jedem Level steigt die Schwierigkeit, mit jedem Versuch wird der Spieler etwas schlauer. Auf diesem Grundprinzip von Videospielen baut der Action-Thriller "Edge of Tomorrow 3D" von Doug Liman aus dem Jahre 2014 auf. Tom Cruise erlebt als Major William "Bill" Cage immer wieder denselben Tag auf dem Schlachtfeld am Strand der Normandie, wo die Menschheit der Invasion der außerirdischen Mimics ein Ende setzen will. Die Aliens gelten als unbesiegbar. Verlieren sie einen Anführer, drehen sie einfach die Zeit zurück. Dies erlebt Cage nach seiner Auferstehung vom Tod in der Schlacht. Wie die Außerirdischen zieht er wieder und wieder in den gleichen Kampf. Ständig wird er ein wenig schlauer. Er lernt, wo der Gegner lauert und die Schüsse fallen. Er verändert das Geschehen und rettet seine Kameraden. Er selbst wird mal von Kanonen zerfetzt, mal erschossen oder verbrannt. Dann erkennt er, wie er die Invasion endgültig stoppen kann.


Snowpiercer
MFA+ Film Distribution
Snowpiercer

Bong Joon Ho erweitert das Genre

"Silent Hill", "Resident Evil", "Prince of Persia" oder "Tomb Raider" sind weitere gelungene Beispiele für die Adoption von Videospiele-Hits durch Hollywood. Der Übergang zwischen der Dramaturgie und den Designs von Games und Spielfilmen ist fließend, und nicht nur in Hollywood verschmelzen die Grenzen. In "Snowpiercer" aus dem Jahre 2013 des koreanischen Regisseurs Bong Joon Ho fungieren die Zugwaggons als Level, die gleich den klassischen Plattformen jeweils eigene Themen haben und im Schwierigkeitsgrad steigen. Und auch die Japaner mischen mit ihrer starken Comic und Animé-Tradition kräftig in dem Genre mit. Europa hat das Thema Arcaden im Film noch nicht entdeckt, obwohl Spielhallen etwa in England eine lange Tradition als Familienunterhaltung haben, etwa in den vielen Seebädern.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  22. Juli 2020

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