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Jappeloup - Eine Legende
Koch Media

Mensch setzt auf Pferd

Vierbeinige Helden erobern die Leinwand

Im Pferderennsport suchen Menschen seit Jahrtausenden ihr Glück. Schon im alten Rom gehören Wagenrennen zu den spektakulären Attraktionen in den Arenen. Der Film entdeckt die besondere Beziehung des Menschen zu Pferden schnell. Das Westerngenre ist so alt wie die bewegten Bilder selbst. In den 1930er Jahren wird mit emotional berührenden Geschichten rund um den Pferderennsport ein weiteres Genre in Hollywood populär.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  26. November 2020
Zurück in die Zukunft II (Back To The Future II, 1989)
Universal Pictures Germany (UPI)
Zurück in die Zukunft II (Back To The Future II, 1989)
Wetten auf die schnellsten Galopper oder Traber finden sich in vielen Filmen. Heute werden Wetten bequem von der heimischen Couch platziert auch bei virtuellen Spielwelten wie in der NetBet Online Spielothek oder ähnlichen Seiten. In den Filmen der 1940er Jahren finden die Wetten noch auf den Wettbahnen statt. Der charmante Trickbetrüger Johnny Hooke (Robert Redford) und sein besonnener Partner Henry Gondorff (Paul Newman) planen etwa einen großen Wettbetrug, um Doyle Lonnegan (Robert Shaw), um im Chicagos des Jahres 1936 den ungekrönten Gangsterkönig zu schröpfen und so den Tod von Hooks Partner Luther Coleman (Robert Earl Jones) zu rächen. Sie bauen mit großem Aufwand ein Wettbüro nach, wo sie Lonnegan mehrmals zu Wetten mit hohen Einsätzen bei Rennen verleiten, deren Ergebnis ihnen von einem Mitarbeiter des Telegrafenbüros vor der offiziellen Übertragung übermittelt wird. Obwohl ihnen korrupte Cops als auch das FBI auf der Spur sind, geht der Plan in Roy Hills Klassiker "Der Clou" auf.

Die Gaunerkomödie um einen grandios eingefädelten Wettbetrug heimst sieben Oscars ein und macht Redford endgültig zum Star. Wetten auf Pferderennen sind aus der Filmgeschichte nicht wegzudenken. Oft bedienen sie den uralten Traum, das Ergebnis vor dem Event zu kennen. So auch im zweiten Teil von Robert Zemeckis "Zurück in die Zukunft". Ein Sportalmanach mit den Ergebnissen aller Wettkämpfe der Jahre 1950 bis 2000, den Marty Mc Fly (Michael J. Fox) im Jahre 2015 kauft, fällt seinem Gegenspieler Biff (Thomas F. Wilson) in die Hände. Der griesgrämige Alte reist mit dem Zeitreisemobil ins Jahr 1955 und drückt das Heft seinem verblüfften, jüngeren Alter Ego in die Hände. Biff wird mit dem Almanach zum größten Glückspilz aller Zeiten und unermesslich reich.


Der schwarze Hengst (Black Stallion, 1979)
Capelight Pictures
Der schwarze Hengst (Black Stallion, 1979)

Moderne Western und Coming-of Age-Stories

Oft stehen die Pferde, ihre Züchter und Jockeys im Zentrum der Filme, die dramaturgisch in die Fußstapfen des Western treten und ihn inhaltlich ins 20. und 21. Jahrhundert katapultieren. Der Beruf des Jockey ist in der Tradition der Cowboys lange nur Männern vorbehalten, was Clarence Brown mit der jungen Elizabeth Taylor in der Hauptrolle in "Kleines Mädchen, großes Herz" (OT: National Velvet) 1944 in einem unterhaltsamen Melodrama thematisiert. Taylor spielt die 12-jährige Velvet Brown. Sie gewinnt bei der städtischen Lotterie das Pferd Pie, das vom jungen Herumtreiber Mi Taylor (Mickey Rooney) trainiert wird. Velvet reitet Pie inkognito beim Jagdrennen Grand National, bei dem nur Reiter zugelassen sind. Nachdem der Schwindel auffliegt, wird ihr der Sieg aberkannt.

Aufgrund des großen Erfolges des Filmes produziert das amerikanische Fernsehen mit Lorin Martin in der Hauptrolle 1960 bis 1962 eine gleichnamige Serie, die von der ARD unter dem Titel "Vilma und King" ausgestrahlt wird. 1978 realisiert MGM in Großbritannien eine inhaltliche Fortsetzung des Films und des Romans von Enid Bagnold. In "Alles Glück dieser Erde" (OT ebenfalls: National Velvet) übernimmt Tatum O'Neal die Hauptrolle. Velvet, mittlerweile eine Waise, zieht zu Verwandten nach England. Auf deren Hof wächst Arizona Pie heran, ein von ihrem Lieblingspferd Pie gezeugter Hengst. Auf seinem Rücken gewinnt Velvet mit dem englischen Team das olympische Vielseitigkeitsrennen.

Mit Spannung warten die Fans auf die Verfilmung der Robisonade "Blitz, Der schwarze Hengst" von Walter Farley". Diese wird von Francis Ford Coppola 1979 produziert. Regisseur Carroll Ballard setzt in "Der schwarze Hengst", so der Filmtitel, auf herrliche Landschaftsaufnahmen und besetzt Kelly Reno als 12-jährigen Alec Ramsay. Nach einem Schiffbruch strandet das Kind gemeinsam mit einem schwarzen Hengst auf einer einsamen, kargen Insel vor der portugiesischen Küste. Während ihres Überlebenskampfes entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Nach ihrer Rettung kehren Alec und der 'Schwarze' zu seiner Mutter im damaligen New Yorker Vorort Flushing zurück, wo sie von dem früheren Jockey Henry Dailey (Mickey Rooney) auf ein Rennen gegen die beiden schnellsten Rennpferde der USA vorbereitet werden.


Zaïna - Königin der Pferde
Prokino
Zaïna - Königin der Pferde

Marokko wird Mekka der Pferdenarren

Zwei Jahre später kommt die Fortsetzung "Der schwarze Hengst kehrt zurück" von Robert Dalva in die Kinos. Er beruht auf dem Roman "Blitz kehrt heim", wobei die Filmemacher einige gravierende Veränderungen vornehmen, um die Handlung zuzuspitzen. So verfolgt Ramsay im Film alleine Abu Jakub ben Ishak (Ferdy Maine), den früheren Besitzer des edlen Hengstes, der ihn in den USA kidnappt und in seine Heimat zurückbringt. Auf der abenteuerlichen Verfolgungsjagd durch die Wüste Marokkos gerät Ramsey zwischen die Fronten eines Stammeskrieges zwischen den Urak, die das Pferd ebenfalls stehlen wollten, und den Männern von Abu Jakub ben Ishak.

Ebenfalls in die Weiten der marokkanischen Wüste führt die französisch-deutsche Koproduktion "Zaïna - Königin der Pferde" von Bourlem Guerdjou aus dem Jahr 2005. Die Handlung folgt dem bekannten Muster. Wieder steht ein Heranwachsender im Zentrum, der durch den Pferdesport zu sich selbst findet. Die elfjährige Zaïna (Aziza Nadir) zieht nach dem Tod der Mutter zum Nomadenstamm ihres Vaters Mustapha (Sami Bouajila). Das Mädchen setzt sich in den Kopf, mit Zingai, dem schnellsten Hengst aus der Zucht des Stammes, am größten Rennen des Landes in Marrakesch teilzunehmen. Da ihr Vater strikt dagegen ist, folgt sie ihm heimlich in die Metropole. Auf dem Weg jagt sie Diebe in die Flucht, die die Tiere des Stammes gestohlen hatten, und befreit ihren Vater aus deren Fängen. Und sich muss sich gegen ihren übergriffigen Stiefvater (Simon Abkarian) wehren, der Zaïna als seinen Besitz betrachtet. Nur ein Sieg bei dem Rennen kann ihr letztlich helfen.

Auf Pferderücken schafft Viggo Mortensen den Durchbruch in "Herr der Ringe". Seine Reitkünste vertieft er in dem Abenteuerfilm "Hidalgo - 3000 Meilen zum Ruhm" von Joe Johnston. Der Film führt ins Jahr 1890. Halbindianer Frank Hopkins (Mortensen) hängt an der Flasche. Er hält sich mit wenigen Dollars aus seinen Auftritten in Western-Shows über Wasser. Eine zweite Chance wittert er, als ihn Scheich Riyadh (Omar Sharif) zu einem 3.000 Meilen-Rennen durch die Wüste einlädt. Die Regeln sind streng und verstören ihn. Und er eckt schnell an, weil er die Sitten und Gebräuche missachtet. Jazira (Zuleikha Robinson) ist die Tochter des Scheichs. Sie sucht bald seine Nähe und will ihm helfen und den Sieg des rücksichtslosen Prinz Bin Al Reeh (Saïd Taghmaoui) zu verhindern, der mit dem Sieg auch ihre Hand erhalten würde.


Der Pferdeflüsterer - Special Edition
Walt Disney
Der Pferdeflüsterer - Special Edition

Ein Pferd ist auch nur ein Mensch

Um das besondere Verhältnis zwischen Menschen und Pferden rankt sich auch das stimmige Melodrama "Der Pferdeflüsterer" von und mit Frauenschwarm Robert Redford nach dem gleichnamigen Roman von Nicholas Evans. Tom Booker (Redford) ist die letzte Hoffnung für Annie MacLean (Kristin Scott Thomas), ihre Tochter Grace (Scarlett Johansson) und ihr Pferd Pilgrim. Nach einem schweren Unfall ist Grace traumatisiert. Auch ihr Hengst wird verletzt und lässt fortan keinen an sich heran. Widerwillig lässt sich Booker darauf ein, Pilgrim zu therapieren. Der Prozess dauert einen ganzen Sommer, in dem Grace durch die Arbeit auf der Ranch die Bilder des Unfalls mit Pilgrim aus ihrem Kopf verdrängt und wieder eine Zukunft für beide sieht. Auch ihre karrierebewusste Mutter verändert sich und lässt Grace endlich etwas Freiraum, sich zu entfalten.

Nach der Premiere des Films wird gemunkelt, dass die Arbeit von Tom Booker an das Wirken des bekanntesten 'realen' Pferdeflüsterer Monty Roberts angelehnt sei. Seine Lehre beruht auf der gewaltfreien Kommunikation in einer den Tieren verständlichen Körpersprache. Er reitet nicht nur junge Pferde ein, sondern hilft auch Problempferden, ihre Ängste zu überwinden. Evens betont dagegen, er habe sich an Tom Dorrance, Ray Hunt und besonders Buck Brannaman, dem 'Zen-Meister der Pferde' orientiert. Brannaman ist Berater bei den Filmaufnahmen und doubelt Robert Redford in einigen Szenen. Zehn Jahre später ist Brannaman Star des Dokumentarfilms "Buck, der wahre Pferdeflüsterer".

Andere Filme stellen die Pferde ins Zentrum. Auf wahren Begebenheiten beruht das Randall Wallaces Biopic "Secretariat - ein Pferd wird zur Legende", das mit faszinierenden Bildern von den Rennen aufwartet. Das Pferd gehört in den 1970er und 1980er Jahren zu den weltweit besten Rennpferden. Seine Besitzerin ist Penny Chenery (Diane Lane), eine vierfache Mutter, die von ihren Eltern eine Pferdezucht erbt. Entgegen der Ratschläge ihrer Angehörigen und von Experten behält sie die Ranch und führt Secretariat gegen massive Widerstände von Sieg zu Sieg.

Auf dem Rücken von Jappeloup wird Pierre Durand (Guillaume Canet) Olympiasieger im Springreiten in Seoul 1988 und zwei Jahre später Weltmeister. Die Vorgeschichte mit der von vielen Rückschlägen gepflasterten Karriere Durants, der schnell aufbraust und sich kaum einem Team unterordnen kann, zeichnet Regisseur Christian Duguay in "Jappeloup - Eine Legende" nach. Zugute kommt dem Team bei den Dreharbeiten, dass Durant und Duguay in ihrer Jugend selbst Springreiter sind.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  26. November 2020

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