Feature
© Ascot Elite Entertainment Group
Sverrir Gudnason in "Borg/McEnroe" (2017)
Giganten auf Sand und grünem Rasen
Biopics von Tennislegenden
Bum-Bum Becker - mit diesem Nickname würdigen die Fans Boris Beckers Stärke beim Aufschlagen und Schmettern. Noch heute ist er eine Legende des deutschen Sports. Mit 17 gewinnt er das erste Mal in Wimbledon, das Tennismekka erklärt er fortan zu seinem Wohnzimmer. 1992 folgt der Sieg bei den Olympischen Spielen in Barcelona. Auch nach seiner aktiven Karriere verschwindet der rotblonde Sunnyboy nicht aus den Schlagzeilen.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  2. Dezember 2020
© Studio Harcourt
Boris Becker
Scheidung, Besenkammeraffäre, Pokerkarriere, illegaler Villenbau und haufenweise Schulden, die ihn schließlich vor Gericht bringen. Das Leben Beckers ist eine ideale Vorlage für ein Biopic. Doch bislang können die Fans seine Laufbahn nur im Jahr 2017 ausgestrahlten ARD-Dokumentarfilm "Boris Becker: Der Spieler" von Hanns-Bruno Kammertöns und Michael Wech verfolgen. Ein weiteres TV-Filmprojekt plant RTL - der ursprünglich geplante Dreh in 2020 muss Corona-bedingt aber verschoben werden.

Nicht nur amerikanische Tennislegenden haben es schon zu Leinwandehren geschafft. Die Spiele der Superstars sind auch Thema in den Wettbüros. Mancher Online-User hat etwa Erfahrungen mit Seiten wie bet-at-home. Für die Spieler selbst sind Wettquoten zweitrangig. Nicht jeder will die Favoritenbürde tragen. Überhaupt ist das Rampenlicht nicht jedermanns Sache: Der schwedische Star Björn Borg etwa schert sich wenig um den Rummel um seine Person. Schon als Kind ordnet er sein Leben dem Sport unter. Mit 18 gewinnt er erstmals die French Open. Mit vier Wimbledon-Siegen stellt er einen Rekord auf, der lange Bestand hat. In "Borg/McEnroe- Duell zweier Gladiatoren" stellt der dänische Regisseur Janus Metz die Rivalität zwischen dem kühlen, bodenständigen Hünen aus dem Norden (Sverrir Guðnason) und dem heißblütigen Tennis-Enfant-Terrible John McEnroe (Shia LaBeeouf) ins Zentrum. Der Amerikaner gerät immer wieder mit Sex, Drugs und Rock 'n' Roll in die Schlagzeilen.

Borgs Sohn spielte den Vater als Heranwachsender und zeigte Talent als Schauspieler und Sportler. Der Isländer Sverrir Guðnason steht während der Vorbereitung einige Monate auf dem Rasen und hält eine strenge Diät, um die athletische Figur des Tennis-Profis zu erreichen. Solchen Torturen unterwerfen sich auch echte Stars, die zu Lieblingen aus der Welt des Sports werden, während des Trainings.
© 20th Century Fox
Emma Stone und Steve Carell in "Battle of the Sexes - Gegen jede Regel" (2017)
Kampf um Gleichberechtigung
Der Film endet mit dem Finale von Wimbledon von 1980. Viele Fans setzen damals auf Borg. Die Quoten für Billie Jean King (Emma Stone) stehen bei dem " Battle of the Sexes", das 2017 von Valerie Faris und Jonathan Dayton verfilmt wird, wohl eher gegen sie - obwohl ihr Gegner Bobby Riggs (Steve Carell) bereits 55 Jahre alt ist. Über 30.000 Zuschauer sehen sich das Match im Astrodome von Houston, Texas, live im Stadion an. Rund 90 Millionen Menschen verfolgen zudem das Spiel auf den heimischen Fernsehgeräten. Bis heute wurde kein anderes Match in der Tennisgeschichte von so vielen Zuschauern live verfolgt. Denn es geht um nicht weniger als die Überlegenheit der männlichen Spezies.

Billie Jean King gewinnt ab 1966 bei allen vier Grand-Slam-Turnieren Einzel-, Doppel oder Mixedtitel. Ihre Preisgelder bleiben im Vergleich zu den Männern aber mager. Daher fordert die Amerikanerin die Anhebung der Bezahlung für Frauen. Da die Verantwortlichen ihre Bitte ignorieren, gründet sie 1973 die WTA-Tour, eine Profi-Turnierserie für Damen. Mit ihrem Engagement reizt sie den ehemaligen Tennisprofi Riggs, einen eingefleischten Chauvinisten und notorischen Glücksspieler. Er bietet 30.000 US-Dollar für ein Match gegen die Tennis-Königin, deren Geschlechtsgenossinnen er wieder an Herd und Bügeleisen verbannen will. Bekanntlich verliert er das Spiel und damit auch seinen Einsatz.
© Prokino Filmverleih
Match Point
Liebesgeplänkel auf dem Platz
Doch nicht nur Biopics führen hinter die Kulissen des Profisports. Ins Tennismekka von London führt Richard Loncraine in seiner fiktiven Mischung aus romantischer Komödie und Sportfilm "Wimbledon - Spiel, Satz und... Liebe" aus dem Jahr 2004. Er schickt den Mittdreißiger Peter Colt (Paul Bettany), einst Nummer elf der Weltrangliste, inzwischen aber auf den 119. Platz abgerutscht, mit einer Wildcard für das Hauptfeld zurück auf den Platz. Lizzie Bradbury (Kirsten Dunst) ist dagegen am Anfang ihrer Karriere und gilt als eines der größten Talente. Vater Dennis (Sam Neill) treibt seine Tochter zu Hochleistungen. Deshalb ist er alles andere als erfreut, als er von ihrer romantischen Liaison mit dem Altprofi erfährt. Während ihn die Liebe beflügelt und bis ins Finale bringt, unterläuft ihr ein Leichtsinnsfehler nach dem anderen.

Auch Regiealtmeister Woody Allen hat sich an einem Tennisfilm versucht. "Match Point" entsteht 2005. Allerdings ohne einen Schläger schwingenden Allen, dafür mit dem von ihm bekannten Liebesclinch. Sinnbildlich beginnt der Film mit der Zeitlupenaufnahme des Laufs eines Tennisballs. Er trifft die Netzkante und springt senkrecht in die Höhe. Abblende. In welchem Feld der Ball landet, bleibt unklar. Ebenso ist lange nicht sicher, wie sich die Herzen unter den vier Turteltäubchen aus dem Tennismilieu sortieren.

Der Ire Chris Wilton (Jonathan Rhys Meyers) hat die eigene Karriere an den Nagel gehängt und plant einen zweiten Anfang als Trainer in einem exklusiven Londoner Klub. Hier trainiert der reiche Tom Hewett (Matthew Goode). Während Wilton sich in Hewetts Verlobte, die erfolglose Schauspielerin Nola Rice (Scarlett Johansson) verliebt, hat Hewetts Schwester Chloe (Emily Mortimer) ein Auge auf ihn geworfen. Der Liebesreigen und die Verwirrung der Gefühle nehmen ihren amüsanten Verlauf.
© Buena Vista
Die Royal Tenenbaums
Familienbande auf und neben dem Platz
Zwei Außenseiter, auf die niemand gewettet hätte, suchen 2014 ihre Chance in "Break Point" von Jay Karas. Die Komödie wird auf einigen Festivals gezeigt und anschließend auf DVD ausgewertet. Serienstar Jeremy Sisto spielt Jimmy Price, einen alternden Tennisprofi, dessen Tage gezählt sind. Als er sich mit seinem Doppelpartner zerstreitet, überredet er seinen Bruder Darren (David Walton), von dem er sich längst entfremdet hat, zur Rückkehr auf den Platz. Die beiden nehmen sich nicht weniger als einen Durchmarsch in Wimbledon vor.

Richie Tenenbaum (Luke Wilson) galt als Kind als riesiges Talent im Spiel mit dem kleinen Ball, seine Geschwister Chas (Ben Stiller) und Margot (Gwyneth Paltrow) stehen vor glanzvollen Karrieren in der Wirtschaftswelt bzw. in Hollywood. Nach der Trennung der Eltern verlieren sie ihren Kompass. Jahre später kehrt Übervater Royal Tenenbaums (Gene Hackman) zurück und kippt aus den Socken, denn Margot und Richie haben Gefühle füreinander entdeckt. Chas ist mit Scheidung und der Sorge um seine Kinder überfordert. Und seine Noch-Ehefrau Etheline (Anjelica Huston) will ihren Anwalt heiraten. Den Kuddelmuddel um kleine und große Familiengeheimnisse, Trennung und Versöhnung sowie vergebene Chancen im Leben setzte Regie-Exzentriker Wes Anderson 2001 in "Die Royal Tenenbaums" in Szene. Auf dem Plakat und über die gesamte Filmlänge trägt Ben Stiller einen knallroten Trainingsanzug, der Tenenbaum an seine einstigen sportlichen Ambitionen erinnert.
Von  Katharina Dockhorn/Filmreporter.de,  2. Dezember 2020

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