StudioCanal Germany
Ben Foster als Lance Armstrong in "The Program - Um jeden Preis"
Filmemacher wühlen im Sumpf des Profiradsports
Feature: Mit Dopingsündern im Sattel
Stephen Frears knöpft sich in "The Program - Um jeden Preis" 2015 Dopingsünder Lance Armstrong vor. Das Biopic um einen gefallenen Helden, der den amerikanischen Traum lebt, hat leider wenige Geschwister in der Filmwelt. Dabei fliegen etliche Dopingsünder in den vergangenen Jahrzehnten auf, wird das staatliche Dopingsystem der DDR gut erforscht und erschüttert der Skandal um das Dopinglabor von Sotschi den Sport. Auch gesamtdeutsche Helden werden überführt, Katrin Krabbe, Jan Ulrich oder Dieter Baumann sind nur drei Namen. Das Doping der Sportler auf schnellen Rädern wird immerhin filmisch aufgegriffen.
erschienen am 3. August 2022
StudioCanal Germany
Ben Foster als Lance Armstrong in "The Program - Um jeden Preis"
Robbie McEwan im Interview
Lance Armstrong elektrisiert in den 1990er Jahren den Radsport. Der Amerikaner wird mit 21 Jahren der jüngste Profiweltmeister aller Zeiten. Er quält sich bei der Tour de France in Duellen mit seinen deutschen Konkurrenten Jan Ulrich über die Alpen und die Pyrenäen und pulverisiert dabei die Tourrekorde der belgischen Radlegende Eddy Merckx. Zudem überwindet er eine Hodenkrebserkrankung.

Auf den Aufstieg des Helden folgt der tiefe Fall, nachdem ein Insider und ehemaliger Wasserträger gegen ihn aussagt. Armstrong verdankt seine Erfolge systematischem Doping. Ohne unterstützende Mittel aus der Apotheke ist damals der Australier Robbie McEwan unterwegs, dreimal trägt er das Grüne Trikot bis Paris. Bis heute fiebert er mit - seine Vorhersagen zu den diesjährigen Favoriten bei erweisen sich als goldrichtig.
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The Program - Um jeden Preis
Werden nur die Kleinen erwischt?
Mit großer Akribie beschreibt der sportinteressierte britische Filmregisseur Stephen Frears das raffiniert aufgebaute und teure Betrugssystem im Team von Armstrong. Er stützt sich auf das Buch von David Walsh (Chris O'Dowd), dem leitenden Sportredakteur der Sunday Times. Ihm kommt das Märchen vom Aufstieg des Außenseiters (Ben Foster) von Anfang an spanisch vor. Deshalb heftet er sich hartnäckig an dessen Fersen.

Filmemacher und Radsport-Liebhaber Bryan Fogel wagt für seinen Dokfilm "Ikarus" 2017 einen spektakulären Selbstversuch auf den Spuren von "Super Size Me" und allen unerkannten gedopten Sportlern. Er sucht nach Mitteln, die in den Tests nicht nachweisbar sind und probiert sie aus. Zunächst lässt er sich von Don Catlin beraten, dem Gründer des UCLA Olympic Analytical Laboratory. Der verweist ihn bald an Grigori Rodtschenkow, einst Chef des russischen Dopingprogramms und nach dessen Enthüllung in den USA im Zeugenschutzprogramm. Der Film wird 2018 mit dem Oscar als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.
NFP
Jimmy Casper auf der "Höllentour" (2004)
Pepe Danquart huldigt Dopingsünder
Fast ein wenig naiv mutet dagegen heute Pepe Danquarts "Höllentour" aus dem Jahr 2004 an, der den Profis Erik Zabel, Jimmy Casper und Rolf Aldag folgt und der Faszination des Groß-Events Tour de France ausgiebig frönt. Der Dokumentarfilm zeigt die Qualen und Strapazen der Sportler auf der dreiwöchigen Frankreichrundfahrt, erliegt aber letztlich dem schönen Schein harter Anstrengungen vor Bilderbuchkulissen und mit Tausenden jubelnder Fans an den Straßen. Zabel, sechsmal Gewinner des Grünen Trikots, gesteht später selbst ein, jahrelang gedopt zu haben.

Kritischer betrachtet Finlay Pretsell in seinem Dokumentarfilm "Time Trial - Die letzten Rennen des David Millar" aus dem Jahr 2017 die Szene. Ihn interessiert der Druck während des harten Trainings und der Zeitfahren, bei denen jede kleine Unsicherheit gravierende Konsequenzen in der Endabrechnung hat. Fehler kann sich keiner leisten. Im Zuge seiner Recherchen interviewt er auch den Schotten David Millar, der 2004 wegen Drogen-Missbrauchs verhaftet wird. 2003 wird er Weltmeister im Einzelzeitfahren, der Titel wird ihm nun aberkannt und er wird bis 2006 gesperrt. Anschließend startet er wieder bei der spanischen Rundfahrt Vuelta und dem Giro d'Italia. Sein Wunsch, auch in Frankreich wieder zu starten, führt zu heftigen Diskussionen in und außerhalb des Sports.

Überwiegend Dokumentarfilme arbeiten die großen Skandale des Radsports in den vergangenen Jahrzahnten auf. Der Spielfilm "The Program" bleibt bislang die große Ausnahme.
erschienen am 3. August 2022
Zum Thema
Höllentour (Kinofilm)
Wer jedes Jahr einen Teil des Sommers vor der Glotze verbringt, um ein paar hochbezahlten Sportlern bei ihrer Fahrradtour quer durch Frankreich zuzuschauen, für den kommt die Rettung: Wenn man Pepe Danquarts spannenden Dokumentarfilm über das hundertjährige Jubiläumsrennen der Tour de France 2003 gesehen hat, kann man auf die TV-Berichterstattung vom aktuellen Rennen liebend gern verzichten und den Sommer anderweitig genießen.
Mit dem Biopic "The Program - Um jeden Preis" zeichnet Stephen Frears den Aufstieg und Fall des US-Radprofis Lance Armstrong (Ben Foster) nach. Der besiegt Ende der 1990er Jahren nicht nur den Krebs, sondern wird bald auch zum umjubelten König des Radsports. Was die Sportfans nicht wissen, findet Journalist David Walsh (Chris O'Dowd) nach und nach heraus. Armstrong hat seinen Erfolg einem ungeheuren Betrug zu verdanken, zudem fußt das gesamte Sportereignis auf einem betrügerischen System.
Ikarus (Kinofilm)
Weitere Features
Mit Lara Croft auf Entdeckungsreise
Mit Al Capone in die Unterwelt
2022