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Superman Returns

Warner

Neues Land braucht die Welt!

Rückkehr des Superhelden

Der bekannteste Superheld tragt einen körperbetonten rot-blauen Anzug, einen langen, wehenden roten Umhang und das symbolische rote "S" auf der Brust. Nach 19 Jahren Kinoabstinenz fliegt er wieder über die Leinwand. Dabei erweist sich der 26-jährige neue Superman Brandon Routh in seinem Spielfilmdebüt als würdiger Nachfolger des verstorbenen Christopher Reeve.

Bösewicht Lex Luther, gespielt von Kevin Spacey

Warner Bros.

Zuerst das lange Ringen um einen geeigneten Regisseur: Tim Burton, Wolfgang Petersen und schließlich Brett Ratner wurden engagiert, sprangen jedoch vorzeitig von dem Projekt ab. Schließlich übernahm Bryan Singer die Regie für das Actionabenteuer. Singer konnte schon mit den ersten beiden Teilen der X-Men-Triologie Erfahrungen mit Superhelden sammeln. In "Superman Returns" besetzt er Supermans Erzfeind Lex Luthor mit Kevin Spacey, mit dem Singer schon in dem Mystery-Thriller "Die üblichen Verdächtigen" zusammengearbeitet hat.

Der Oscarpreisträger scheint die Rolle des Widersachers wie auf den Leib geschrieben zu sein. Er erfüllt sie mit eine guten Portion Zynismus, Boshaftigkeit und einem charmanten Lächeln auf den Lippen. Fiesling Lex Luthor, der erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurde, schmiedet sogleich wieder Pläne, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Mit seinem ergaunerten Erbe ist er in der Lage, Supermans in der Antarktis versteckte Kristalle an sich zu bringen und mit deren Hilfe, einen neuen Kontinent zu erschaffen. Ein Vorhaben würde jedoch Nordamerika fast vollständig unter Wasser setzen. Zur selben Zeit - fünf Jahre nach seinem spurlosen Verschwinden - kehrt Kal-El, alias Clark Kent, alias Superman (Brandon Routh) zur Erde zurück.


Brandon Routh ist Mr. Superman 2006

Warner Bros.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Menschen haben gelernt ohne Superman auszukommen. Auch wenn er seinen alten Job als Journalist beim Daily Planet wieder antreten kann ist nichts mehr wie zuvor. Besonders schwer trifft ihn, dass seine große Liebe Lois Lane (Kate Bosworth) eine Familie gegründet und den Pulitzer Preis für ihren Artikel "Warum die Welt auch ohne Superman auskommt" erhalten hat. Doch braucht die Erde wirklich keinen Helden mehr? Niemanden, der die Hoffnungen auf eine sichere Welt wieder aufkeimen lässt, der Ordnung und Gerechtigkeit verkörpert?

Egal auf welchem Kontinent man lebt, fast jedes Kind kennt Superhelden, deren Mut, Tapferkeit und Uneigennützigkeit die Menschen nicht nur durch ihre besonderen Kräfte immer wieder fasziniert. Nach unzähligen Comics, der TV-Serie "Superman - Die Abenteuer von Lois & Clark" und den Abenteuern des jungen Superhelden in "Smallville", knüpft "Superman Returns" an den ersten Spielfilm von Regisseur Richard Donner aus dem Jahr 1978 an. Erkennbar ist dies schon deutlich am Vorspann mit dem typischen Superman-Theme vom mehrfach oscarprämierten Filmkomponisten John Williams. Regisseur Singer verwendet auch Archivaufnahmen von Marlon Brando, der im Original Jor-El, Supermans Vater gespielt hat.

Leider ist die Geschichte trotz allen gut ausgeführten optischen Meisterleistungen zu dünn, um 154 Minuten mit Spannung zu füllen. Da hilft auch nicht der begnadeter Kevin Spacey oder Brandon Routh, der seinen Vorgänger Christopher Reeve auch ohne Heldenkostüm nicht nur ähnlich sieht, sondern sicher so manches Herz höher schlagen lässt. Trotz actionhaltiger Momente steht die Beziehung zwischen Superman und Lois Lane im Vordergrund. Die Figuren schwanken zwischen Extrovertiertem und scheuem Verhalten und erinnern dabei an die unerfüllte Liebe von Spider-Man und Mary J. - bleiben aber in ihrem kitschigen und teilweise klischeehaftem Milieu hängen. Auch wenn alte Figuren beibehalten und neue eingeführt werden, fehlt der aus den Comics und Vorgängerfilmen bekannte, Kampf zwischen Gut und Böse fast völlig. Es gibt nur eine direkte Auseinandersetzung zwischen Lex und Superman. Trotz der schönen Bilder, hätte man sicherlich an einigen Stellen kürzen und bei dem Budget von ca. 260 Millionen Dollar mehr spannungsgeladene Actionszenen für den "Man aus Stahl" einbauen können.

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