Filmkritik: Vom Thriller zum Film Noir | FILMREPORTER.de
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Feature

George Clooney in "The good German"
In Berlins Ruinen

Vom Thriller zum Film Noir

Nicht nur deutsche Schauspieler sind momentan in Amerika sehr gefragt, auch deutsche Sujets werden verfilmt. Steven Soderbergh verfilmt Joseph Kanons Roman "In den Ruinen von Berlin". Die Story spielt nicht im heutigen Berlin, sondern dem von 1945. Aus einem verworrenen romantischen Thriller ist so ein Film Noir geworden, der mehr von seinem Hauptdarsteller (George Clooney), als von der Story lebt.
Von  Heike Maleschka/Filmreporter.de, 10. Februar 2007

Steven Soderbergh verteidigt den guten Deutschen auf der Berlinale PK (2007)

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Was macht ein Film der Nachkriegszeit aus? Schwarzweiß-Bilder, schwere Musik, lange, stumme Standbilder und eine Kamera, die meist von unten operiert. Wenn Soderbergh einen solchen Film schaffen wollte, dann ist ihm das mit "The Good German" gelungen. Doch manchmal ist weniger einfach mehr. An vielen Stellen, etwa bei der Autofahrt vor einer Projektion aus Archivbildern, wirkt dies zu gewollt und aufgesetzt. Authentisch wäre es sicher auch ohne die vielen alten Aufnahmen gewesen. Ohne die nur angerissenen und eher einfach gestrickten Charaktere wäre man am Ende der Geschichte wahrscheinlich erschüttert. Dieser Effekt stellt sich jedoch nicht ein. Zu groß ist die Distanz, die in den 105 Minuten aufgebaut wird. Interessant wäre es zu erfahren, was der Regisseur von "Ocean's Twelve" und "Traffic - Macht des Kartells" mit seinem sicheren Gefühl für Spannung und pointierte Dialogführung gemacht hat.

Der Film selbst besticht leider nur durch das Charisma von George Clooney, der bereits zum fünften Mal vor Soderberghs Kamera stand. Er spielt den amerikanischen Kriegskorrespondent Jake Geismer. Dieser reist ins Nachkriegs-Berlin, um über die anstehende Potsdamer Friedenskonferenz zu berichten. Hier treffen die Führer der Alliierten aufeinander, um über das Schicksal des besiegten Deutschen Reiches zu entscheiden und die Ressourcen des Landes aufzuteilen. Das historische Ereignis bildet nur den äußeren Rahmen. Jake ist nicht zum ersten Mal in Berlin. Er kam auch wegen der geheimnisvollen Lena (Cate Blanchett) zurück, in die er sich bei seinem ersten Besuch verliebt hat.

Cate Blanchett präsentiert sich dem Festivalpublikum

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Doch der Krieg hat vieles verändert und auch bei Lena seine Spuren hinterlassen. Lena ist jetzt die Geliebte von Jakes Fahrer, Corporal Tully (Tobey Maguire). Dieser verspricht, sie aus dem Land zu schaffen, doch sein blühender Schwarzhandel und seine Neugier werden ihm zum Verhängnis. Eines Tages wird er in der russischen Zone mit 100.000 Mark und einer Kugel im Rücken gefunden. Während Jakes Nachforschungen immer gefährlicher werden, weiß er bald nicht mehr, wem er noch trauen kann und auch Lena kämpft um ihr Leben, einen Ausweg, eine Chance auf einen Neuanfang.

Intime menschliche Schicksale, turbulente Ereignisse oder ausgefeilte Charaktere fehlen in Soderberghs Zeitreise leider völlig. Zu Gute halten muss man dem Regisseur aber, daß er den Film nicht nur im Jahr 1945 spielen läßt, sondern ihn auch mit der Kameratechnik der damaligen Zeit gedreht hat. Da ist es nur konsequent, daß er jegliche Farbe aus den Bildern verbannt, um die ganz persönlichen Grauzonen der Figuren ins rechte Licht zu rücken. Es bleibt die Frage, was er dem Zuschauer mit seinem Werk sagen wollte.
Heike Maleschka/Filmreporter.de - 10. Februar 2007

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