Filmkritik: Killer kommt selten allein | FILMREPORTER.de
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Feature

Smokin' Aces
Schnelle Kugeln, kesse Sprüche

Killer kommt selten allein

Originelle Charaktere, sinnlose Gewalt und ein Bus voller Stars auf der Besetzungsliste, ist alles, was Regisseur Joe Carnahan braucht, um nach seinen düsteren Cop-Drama "Narc" erneut durchzustarten. Dabei scheint er es mit "Smokin' Aces" auf Quentin Tarantinos Erbe abgesehen und zu viele Guy Ritchie Dialoge verinnerlicht zu haben.
Von  Heike Maleschka/Filmreporter.de, 17. März 2007

Taraji Henson in "Smokin' Aces"

Taraji Henson in "Smokin' Aces"

FBI-Agenten Richard Messner (Ryan Reynolds) und Donald Carruthers (Ray Liotta) hören bei einer Überwachung, wie Mafiaboss Primo Sparazza (Joseph Ruskin) ein Kopfgeld von eine Million Dollar auf das Haupt von Kleingangster Buddy "Aces" Israel (Jeremy Piven) in Auftrag gibt. Natürlich lockt das Auftragskiller an, die alle gerne das Geld einkassieren würden. Genau an dieser Stelle überschlagen sich für den Zuschauer die Informationen. Joe Carnahan führt gleich zu Beginn alle Charaktere mit kurzen, prägnanten Dialogen ein und springt dabei schnell von einer Figur zur nächsten.

Da ist ein psychopatisches Killer-Trio, die sexy Auftragskillerin Georgia (Alicia Keys, die ein sehenswertes Leinwanddebüt gibt), ein vernarbter Verkleidungskünstler á la Fantômas und ein Folterknecht mit abgekauten Fingerkuppen sowie die Ex-Cops Jack Dupree (Ben Affleck), Pete Decks (Peter Berg) und Hollis Elmore (Martin Henderson). Letztere sollen Buddy für 50.000 Dollar an den Jurist Rupert Reed (Jason Bateman) ausliefern, bevor das FBI ihn zu fassen bekommt. Das Ziel aller, der Kartenmagier, Falschspieler und Cosa Nostra-Gangster Buddy "Aces" Israel sitzt währenddessen zugedröhnt im Penthouse eines Luxushotels am Lake Tahoe und feiert wilde Orgien. Buddy wiegt sich in Sicherheit, denn er will in das Zeugenschutzprogramm vom FBI und ist bereit, gegen seinen Ex-"Paten" Primo Sparazza aussagen. Doch der Schutz durch das FBI gestaltet sich für die Agenten Messner und Carruthers dank des Killerwettstreits schwerer als erwartet.

Szene aus "Smokin' Aces"

Szene aus "Smokin' Aces"

Für "Smokin' Aces" versammelt Carnahan ein überzeugendes Darstellerensemble, bestehend aus Ben Affleck, der nach vielen Flops zeigt, dass man ihn nicht unterschätzen sollte, Jason Bateman, als schräger Vogel und Ray Liotta ("Narc", "Identität"), Andy Garcia ("Ocean's Eleven", "Der Pate") und Ryan Reynolds ("Blade: Trinity", "The Amityville Horror") als Staatsdiener in charaktertiefsten Figuren. Aber neben den skurrilen Charaktere bleibt auch Carnahans visueller Stil in Erinnerung, der schon bei "Ticker" zu bewundern war. Schnelle Schnitte, einfallsreiche Überblenden, ansehnlichen Einstellungen und der Soundtrack von Clint Mansell ("Suspect Zero") bilden einen guten Rahmen für den seltsamen Gangsterfilm. Abgerundet wird das Ganze mit einem Schuss pechschwarzen Humor, Montagen, schräge Situationen, lustigen Dialogen und unkonventionelle Wendungen.

Carnahans Schwäche scheint ist, dass er mit "Smokin' Aces" wohl mit aller Kraft einen Kultfilm schaffen wollte. Zu gewollt lässig und cool wirken viele Szenen. Auch scheint er unentschlossen zu sein, in welches Genre er seinen Film einordnet. Er streift alles, doch legt sich auf nichts fest. Konstruiert wirkt auch das Ende, wo er nach der durchgehenden knallharten Daueraction und dem bluttriefenden Showdown im Hotel, den FBI-Agenten unerwartet menschliche Gefühle und Trauer entwickeln lässt. Die Gewaltorgie ohne komplexe Geschichte ist nur etwas für Liebhaber. Zartbesaitete sollten den Streifen lieber meiden und auf die nächste Komödie warten.
Heike Maleschka/Filmreporter.de - 17. März 2007

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