News: Hollywood Insider
20th Century Fox
DiCaprio in: Gangs of New York
Nr. 40 - Neues aus der Traumfabrik
Leo, der Große
Drunter und drüber geht es in der Traumfabrik: Top-Regisseure reißen sich um Leonardo DiCaprio als Howard Hughes und Alexander den Großen, Wolfgang Petersen schiebt für den Krieg um Troja Superman und Batman auf die lange Bank und Teenie-Schwarm Josh Hartnett ist käuflicher, als man dachte. Außerdem: "Brisko Schneider" Bastian Pastewka hat als Synchronsprecher von "Stuart Little" erste Erfahrungen mit Hollywood gesammelt und steht nun für einen Kinofilm vor der Kamera. Der eindeutig zweideutige Titel lautet "Der Wixxer".
31. Aug 2002: Ein Superstar, zwei Toppregisseure und der Kampf gegen die Zeit: Baz Luhrmann ("Moulin Rouge") und Oliver Stone ("Platoon") wollen beide Historienfilme über Alexander den Großen auf die Leinwand bringen - zwei jeweils bis zu 140 Mio. Dollar teure Epen, bei denen es an den Kinokassen nur einen Sieger geben kann. Vermutlich wird der gewinnen, der mit seinem Film als erster in die Kinos kommt.

Die beiden Kontrahenten sind gut aufgestellt: Luhrmann führt Leonardo DiCaprio ins Feld. Ganz klar: Der junge Superstar ist für die Rolle des sexuell ambivalenten Mazedoniers wie geschaffen. Außerdem haben sich Luhrmann und sein Produzent Dino De Laurentiis die Unterstützung von Marokkos König zugesichert. Dort wollen sie den Streifen in einem eigens für das Filmprojekt errichteten Studio produzieren und dabei auf die Privatarmee von König Mohammed dem Sechsten zurückgreifen, der 5.000 Statisten und 1.000 Pferde zur Verfügung stellen wird. Am 6. September wollen Luhrmann und De Laurentiis in Marokko diesbezüglich persönlich auf den Monarch treffen.

Oliver Stone hingegen hat als Zugpferd "nur" Colin Farrell unter Dach und Fach, dafür hat er aber einen Vorsprung bei den Vorarbeiten für den Film. Eigentlich sollte Tom Cruise die Alexander-Rolle übernehmen, doch der spielt in Asien an der Seite von Timothy Spall und Billy Connolly in Ed Zwicks Historienepos "Last Samurai". Angesichts solcher Konkurrenz hat der Pay-TV-Sender HBO eine geplante zehnteilige Miniserie über Alexander wieder abgesagt. Mel Gibson, der die Titelrolle in der 120-Mio.-Dollar-Saga übernehmen sollte, bleibt dem Historienfach trotzdem treu: Er will in einem anderen Film keinen Geringeren als Jesus spielen.

Zu dumm, dass sich DiCaprio nicht selber klonen kann: Der Jungstar sollte nämlich auch für Starregisseur Martin Scorsese ("Gangs of New York") den legendären Milliardär und Playboy Howard Hughes in einer aufwendigen Filmbiographie verkörpern. Und auch hier ist Zeit ein wichtiger Faktor für dias Studio, denn es gibt ein Konkurrenzprojekt: Regisseur Chris Nolan ("Memento") will mit Jim Carrey ebenfalls das Leben des bizarren Lebemanns, Rekordfliegers, (Möchtegern-)Filmmoguls und Frauenhelden Hughes verfilmen. Spielt DiCaprio nun allerdings Alexander, verzögert sich damit automatisch auch Scorseses Hughes-Projekt und Nolan/Carrey haben eine Chance, ihren Film zuerst umzusetzen und als Gewinner über die Ziellinie, den Kinos, zu hetzten. Des einen Freud, des anderen Leid.

Warner Bros.: Alles super?
Das Personenkarussell dreht sich inzwischen munter weiter: Colin Farrell, der Alexander in Oliver Stones Projekt, soll zudem Batman in dem Superhelden-Streifen "Batman vs. Superman" verkörpern, den Wolfgang Petersen ("Das Boot") für Warner Bros. inszenieren wird. Jude Law, an sich als Superman längst gecastet, hat zwischenzeitlich wieder abgesagt, stattdessen soll Teenie-Schwarm Josh Hartnett in die Rolle des Superhelden schlüpfen - jener Josh Hartnett, der noch vor ein paar Monaten nur anspruchsvolle Independent-Filme machen wollte und keinesfalls in einem Superheldenfilm mitspielen wollte. In Hollywood ist eben jeder käuflich - auch der nette Junge aus Minneapolis.

Schade, dass sich das Ganze nun als Sturm im Wasserglas erweist: Petersen, der vor ein paar Wochen noch voller Begeisterung sein Batman/Superman-Projekt mit Lob bewarf, hat zwischenzeitlich nämlich mitgekriegt, dass man als hipper Regisseur zurzeit Historienfilme inszeniert. Also dreht Petersen nun "Troy", eine gigantische Verfilmung von Homers "Ilias" über die Trojanischen Kriege. Als Hauptdarsteller wünscht sich Petersen Brad Pitt.

Bei Warner Bros. möchte man auf Superhelden jedoch nicht verzichten und setzt fortan verstärkt auf einen anderen Film - als quasi Plan B - mit Superman als den alleinigen Helden. Als Regisseure sind McG ("Drei Engel für Charlie") sowie Brett Ratner ("Rush Hour") im Gespräch.

Wixxer Bastian Pastewka ("Brisko Schneider") über Freund und Leid bei der Synchronarbeit
Bastian Pastewka alias Brisko Schneider aus der "Wochenshow" hat erstmals einen Hauch von Hollywood gespürt: als Synchronstimme der Trickfilmfigur "Stuart Little". Der Komödiant, der mit Oliver Kalkofe zurzeit eine Parodie auf alte Edgar-Wallace-Filme dreht (Titel: "Der Wixxer - er kommt!"), weiß von allerlei Schwierigkeiten dieses Unterfangens zu berichten. "Bis zum letzten Moment haben die Amis ein Geheimnis um den 'final cut' gemacht", sagte Pastewka in Berlin am Rande der Europapremiere von "Stuart Little 2". "Die fertige Fassung habe ich erst hier bei der Premiere in Berlin gesehen, denn die Computereffekte wurden aus Angst vor Raubkopien erst ganz am Schluss eingefügt. Ich musste teilweise Szenen synchronisieren, in denen die Maus noch gar nicht zu sehen war."

Es hätte freilich noch viel schlimmer kommen können: "'Men in Black 2' wurde zur selben Zeit synchronisiert, und meine Kollegen sind daran verzweifelt. Jeden Tag teilten die Amerikaner neue Veränderungswünsche mit, ein entspanntes Arbeiten war da einfach nicht mehr möglich", weiß der Schauspieler zu berichten. Und so etwas ist offenbar kein Einzelfall, denn: "Auch bei einigen Adam-Sandler-Filmen habe ich miterlebt, dass die Synchronarbeiten extrem stark überwacht wurden. Jeder kleinste Satz wurde in Amerika geprüft, und utopische Verbesserungswünsche standen auf der Tagesordnung." Fazit: "Zum Glück kann ich es mir leisten, Synchronarbeiten abzulehnen."

Das kann er wohl - Pastewka ist durch "Brisko Schneider" hierzulande selbst ein Star geworden. "Auf der Straße wird mir immer mein Satz 'Hallo, liebe Liebenden' nachgerufen", freut sich der Komiker. "Beklagen darf ich mich darüber nicht. So war das Konzept, und offenbar hat es funktioniert."

Nun droht Pastewkas Fans ein Kinofilm mit dem viel sagenden Titel "Der Wixxer": "Wir haben quasi den 33. Edgar-Wallace-Film geschrieben und all das in die Geschichte gepackt, was man ordentlich durch den Kakao ziehen kann", erklärte der 30-Jährige. "Ich spiele Inspektor 'Very Long' und Oliver Kalkofe meinen Partner 'Even Longer'". Das kann ja heiter werden.

In seiner Jugendzeit hatte Pastewka weniger zu lachen: "Ich war unbeliebt, dick, trug rosa Socken und wurde von allen Lehrern gelobt und somit positiv gemobbt. Deshalb bezog ich häufig Prügel. Ich war der Arschkriecher, der die bunte Kreide beaufsichtigen durfte." Die Folge: "Irgendwann wollte ich steuern, wann und warum die Leute über mich lachen. Ich wurde Komiker." Inzwischen übt Pastewka Rache an den Peinigern von einst: "Genau die Mitschüler, die damals Pimmel in meine Kafka-Bücher gemalt haben, arbeiten heute in Autohäusern und wollen mich, gerade mich, als Kunden gewinnen. Eine späte Befriedigung." Als Wixxer muss er es ja schließlich wissen.
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2022