Filmreporter-RSS

8martin

Mitglied seit: 27.09.2008 16:49
Zuletzt gesehen: 29.08.2020 14:13
Filmbeiträge: 317  Bewertungen 316  Kritiken
Starbeiträge: Bewertungen Kritiken

Gästebuch

- keine Einträge -

Beitrag schreiben >>

Beiträge

Filmkritik zu Der Clan der Sizilianer - 29.08.2020 14:13

Großes Gangster-Kino mit den drei Superstars der 60er Jahre: Jean Gabin, Lino Ventura und Alain Delon. Die drei planen minutiös und detailversessen einen Juwelenraub. Altmeister am Regiepult ist Henri Verneuil, der schon beinahe dokumentarisch darlegt wie großartig der Coup geplant und durchgeführt wird. Wie im echten Ganovenleben wird nichts vorher verraten. Der Zuschauer sitzt in der ersten Reihe und verfolgt das Geschehen, das völlig glatt abläuft. Völlig glatt? Bis auf zwei, drei Kleinigkeiten, die den coolen Ganoven ein Bein stellen. Über eine Stunde kann man glauben, es wird der erste perfekt gelandete Bruch aller Zeiten; so z.B. der Ausbruch von Sartet (Delon) durch den Boden einer Grünen Minna. Dann wird man auf die Kleinigkeiten geschubst: Alain Delons Schwester Monique (Danielle Volle), die Inspektor Le Goff (Lino Ventura) als Köder einsetzt, der kleine Bub am Strand, der Alain auf einem Foto wiedererkennt oder der Austausch von Mr. Evans, einem Sicherheitsexperten. Alle Fäden laufen bei (Vittorio Manalese) Jean Gabin, dem Patriarchen des Clans, zusammen. Er erfährt vom Verhältnis zwischen Sartet und seiner Schwiegertochter Jeanne (Irina-DerlängsteTag-Demick). Sie hat die Familienehre befleckt. Bezeichnenderweise ist sie auch die einzige nicht Italienerin im Clan. Sartet fährt nach Paris zurück um seinen Anteil abzuholen. Alle warten auf ihn: der Clan, die Polizei, seine Schwester und die Zuschauer. Die optionale Geldübergabe findet dann zwischen Vittorio Manalese, Sartet und Jeanne statt, die die beiden Liebenden nicht überleben werden. So etwas regelt der Clan intern. Zu Hause wartet Le Goff auf Vittorio Manalese. Der hat ein Loch im Mantel, das ihn verrät. Le Goff führt ihn ab, wie einen alten Kumpel. Die Frage des kleinen Enkels, nach einem gemeinsamen Abendessen muss Vittorio allerdings leider verneinen.\r\nSouverän dirigiert die Regie die Akteure, die ohne Emotionen ihrem Geschäft nachkommen und produziert einen großartigen Klassiker.\r\n


Filmkritik zu Liebeshunger - 30.03.2020 11:42

Regisseur James Mangold ist weißgott kein Vielfilmer, aber unter seinen Werken gibt es seltene Perlen. In seinem Debüt stellt er eine Galerie von Losern vor, deren menschliche Tragödie nicht mehr zu toppen ist und es gibt auch keinen Silberstreifen am Horizont. Allein die verschiedenen Titel belegen die verschiedenen Blickwinkel, der gezeigten Probleme.\r\nDie Belegschaft von Dolly‘s Diner steht im Zentrum der Handlung. Shelley Winters ist die Übermutter, die den Laden und seine Gäste managet. Ihr Sohn Victor (Pruit Taylor Vince, der Mann mit dem einmaligen Pupillenflackern) leidet unter seinem Übergewicht (Titel!). Er ist ein stiller, linkischer und schüchterner Fettsack, dem man eine gewisse Liebenswürdigkeit nicht absprechen kann. So weint sich nicht nur Kellnerin Callie (Liv Tylor) bei ihm aus, sondern auch Kollegin Dolores (Debbie- Blondie-Harry). \r\nDie vielen kleinen Facetten am Rande der Handlung lassen leise Einblicke ins Innenleben der Akteure zu. Sagt die Kassiererin im Supermarkt, als sie ein Schlankheitsmittel für Victor abrechnet ‘Hab ich auch mal versucht und über 10 Kilo abgenommen.‘ Cut: danach steht er vor dem Spiegel und stellt fest, die Hose spannt im Bund. Oder wenn Callie ihre Zuneigung zu Victor signalisiert, sagt sie ‘Du hast da was am Kinn.‘ Beeindruckend sind auch Victors Visionen: Als Mutter Dolly stirbt, sieht er Callies Körper im Fluss und versucht Wiederbelebung – natürlich nur in seiner Fantasie. Es folgt ein Frust-Fressen. – wie früher. Als Callie kündigt, versucht es Kollegin Dolores als Ersatzmutter bei Victor. Eine neue unvollendete Tragödie kündigt sich an. Hoffnungslos, deprimierend ist dieses Leben. Da kann man dem dicken Victor nur ein Meer von Mitleid entgegenbringen. Er leidet wie sein kleiner Boston Terrier.\r\n


Filmkritik zu Die Hure - 28.03.2019 15:01

Ken Russell – nicht verwandt oder verheiratet mit der Hauptdarstellerin Theresa – hat eine Psychostudie aus dem Nuttenmilieu gemacht. Die war im wirklichen Leben mit Regiestar Nicolas Roeg verheiratet, bei dem ja bekanntlich ‘die Gondeln Trauer trugen‘ oder ‘Ein Mann vom Himmel fiel‘. Die Hure Liz spricht in die Kamera, erläutert ihre momentane Situation und legt quasi eine Lebensbeichte ab. Mit ironischer Distanz betrachtet sie ihren Job, hat fast Mitleid mit den hodengesteuerten Männern. Wir sehen nur abartige Beispiele, alles außer einem ‘Missionar‘. Gutgläubig und blauäugig wie sie ist, heiratet sie sogar, bekommt ein Kind, fühlt sich als ‘Fast Food‘. Sie braucht den Zuhälter Blake (Benjamin Mouton) zum eigenen Schutz. Der ist ein brutales, fieses Schwein und behandelt sie wie den letzten Dreck. Er fühlt sich als ‘Manager einer Mösenfabrik‘. Nur Rasta (Antonio Fargas) ein Straßenkünstler, hört ihr zu, versucht sie zu verstehen gibt ihr neuen Lebensmut und wird sie am Ende befreien. Wie die zwei Brennpunkte innerhalb einer Ellipse bilden zwei Schocker den Rahmen für diesen außergewöhnlichen Film: am Anfang sehen wir wie Liz zugerichtet wird, am Ende befreit sie Rasta vom fiesen Blake mittels einer Glasscherbe, nachdem er sie zuvor schon geschärft hatte. Der Film ist nichts für Voyeure und schon gar kein Porno. Er schafft eher Verständnis für die unmenschliche Situation der Straßennutten. Zeigt aber auch ihre Verletzlichkeit und Abhängigkeit und die Unmöglichkeit ins ‘normale Leben‘ zurückzukehren. Die großartige Theresa Russell spielt die Hauptrolle, als sei es für sie das Selbstverständlichste der Welt. Und das tut dem Film gut.


Filmkritik zu Der traumhafte Weg - 08.03.2019 13:33

Der Spiegel hat mal wieder so recht; wenn er zu Angela Schanelecs Film anmerkt: ‘Drauf einlassen oder es sein lassen‘. Um es vorwegzunehmen: für mich gilt letzteres. Wenn ich erst den Beipackzettel lesen muss, um so in etwa nachvollziehen zu können, was da an beweglichen Bildern abgelaufen ist, dann bedeutet das für mich: das Ende des Kinos. Dabei geht es nicht nur um die Handlung (die ist kryptisch genug!) sondern auch was diese oder jene Figur tut oder nicht tut oder beinahe getan hätte und warum das so ist. Nur so viel ist klar. Wir sehen zwei Paare: Theres (Miriam Jakob) und Kenneth (Thorbjörn Björnsson), sowie Ariane (Maren Eggert) und David (Phil Hayes). Sie sind sich begegnet, trennen sich und gehen eigene Wege. Dabei läuft man sich dann kreuzweise schon nochmals über den Weg. Der destruktive Schnitt und die löchrige Erzählweise werden durch die ewig langen Einstellungen zur Tortur. Die Ausdruckslosigkeit der Darsteller und ihre Sprachlosigkeit schläfern das gutwillige Interesse der Zuschauer allmählich ein. Da wird der ‘Wald zum Inbegriff des Waldes‘ und in der ‘formalen Intuition erinnern Bilder an Bilder‘. ‘Es ist als träumte der Film‘. Viel eher der Zuschauer im Tiefschlaf. Und so bewegt man sich ‘frei zwischen Möglichkeiten, die der Film bietet‘. Leider sind es Optionen mit albtraumartigen Qualen.


Filmkritik zu Misery - 17.04.2018 19:09

Eine Wahnsinnsverfilmung von Stephen Kings ‘She‘. Gemeint ist damit Annie (Oscar für Kathy Bates), die den verunglückten Bestsellerautor Paul Sheldon (James Caan) rettet, dann zu ihrem Gefangenen macht, foltert und sogar einen gemeinsamen Suizid plant. Der Titel kommt mehrfach vor: von Annies Hausschwein bis hin zu Pauls Romanen. Die Steigerung von Annie Wilkes ist wunderbar herausgearbeitet: von einem unbedeutenden Moppelchen und absoluten Fan über die Krankenpflegerin bis hin zum Folterknecht. Daneben werden Details über Annies früheres kriminelles Leben bekannt und erste Anzeichen von einer massiven Psychischen Störung. Ein Machtkampf zwischen den beiden liefert Spannung der subtileren Art. Paul gibt sich kooperativ, versucht Annie in Sicherheit zu wiegen. Erst als das nicht klappt, kämpfen beide mit offenem Visier, was in einer brutalen Schlägerei endet. Zuvor kommen Messer und Feuer, Spritzen und KO Tropfen zum Einsatz. Parallel zu diesem Handlungsstrang läuft die polizeiliche Ermittlung von Sheriff McCain (Richard Farnsworth), der mit seiner Frau (Frances Sternhagen), als Deputy für verhaltene Komik sorgt. Gelungen ist die Tatsache, dass man sich nicht die Rettungsdetails anschauen muss, nachdem klar ist, wer als Sieger in diesem ungleichen Kampf hervorgegangen ist. Stattdessen ein echter Stephen King Schluss: Paul sitzt mit Agentin Marcia (Laureen Bacall) in einem Restaurant. Als Paul meint, Annie in manchen Zeitgenossen immer noch wiederzuerkennen, kommt eine Bedienung (eingeblendet auch mal Kathy Bates), daher und outet sich als sein größter Fan…Wie so oft verabschiedet sich King mit einem Schmunzler. Dazu gehört auch, dass man Regisseur Rob Reiner als Hubschrauberpilot der Polizei sieht. Hochspannung mit Klassik (z.B. der Mondscheinsonate) unterlegt. Oberste Kategorie der Filmkunst.


Filmkritik zu Der Schrei der Seide - 06.10.2017 15:24

Der Marokkaner Yvon Marciano hat einen Film für Gefühlskino (Feely) gemacht. Er schwelgt geradezu in Farben und Stoffen, wobei er versucht einen sexuellen Bezug zwischen weiblicher Haptik und der Stoffoberfläche herauszukitzeln. Der Psychiater Gabriel de Villemer (Sergio Castellitto) findet in der Kleptomanin Marie († Marie Trintignant) ein interessantes Studienobjekt. Sie ist eine Seidenfetischistin. Um ihre Lust zu befriedigen, stielt sie Stoff und fällt dabei in Ohnmacht, während sie den Stoff zwischen ihren Schenkeln hindurchgleiten lässt. Aber auch der Professor merkt, dass er ähnlich tickt wie Marie – nur klaut er nicht. Er verarbeitet Maries Obsession in einen Buch “Die erotische Stoffsucht einer Frau“. Mit viel Gefühl und wahnsinniger Lust umschwirren sich die beiden Sonderlinge, die zwar Bildungsschranken trennen (erst in Knast lernt Marie Lesen), die aber die gleiche seltsame Lust verbindet. Marie braucht keine Männer. Die Seide ist Ersatz genug. Gabriel dient nur zum Vorglühen. Anders als bei Gabriels Studienobjekt ist es bei seiner Sekretärin Cécile (Anémone). Sie schwebt zwischen den Stoffen und dem Professor, bemuttert ihn, nimmt sein Diktat auf und hofft…. Am Ende ziehen beide Frauen an gegenteiligen Enden eines blauen Seidenstoffes…nachdem Gabriels Mutter das Sagen hat. Ihr Sohn war unfähig, die Situation zu ertragen… Optisch sehr schön herausgeputzt pendelt dieses psychologische Gefühlskonstrukt zwischen echtem Sex und seinem stofflichen Substrat. Eine eventuelle Erfüllung erfahren hier wohl nur die Frauen und überleben.


Filmkritik zu Die schönen Tage von Aranjuez 3D - 23.02.2017 13:02

Man sollte das Ende dieses Zitates nicht vergessen: ‘sind nun vorbei‘. In diesem Film sind die schönen Tage wirklich vorbei. Eine statische Kamera dokumentiert die völlige Abwesenheit einer Handlung. Neben einer imaginären Figur eines Dichters von nebenan aus dem Elfenbeinturm, der den Text, den man hört, in seine Schreibmaschine hämmert, sind noch der Wind und ein Mops die weiteren tatenlosen Statisten, dieses Sprechgebildes. Ein optisches und ein akustisches Bonbon hat Wenders dann noch den angestrengt folgenden Zuschauern hingeworfen: eine Jukebox und Nick Cave am Klavier. Beides passt zum Gesehenen wie der sprichwörtliche ‘Arsch auf den Eimer‘. Wim Wenders hat sich mit seiner manieristischen Selbstverliebtheit hier ins Knie geschossen. Der Text, den die beiden Figuren (Sophie Semin und Reda Kateb) im Wechselspiel zitieren und der von Handke als Dialog über die Liebe und das Leben angelegt ist, strapaziert das Interesse der Zuschauer auf das Heftigste. Nicht nur wegen der intellektuellen Abgehobenheit – sie diskutieren in geschwurbelten Satzkonstruktionen der Wolkenkuckucksheime - sondern wegen der häufigen Verneinung des im Vorsatz gerade Erwähnten – z.B. es ist das Erkennen, das ich habe, dass nichts erkannt wird oder eine gemachte Zusage, die nicht gemacht wird…etc. - beides sind typische stilistische Handke Merkmale und das nervt auf die Dauer. Weil ich auf der Leinwand nichts verpasse, denn da passiert ja nichts, habe ich für längere Zeit die Augen geschlossen…und nur zugehört. Da konnte ich die beiden überflüssigen Figuren vergessen und mir in meiner Fantasie das Gesprochene ausmalen. Das war besser als die großformatigen Gesichter der Akteure ohne jegliche Regung anstarren zu müssen. Das störte nur. Also, es ist kein Film, sondern ein bebilderter Dialog. Einen Titel gibt’s noch: ‘Der laaangweiligste Film aller Zeiten.‘ K.V.


Filmkritik zu Hühnchen in Essig - 13.10.2015 09:13

Der Titel hat mit dem Film so viel zu tun wie Apfel mit Apfelsine. Aber Chabrol, das alte Schlitzohr, macht sich halt einen Heidenspaß mit seiner dunklen Komödie, in der Inspektor Lavardin (Jean Poiret) in einem komplexen sozialen Netz ermittelt. Dabei ist seine Vorgehensweise ebenso ungewöhnlich wie die verschiedenartigen Beziehungen, in denen es auch Tote gibt. Sonst hat die Polizei bei Chabrol nicht gerade die Weisheit mit Löffeln gefressen. Hier schlägt Lavardin schon mal zu oder macht sogar Water Boarding, um Hintergründe zu erhellen. Neben ihm steht ein Mutter – Sohn Problem im Mittelpunkt. Sie (Stéphane Audran) im Rollstuhl und er Louis (Lucas Belvaux) verliert seine Unschuld an die rasierklingenscharfe Arbeitskollegin Henriette (Pauline Lafont). Daneben verschwinden Personen (Josephine Chaplin) und geldgierige Geschäftemacher wie Lavoisier (Michel Bouquet) versuchen mittels Korruption ans Ziel zu gelangen. Wenn man im Park des wohlhabenden Dr. Morasseau (Jean Topart), der mit Malliol Plastiken bestückt ist, im Sockel einer Statue die Leiche von Madame findet, zeigt das die Absicht des Meisters. Er bleibt distanziert, zeigt uns keine Bluttat und die Aufklärung wird nicht groß erklärt. Darunter leidet die Spannung etwas. Dafür bietet der Dauersoundtrack die Möglichkeit der akustischen Folter. Und wenn wir am Ende eine heile Welt sehen, in der alles wieder Friede, Freude, Eierkuchen (F.F.E.) ist, bleiben schon noch einige Fragen offen. Na ja, es ist halt angerichtet, das ‘Hühnchen‘. Inspektor Lavardin – so erfahren wir – hat eins zu Hause. Keine krachende Spannung, eher Schmunzelkrimi.


Filmkritik zu Haben und Nichthaben - 14.05.2015 10:51

Die Leute, die hinter diesem Klassiker stehen sind schon erste Sahne. Nicht nur die beiden Hauptdarsteller (Ehepaar Bogart/Bacall), sondern auch die Regielegende Howard Hawks und die Romanvorlage von Hemingway, sowie der Mitarbeiter am Drehbuch William Falkner. Der Film entstand kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, der hier allerdings ebenso fern ist wie der genaue historische Hintergrund. Wir sind auf der französischen Insel Martinique. Hier agiert die Geheimpolizei der Vichy-Regierung. Und Bogey hilft natürlich den Nazi-Gegnern und bekommt die damalige Neuentdeckung Lauren Bacall. Dabei ist es eine herbe Love Story, in der es statt der üblichen genüsslichen Erfüllung nur einen Kuss gibt. Ihr erster Satz aus dem Nichts wurde zur Legende \'Anybody got a match?\' Ist aber für den Kettenraucher Bogart durchaus symptomatisch. Und Bogey schaut der Kleinen dann auch ganz tief in die Augen. Überhaupt sind die Parallelen zu \'Casablanca\' kaum zu übersehen. Dabei geht der optische Eindruck fast unter, den die schöne Frau des verwundeten Widerstandskämpfers Mme Hellene de Bursac (Dolores Moran) macht. Sie ist der eigentliche Vamp neben dem die Bacall wie eine trockene Wüstenrose wirkt. Der fast offene Schluss, der allerdings keine Befürchtungen aufkommen lässt, ist fast so kryptisch wie der Titel. Da darf spekulativ interpretiert werden: bezieht sich der Titel auf das Anglerglück eines Gastes auf Steves Boot, auf seinen gewährten und wieder einkassierten Krediten oder auf Steves ominösen Schulden? Sicher ist nur eins Walter Brennan spielt den sympathischsten Säufer der Filmgeschichte. Geht so. Nicht jeder Klassiker ist auch supergut.


Filmkritik zu Lady Henderson präsentiert - 07.01.2015 19:05

Wenig beachteter Film von Stephen Frears. Er hat eine lustige Komödie gemacht, die neben allerlei Komik und zwei großartigen Hauptdarstellern auch eine traurige Seite beleuchtet. Die Titelfigur (Judi Dench) ist eine steinreiche Witwe, die im Londoner West End das Windmill Theatre eröffnet. Den Mann vom Fach für die Leitung findet sie in Van Damm (Bob Hoskins). Moulin Rouge soll das Vorbild sein. Im prüden England zwischen den Weltkriegen geht der Weg nur über ‘Lebende Bilder‘. Wenn sich kein Nackedei bewegt, ist es wie im Museum. Das ist recht munter, wie sich die beiden nicht miteinander verheirateten fetzen, wie Hund und Katze. Die tragische Facette wird durch einen langanhaltenden stummen Augenblick beeindruckend unterstrichen: die Bombenangriffe auf London. Obwohl das Windmill im Keller liegt, muss eine Schöne (Kelly Reilly) mit ihrem Leben bezahlen. Hier wurde eine mögliche Variante erfunden, um die Emotionen zu bedienen. Lady Henderson. hatte sie mit einem Soldaten verkuppelt, die dazu noch schwanger war. Der Hinweis, dass Van Damm holländischer Jude ist, dient nur zur Abrundung des Bildes vom Theatermacher. Dramaturgisch hat es keinerlei Bedeutung. Ebenso wie seine Ehefrau. Dieses Drama wird mit einem versöhnlichen Schluss der beiden Protagonisten mit einem Tanz auf dem Dach abgeschlossen. Der Krieg ist hier eigentlich Nebensache. Das Theater dient als Mutmacher und Unterstützung fürs Durchhalten. ‘Die Show muss weitergehen, aber die Kleider müssen weg.‘ Nicht Frears bester, aber immerhin kein Fehlschlag dank der beiden Hauptdarsteller.

© 2020 Filmreporter.de