8martin

Mitglied seit: 27.09.2008 16:49
Zuletzt gesehen: 28.02.2021 13:20
Filmbeiträge: 325  Bewertungen 324  Kritiken
Starbeiträge: Bewertungen Kritiken

Gästebuch

- keine Einträge -

Beitrag schreiben >>

Beiträge

Filmkritik zu Die Augen des Engels - 28.02.2021 13:20

Michael Winterbottom hat den spektakulären Mord an der Studentin Amanda Knox (hier Elisabeth) aufgegriffen und den Fall lediglich brav wiedergegeben. Wir sind am Ende genauso schlau wie die Medien. Den Mörder kennt weder der Regisseur noch der Drehbuchautor und das Publikum schon gar nicht. Wir erfahren nur viel über das lockere Leben von Sensationsjournalismus. Hier pennt jeder mit jedem. Regisseur Thomas (Daniel Brühl) versucht einen Film zu machen, scheitert aber im Vorfeld. Dafür ist ihm Kollegin Simone (Kate Beckinsale) aber im Bett eine Hilfe. Freundin Melanie (Cara Delevingne) führt ihn ins Studentische Nachtleben ein: d.h. koksen, saufen, bumsen bis der Arzt kommt. Dazwischen eingestreut gibt es noch kurze, unpassende horrormäßige Albträume des Thomas und zwecks Anhebung des Niveaus einen Besuch an Dantes Grab inklusive Zitate.\r\nUnd damit noch etwas wahre Emotionen hinzukommen skyped Papa Thomas hin und wieder mit seiner kleinen Tochter, die bei seiner Ex in Amerika ist. Ob sich auf deren Augen der Titel bezieht, bleibt ein Rätsel. Nachdem wie man weiß die mutmaßliche Mörderin im zweiten Anlauf freigesprochen wurde, drückt uns Winterbottom noch ein Zitat aufs Auge: ‘Elisabeth ist erhoben zum Reich des Himmels, wo Engel in Frieden leben.‘ Oh Gott, was für ein Graus! Publikumsverarsche mit kulturellem Anstrich. Alternativtitel hätte auch sein können ‘Hohl, leer, ausgebrannt‘. K.V.\r\n


Filmkritik zu Früchte des Zorns - 08.02.2021 10:12

Hier zeigte John Ford, dass er nicht nur Western kann. Es ist sogar ein recht kapitalismuskritischer, über zwei Stunden dauernder Film geworden. Und das vom eher konservativen John Ford.\r\nSo enthält dieser Klassiker die heute immer noch gültigen Aussagen von Dumping Löhnen und Arbeitskampf und von Aufwieglern (Gewerkschaftler gab es noch nicht).\r\nIn den 30er Jahren herrschte die große Depression in Amerika. Großfamilie Joad wird von ihrem Land vertrieben und zieht mit Sack und Pack, Oma und Opa nach Westen teilweise auf der legendären Route 66 zum Obstpflücken. Sie reisen in einem optisch hervorragend umgesetzten LKW, der völlig überladen nur vom Rost zusammengehalten wird. Tausende von Arbeitssuchenden werden wie die Joads auf der Suche nach Arbeit wie die Rinder durchs Land getrieben, von angeheuerten Hilfspolizisten gegängelt, verprügelt und sogar ermordet. (Exprediger Jim, John Carradine).\r\nDie stimmungsvolle Schilderung der Verhältnisse in s/w beeindruckt immer noch. Das hat John Steinbeck in seiner Romanvorlage aber noch konsequenter und damit viel härter durchgezogen. Der Hungertod dräut dort drastischer. Da muss die schwangere Rosasharn (Dorris Bowdon) schon lebensspendende Muttermilch opfern.\r\nHier genügt ein abschließendes Gespräch zwischen Mutter Joad (Oscar für Jane Darwell) und Sohn (Henry Fonda). Ihm geht der Gedanke der Gewerkschaften nicht aus dem Kopf. Weil er gesucht wird, verlässt er die Familie, um gegen die Ungleichheit und Ungerechtigkeit des Raubtierkapitalismus anzukämpfen. Mehr war in Hollywood 1940 nicht drin. Dafür ein staatliches Migrantenlager mit allen Annehmlichkeiten der Zeit.\r\nMutter Joad hat das letzte Wort ‘Die Reichen die kommen und gehen, sie sterben. Aber wir sind nicht totzukriegen. Uns wird es immer geben‘ und dann fügt sie den Satz hinzu, der vor der Wiedervereinigung 1990 bei uns Geschichte gemacht hat ‘Wir sind das Volk!‘.\r\nEine literarische Filmadaption über das zeitlose Elend der Landbevölkerung und den gnadenlosen Kampf ums Überleben. Der Titel kann Gegenstand von Interpretationen sein. Wer oder was sind denn nun die Früchte des Zorns?\r\n


Filmkritik zu Drei Rivalen - 20.12.2020 19:54

Der Titel passt zum Plot. Beide bewegen sich auf ausgetretenen Pfaden. Ein Standard Western der 50 Jahre mit dem ganzen Charme dieser Zeit, aber auch der drögen Einsilbigkeit der Handlung. Eine der über hundert gefühlten Schmonzetten mit Rinderherden Trecks. Die Großaufnahmen der Tiermassen schlucken die Spannung bis auf ein kleines Stück des Weges, als gegen Ende Indianer die Herde in einer Schlucht bedrängen.\r\nDie Brüder Ben (Clark Gable) und Clint (Cameron Mitchell) hatten zuvor einen Mr Stark (Robert Ryan) überfallen, der große Mengen Geld transportiert, machen aber mit ihm gemeinsame Sache. Der besteht darauf, dass auch seine Freundin Nella (Jane Russell) mit auf den Treck kommt. Es folgen die üblichen Reibereien unter den männlichen Kampfhähnen. Den Stand der Beziehungen zu den drei Rivalen besingt Nella jeweils in der mitgeführten Badewanne. Was in den 50er Jahren ein Hit wurde, wirkt heute arg angestaubt. Nella und Mr. Stark scheinen sich zu verstehen, bis Ben das singende Luder übernimmt, obwohl ihre gemeinsamen Lebensentwürfe überhaupt nicht zu einander passen. Clark Gable ist ja an sich nicht so sehr im Wilden Westen zu Hause, doch für Nella reicht es wohl. Wenn man sie hier in Aktion sieht, versteht man, wo ihre Pluspunkte liegen. Das vorhersehbare Happy End nach der obligatorischen Stampede löst Gähn Attacken aus. Bruder Clint wird von Indianern gefoltert und zum Heiligen Sebastian umgebaut. Man sieht nur das Ergebnis und dann wendet sich die Kamera ebenso wie die Zuschauer ab.\r\nBen und Mr Stark haben noch ein paar Überraschungen für einander, die der ältere Ben mit Großzügigkeit überwindet. Bleibt nur noch die Frage ‘Wer ist der hochgewachsene Mann‘, von dem im Originaltitel die Rede ist? Ben, der Nella kriegt oder Mr Stark der das Geld bekommt? Egal. Nur eines ist klar: sie ist auf alle Fälle die fleischgewordene Sünde, die in den 50er Jahren der Männerwelt den Kopf verdreht hat.\r\n


Filmkritik zu Nobody ist der Größte - 18.12.2020 18:12

Es liegt nicht nur daran, dass Terence Hill ohne Bud Spencer halb so amüsant ist, sondern auch daran, dass Regisseur Damiano Damiani hier eigentlich Neuland betritt. Ihm hat doch der anspruchsvolle Mafia-Film Weltruhm gebracht. Hier wird einfach zu viel gequatscht, die Dialoge sind mäßig geistreich und die Handlung mäandert so zwischen Albernheiten und Revolverheldentum.\r\nDie fehlende Klopperei, die den Fans so viel Freude macht, weil sie auf hohem artistischem Niveau der Stuntmen geführt wird, muss Terence Hill durch Zaubertricks zu ersetzen versuchen. Das ist aber kein wirklicher Ersatz. Auch das Trio mit Nobody: Lucy (Miou-Miou) und Lokomotive Bill (Robert Charlebois) quält sich durch die Komik. Eine Verkleidung mit angeklebtem Bart bei Bill und ein Befreiungstritt in seine Eier von Lucy\r\nsind wirklich uralte Hüte. Klaus Kinsky hat einen für ihn uninspirierenden Part erwischt. Er ist weder zum Fürchten noch zum Lachen. Genau wie Raimund-der Seewolf-Harmstorf. Am Ende fragt man sich verwundert, welchen Film man da jetzt gesehen hat: Banknoten wurden gegen Papier hin und her getauscht und Geld an die Indianer verteilt. So gesehen ist Nobody ein ganz kleines Licht im Lampenladen. Und im Originaltitel taucht u.a. ein Huhn auf, im Film nicht. Insgesamt überhaupt ein kryptischer Schluss, der eine schales Gefühl hinterlässt. K.V.\r\n


Filmkritik zu Redemption - Stunde der Vergeltung - 04.12.2020 19:36

Sowohl mit dem Originaltitel als auch mit der deutschen Version kann man so seine Probleme haben, wenn man beide in sinnvollen Bezug zum Film setzt. Redemption bedeutet alles andere als Vergeltung und Hummingbird ist der Kolibri. Das könnte sich auf die Aufnahmen aus der Vogelperspektive mittels Drohnen beziehen.\r\nJoey (Jason Statham) ist ein in Afghanistan traumatisierter Soldat, der sich hier der Strafverfolgung durch Flucht entzieht. Auf der Suche nach dem Mörder seiner Freundin Isabel taucht er unter und demonstriert in regelmäßigen Abständen, das was er am besten kann: allein gegen acht bis zehn Schläger die Unterwelt aufzumischen. Er arbeitet für Mr Choy (Benedikt Won) als Geldeintreiber später als Tellerwäscher.\r\nEtwas Tiefgang bekommt der Plot aber erst, und das macht den Reiz des Films aus, als Joey auf seiner Suche in einer Suppenküche der Ordensschwester Cristina (Agata Buzek) begegnet, die ihm weiterhelfen kann. Sie war zum Klosterleben gezwungen worden und will nun aber nach Afrika zur Missionsarbeit. Joey spendet für die Tippelbrüder. Für Schwester Cristina gibt es ein feuerrotes Abendkleid. Vorübergehend vergiss sie mal ihre Absichten als Ordensschwester und bedankt sich artig. Man sieht es nicht, kann’s nur ahnen. Dass Joey den Frauenmisshandler (Christian Brassington) findet und erledigt, versteht sich von selbst. Bevor sie sich trennen, posieren beide als Pieta, womit die Bedeutung von ‘Erlösung‘ ins Spiel kommt. Cristina hat aus Joey vorübergehend einen guten Menschen gemacht. Das tut sie mit einem gewissen zurückhaltenden Charme und bildet so eine Antipode zum Schläger und Killer Joey. Alles in allem nicht schlecht. Mehr als nur die übliche Klopperei als Transporter.\r\n


Filmkritik zu Der Gefangene von Alcatraz - 26.11.2020 19:41

Der Film ist mehr als nur ein wahres Biopic des Mörders Robert Stroud, es ist ein Gefängnisklassiker der anderen Art, der bis auf den Schluss ohne Gewalt und ohne die sonst üblichen Ausbruchsversuche auskommt. Im Laufe seiner Leinwandkarriere hat Burt Lancaster jede erdenkliche Rolle gespielt egal ob Pirat oder Soldat, Indianer oder Zirkusartist. Er war im Western genauso zuhause wie als Grand Seigneur als Symbol einer untergehenden Epoche.\r\nJohn Frankenheimer hat einen sehr vielschichtigen Film gemacht. Hier verkörpert Lancaster den Mörder Stroud als intelligenten, äußerst sensiblen Menschen, der einen Fehler gemacht hat und im Laufe seines Lebens im Gefängnis ein anderer Mensch wird. Auf der vordersten Ebene läuft das Duell mit dem Gefängnisdirektor Shoemaker (Karl Malden) ab, einem verborten psychopatischen Idealisten. Da stehen Vorschriften gegen Menschlichkeit. Hier erkämpft sich Stroud eine Reihe von Privilegien. Auf einer weiteren Ebene spielt sich sein Umgang mit einem zugeflogenen Sperling ab: (Originaltitel Birdman). Stroud darf Käfige bauen, die Vögel brüten, er wird zu einem anerkannten Ornithologen. Auf einer dritten Ebene läuft sein Verhältnis zu seiner Mutter (Thelma Ritter) ab, die anfangs noch für seine Begnadigung kämpfte und sich aber schmollend zurückzieht, als er in Stella (Betty Field) eine herzensgute, aber auch geschäftstüchtige Frau findet. Ihr Abschied kann zu Tränen rühren. Vorschriften und Posten ändern sich bzw. werden neu besetzt, Strouds Privilegien werden eliminiert, er schreibt Bücher. Letztendlich landet er in Alcatraz. Hier rebellieren die Häftlinge. Seine Mutter will ihn lieber im Gefängnis sehen, denn als berühmten Vogelexperten, der verheiratet ist. Er wurde nie begnadigt.\r\nDer Strafvollzug steht hier ebenso auf dem Prüfstand, wie Gefühle in der Gefangenschaft. Die Vögel und Stroud teilen das gleiche Schicksal, beide wollen inzwischen kein anderes Leben mehr. Auch der freigelassene Spatz kommt wieder zurück. Was für ein grandioser Film. Die zwei ein halb Stunden vergehen wie im Flug.\r\n


Filmkritik zu Das Morgan Projekt - 21.11.2020 16:20

In einem Labor gibt es Probleme, nachdem man einen Androiden erschaffen hat. Das Wesen heißt Morgan (Anya Taylor-Joy) und ist weder männlich noch weiblich. Es ist ein Es. Im Gespräch mit Dr. Grieff (Jennifer Jason Leigh) ist Morgan ausgerastet und hat sie schwer verletzt. Die Fachfrau für Risiko-Management, Lee Weathers (Kate Mara) kann nicht verhindern, dass Morgan fast den gesamten Mitarbeiterstab eliminiert: u.a. Dr. Ziegler (Toby Jones) oder Dr. Shapiro (Paul Giamatti). Nur Amy (Rose Leslie) bleibt von ihr verschont. Der Schocker, dass hier die Titelfigur von einer zierlichen jungen Frau gespielt wird, verflacht nach zwei packenden Duellen mit Lee Weathers allerdings. Die Mädels holzen bis der Arzt kommt. Und Morgen mordet monstermäßig weiter. Lee Weathers macht ihr am Ende den Garaus, obwohl lanzendurchbohrt.\r\nIm Gespräch mit den Wissenschaftlern hatte Morgan Gefühle wie Liebe und Einsamkeit gestanden. Auch dass sie keine Mutter hat, macht ihr zu schaffen. So muss am emotionalen Status von Morgan (Projekt Nr. 9) allerdings noch gearbeitet werden, sagen die Experten.\r\nBrian Cox hat in seinem Cameo das letzte Wort: Rückkehr zu Projekt 4, aber die erfolgreiche Lee Weathers ist fast perfekt. (Was das auch immer heißen soll.)\r\nAnya Taylor-Joy überzeugt mit handfesten Martial Arts Stunts, wobei sie zwischen Kindfrau und Killermaschine variiert. Das emotionslose blanke Gesicht mit den schwarzen Augen bleibt ebenso in Erinnerung wie ihr blutverschmierter Mund.\r\nDer Film erweckt keine falschen Hoffnungen und erzählt gradlinig von A nach B und bietet brauchbare Unterhaltung.\r\n


Filmkritik zu The River King - 23.10.2020 18:54

Ein spannender Old School Thriller, der in einem Nobelinternat spielt. Zwei Cops finden die Leiche des Schülers Gus (Thomas Gibson). Abel (Ed Burns) einer von ihnen ermittelt besessen, der zweite, Joey (John Kapelos) torpediert die polizeilichen Recherchen und nimmt lieber Fakelaki. Das ist im Sinne der Schulleitung; u.a. auch von Musiklehrer Eric (Julian Rhind Tutt), dem unsympathischen Verlobten von Kollegin Betsy (Jennifer Ehle).\r\nAbel und Betsy versuchen den Fall zu klären und empfinden mehr als Sympathie für einander. Sie stoßen bald auf einen blutigen Initiationsritus unter den Jungs und erhalten dabei Unterstützung von Carlin (Rachelle Lefèvre), einer Schülerin des koedukativen Internats, der Freundin von Gus. \r\nEine weitere Ebene sind die Retros von Abels Kindheit. Der Tod seines größeren Bruders Frank, hat ihn schwer mitgenommen. Auch seinem Vater fällt es schwer den Tod seines Sohnes zu verarbeiten.\r\nRegisseur Nick Willing lässt es in letzter Konsequenz bis zum Schluss offen, ob es hier Mord, Selbstmord oder ein Unfall war. Das hält die Spannung bis zum Ende hoch, verbunden mit der Hoffnung auf ein Happy End. Die halbherzige Love-Story von Abel und Betsy bleibt als Option im Raum. Und um die Diskussion auch noch weiterhin anzufeuern, schwimmt am Ende Carlin allein im Fluss – ist also eins mit dem Fluss König (Titel!). Komplexe Spannung eingelagert in wunderschöne Winterbilder. Ersteres sorgt für Gesprächsstoff, letzteres bringt optischen Genuss.\r\n


Filmkritik zu Der Clan der Sizilianer - 29.08.2020 14:13

Großes Gangster-Kino mit den drei Superstars der 60er Jahre: Jean Gabin, Lino Ventura und Alain Delon. Die drei planen minutiös und detailversessen einen Juwelenraub. Altmeister am Regiepult ist Henri Verneuil, der schon beinahe dokumentarisch darlegt wie großartig der Coup geplant und durchgeführt wird. Wie im echten Ganovenleben wird nichts vorher verraten. Der Zuschauer sitzt in der ersten Reihe und verfolgt das Geschehen, das völlig glatt abläuft. Völlig glatt? Bis auf zwei, drei Kleinigkeiten, die den coolen Ganoven ein Bein stellen. Über eine Stunde kann man glauben, es wird der erste perfekt gelandete Bruch aller Zeiten; so z.B. der Ausbruch von Sartet (Delon) durch den Boden einer Grünen Minna. Dann wird man auf die Kleinigkeiten geschubst: Alain Delons Schwester Monique (Danielle Volle), die Inspektor Le Goff (Lino Ventura) als Köder einsetzt, der kleine Bub am Strand, der Alain auf einem Foto wiedererkennt oder der Austausch von Mr. Evans, einem Sicherheitsexperten. Alle Fäden laufen bei (Vittorio Manalese) Jean Gabin, dem Patriarchen des Clans, zusammen. Er erfährt vom Verhältnis zwischen Sartet und seiner Schwiegertochter Jeanne (Irina-DerlängsteTag-Demick). Sie hat die Familienehre befleckt. Bezeichnenderweise ist sie auch die einzige nicht Italienerin im Clan. Sartet fährt nach Paris zurück um seinen Anteil abzuholen. Alle warten auf ihn: der Clan, die Polizei, seine Schwester und die Zuschauer. Die optionale Geldübergabe findet dann zwischen Vittorio Manalese, Sartet und Jeanne statt, die die beiden Liebenden nicht überleben werden. So etwas regelt der Clan intern. Zu Hause wartet Le Goff auf Vittorio Manalese. Der hat ein Loch im Mantel, das ihn verrät. Le Goff führt ihn ab, wie einen alten Kumpel. Die Frage des kleinen Enkels, nach einem gemeinsamen Abendessen muss Vittorio allerdings leider verneinen.\r\nSouverän dirigiert die Regie die Akteure, die ohne Emotionen ihrem Geschäft nachkommen und produziert einen großartigen Klassiker.\r\n


Filmkritik zu Liebeshunger - 30.03.2020 11:42

Regisseur James Mangold ist weißgott kein Vielfilmer, aber unter seinen Werken gibt es seltene Perlen. In seinem Debüt stellt er eine Galerie von Losern vor, deren menschliche Tragödie nicht mehr zu toppen ist und es gibt auch keinen Silberstreifen am Horizont. Allein die verschiedenen Titel belegen die verschiedenen Blickwinkel, der gezeigten Probleme.\r\nDie Belegschaft von Dolly‘s Diner steht im Zentrum der Handlung. Shelley Winters ist die Übermutter, die den Laden und seine Gäste managet. Ihr Sohn Victor (Pruit Taylor Vince, der Mann mit dem einmaligen Pupillenflackern) leidet unter seinem Übergewicht (Titel!). Er ist ein stiller, linkischer und schüchterner Fettsack, dem man eine gewisse Liebenswürdigkeit nicht absprechen kann. So weint sich nicht nur Kellnerin Callie (Liv Tylor) bei ihm aus, sondern auch Kollegin Dolores (Debbie- Blondie-Harry). \r\nDie vielen kleinen Facetten am Rande der Handlung lassen leise Einblicke ins Innenleben der Akteure zu. Sagt die Kassiererin im Supermarkt, als sie ein Schlankheitsmittel für Victor abrechnet ‘Hab ich auch mal versucht und über 10 Kilo abgenommen.‘ Cut: danach steht er vor dem Spiegel und stellt fest, die Hose spannt im Bund. Oder wenn Callie ihre Zuneigung zu Victor signalisiert, sagt sie ‘Du hast da was am Kinn.‘ Beeindruckend sind auch Victors Visionen: Als Mutter Dolly stirbt, sieht er Callies Körper im Fluss und versucht Wiederbelebung – natürlich nur in seiner Fantasie. Es folgt ein Frust-Fressen. – wie früher. Als Callie kündigt, versucht es Kollegin Dolores als Ersatzmutter bei Victor. Eine neue unvollendete Tragödie kündigt sich an. Hoffnungslos, deprimierend ist dieses Leben. Da kann man dem dicken Victor nur ein Meer von Mitleid entgegenbringen. Er leidet wie sein kleiner Boston Terrier.\r\n

2021