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PatrickPalais

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Filmkritik zu Blue Jasmine - 11.11.2013 21:52

Zweifelsohne ist Allen Stewart Konigsberg, den wir alle nur unter dem Namen Woody Allen kennen, einer der großen lebenden Meister des Kinos. Seit über 50 Jahren ist er im Filmgeschäft tätig, seit über 30 Jahren dreht er pro Jahr mindestens einen Film. Es ist kaum vorstellbar, dass dieser mittlerweile 77 Jahre alte kleine Mann mit der großen Brille irgendwann sein Arbeitstempo verringern oder uns jemals einen wirklich schlechten Film präsentieren wird. Nicht zuletzt äußert sich diese Leistung auch in der medialen Wahrnehmung seiner Werke. Wo in anderen Fällen vom neuen Tom Cruise oder vom neuen Bruce Willis geprochen wird, also der Darsteller des Hauptcharakters dazu dient, den Film popkulturell einzuordnen, fragt man bei den Werken des im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborenen Filmurgesteins, ob man schon den neuen Woody Allen gesehen hat. Dies geschieht ganz ungeachtet der Tatsache, dass Allen in seinen letzten Filmen bestenfalls noch Nebenrollen übernahm und sein Einfluss auf die Filme somit vom Regiestuhl und vom Schreibtisch aus erfolgte. Und so kommt es, dass die Kritik bei einem Film wie \"Blue Jasmin\", Allens jüngstem Werk über den sozialen Absturz einer Frau der New Yorker High Society, ihren ganz eigenen Gesetzen folgt. Da Allen bei seinen Filmen die erste Geige spielt, unterliegen zunächst Regie und Drehbuch von \"Blue Jasmine\" der Analyse. Konkret handelt es sich dabei um ein Drama, ein Genre, das Allen zwar meisterhaft beherrscht, aber auch viel seltener produziert als Komödien, deren Drehbücher ihm, wie Allen selbst sagt, einfacher und schneller von der Hand gehen. Dass \"Blue Jasmine\" nach längerer Zeit wieder einmal ein absolut fesselndes Drama aus seiner Feder ist, fällt dabei direkt dem nächsten ungeschriebenen Gesetz der Allenkritik zum Opfer: dass Allens neuer Film nie als sein Bester gefeiert werden darf. Und so kommt es, dass \"Blue Jasmine\" sicherlich die Perle im Lebenswerk so ziemlich jeden anderen Regisseurs wäre, der Film jedoch innerhalb Allens Lebenswerk nicht an seine besten Arbeiten herankommt, etwa den 2005 erschienenen, unglaublich spannenden \"Match Point\" oder den unvergessenen \"Interiors\" von 1978. Und dennoch: Mag der Allen 2013 gegen den Allen 2005 und 1978 verlieren, findet dieses \"Scheitern\" doch auf höchstem Niveau statt. Denn das ist das nächste Gesetz: Spricht die Kritik von einem schlechten Allen, ist damit nach wie vor ein besserer Film gemeint, als ihn die meisten anderen Vertreter von Allens Zunft zu produzieren im Stande wären. Mit anderen Worten: Auch ein schlechter Woody Allen ist immer noch ein verdammt guter Film. Nein, \"Blue Jasmine\" ist kein schlechter Woody Allen. Nicht zuletzt liegt dies an der Hauptdarstellerin, der \"zweiten Geige\" in Allens Orchester. Aber wie diese zweite Geige gespielt wird. Denn bei dieser Geigerin um keine geringere als Cate Blanchett, die in ihrer Rolle der reich eingeheirateten Jasmine Francis zu schauspielerischer Höchstform aufläuft. Es ist nicht zuletzt Blanchett zu verdanken, dass der Zuschauer mit dem eigentlich unsympathischen Charakter der Jasmine mitfühlt, wenn sie nach dem Tod ihres Mannes (Alec Baldwin), dem Fall aus der High Society ins gesellschaftliche Nichts und von Paranoia geplagt bei ihrer Waisenschwester einzieht und versucht, in ihrem Leben neu Fuß zu fassen. Blanchetts Anteil wird ein gewichtiger sein, wenn im Jahr 2023 die Zuschauer aus dem aktuellen Woody Allen strömen, um einvernehmlich festzustellen, soeben einen großartigen Woody Allen gesehen zu haben, der aber doch nicht an seine besten Arbeiten aus der Vergangenheit heranreicht, wie etwa \"Blue Jasmin\". Blanchett wird sich aber damit abfinden müssen, dass der Verdienst fast ausschließlich ihrem Regisseur Allen zugeschrieben werden wird. So will es das Gesetz.

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